Tageslicht / Donnerstag, 21.01.2016

“Westwind” macht Flüchtlinge mobil

 
 

Freiwillige Helfer reparieren gebrauchte Fahrräder für Flüchtlinge. Spenden willkommen – auch an der Rindermarkthalle.

Wer hat noch ein altes Fahrrad im Keller, überzählige Schlösser, Schläuche, Lichtanlagen oder sonstige Ersatzteile? Demnächst könnt ihr sie für einen guten Zweck spenden: Das Netzwerk „Westwind“ hat jetzt einen festen Standort in zwei Containern auf dem Außenparkplatz der Rindermarkthalle. Stadtteilaktivistin Theresa Jakob hatte ein Angebot „Container zu verschenken“ entdeckt und den Transport zur Rindermarkthalle veranlasst, die Kosten übernahm Refugees Welcome Karoviertel (Beitragsfoto: Theresa Jakob mit Christian Großeholz und Carmen Wilckens von westwind).

„Entstanden ist unsere Initiative beim Schrauben“, sagt Westwind-Mitbegründer Christian Großeholz. Aktive Radler- und Bastler/innen fanden sich schon im August zusammen und dachten in die gleiche Richtung: Geflüchtete Menschen können sich am besten in Hamburg zurechtfinden, wenn sie unabhängige Fortbewegungsmittel haben. „Ideal dafür sind gespendete Gebraucht-Fahrräder, die von uns aufgearbeitet und dann an Flüchtlingsunterkünfte ausgeliefert werden“, sagt Großeholz.

Die ersten Fahrräder wurden schon ausgeliefert

Schon bis November konnte Westwind die ersten 100 Spenden-Fahrräder für Erwachsene und Kinder in Hamburger Unterkünften abgeben. Übrigens auch an bedürftige Einheimische. Inzwischen zählt das Netzwerk rund 400 Unterstützer/innen und etwa 20 bis 30 Aktive (auch auf Facebook). Und aus der Initiative ist ein Verein geworden, zur Zeit läuft die Eintragung der Gemeinnützigkeit.

Nur eine eigene Werkstatt fehlte noch. „Wir sind zuerst in den Werkstätten der Produktionsschule Eimsbüttel als Gäste untergekommen, aber auf die Dauer geht das nicht“, sagt Großeholz. Die beiden (heizbaren) Container kamen daher wie gerufen. Auch mit dem Standort auf dem Parkplatz der Rindermarkthalle ist Westwind zufrieden. „Wir sind sehr glücklich über das Entgegenkommen vom Centermanagement. Wir dürfen hier mietfrei stehen“, sagt Carmen Wilckens von Westwind.

Kosten für 1 Fahrrad liegen bei 15 Euro

Repariert wird umsonst, die Geräte und Ersatzteile sind bisher zum Teil aus eigener Tasche, zum Teil aus Spenden von RWKaro bezahlt worden. Geld- und Sachspenden sind daher sehr willkommen, um die Werkstatteinrichtung, Ersatzteile sowie Schläuche, Bremszüge usw. anzuschaffen. „Das Aufarbeiten eines Fahrrads kostet im Schnitt ca 15 Euro“, hat Großeholz errechnet.

Gut ist der Standort Rindermarkthalle auch, weil Westwind noch viele Pläne hat. Zum Beispiel Reparaturkurse und ein Verkehrstraining für Flüchtlinge. “Oft verstehen sie einige deutsche Verkehrszeichen noch nicht, und manchmal sind auch komplette Fahrradneulinge dabei. Wir könnten uns auf dem Parkdeck der Rindermarkthalle ein Fahrrad- und Verkehrstrainig vorstellen”, sagt Mitbegründerin Carmen Wilckens. Theresa Jakob bekräftigt: “Die Bünabes von der Lerchenstraße werden das bestimmt gerne unterstützen.”

Zukunftstraum: ein Refugees Racing Team

Großeholz hat als aktiver Radsportler darüber hinaus einen Traum: Er möchte ein gemischtes Team mit Flüchtlingen für die Cyclassics aufbauen. „Wir kriegen immer mal wieder Rennräder oder Rennradrahmen geschenkt und wussten erst nicht, was wir damit machen sollten“, sagt er. Das Refugees Racing Team erfordert allerdings noch eine Menge Arbeit. Erste Gespräche mit Sponsoren sind aufgenommen worden, weitere Sponsoren werden gesucht.

Westwind nimmt am Sonnabend, 23.1., von 16 bis 19 Uhr Spenden in den Containern an der Rindermarkthalle entgegen. Weitere Termine werden auf der Homepage bekanntgegeben.
Geldspenden bitte per Überweisung an:
BaSchu e.V.
Verwendungszweck: Westwind Hamburg
IBAN DE50 2007 0024 0320 8329 00
BIC DEUTDEDBHAM
(Damit das Geld zugeordnet werden kann, bitte unbedingt den Verwendungszweck angeben!

 

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