Tageslicht / Sonntag, 13.04.2014

Warum sich St. Pauli und Lampedusa so nah sind

Hamburger Delegation: Constanze Funck, Georg Möller, Bürgermeisterin Giusi Niulini, Friday Emitola und Katharina Buske
 
 

Es sind zwei Orte, die durch das Schicksal der afrikanischen Flüchtlinge eng verbunden sind. Aktivisten wollen jetzt eine Bürgerbrücke ins Leben rufen.

Wie wir bereits in der vergangenen Woche berichtet haben, sollen die Wohncontainer an der St. Pauli Kirche definitiv zum 2. Juni abgebaut werden. Einige fragen sich vielleicht: Geht damit das Kapitel der Lampedusa-Flüchtlinge auf St. Pauli zu Ende? „Nein“, sagt Georg Möller von der Initiative „Wir sind mehr“. „Das Gegenteil wird eintreten. Die Solidarität mit den Refugees wird zunehmen.“

Die Bürgermeisterin von Lampedusa Giusi Nicolini ist begeistert vom Engagement der Menschen auf St. Pauli

Bürgermeisterin Giusi Nicolini ist begeistert vom Engagement der Menschen auf St. Pauli

Um die Erinnerung an das Schicksal der Flüchtlinge wachzuhalten und noch mehr Menschen im Stadtteil für das Thema Flüchtlingspolitik zu sensibilisieren, haben Georg Möller und einige Mitstreiter die Idee einer Bürgerbrücke zwischen St. Pauli und der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa ins Leben gerufen. Im Januar hatte Möller gemeinsam mit Friday Emitola, Katharina Buske und Constanze Funck von der Nordkirche die Insel besucht und dabei auch mit der dortigen Bürgermeisterin Giusi Nicolini über die dramatische Situation der Flüchtlinge und das Engagement der Menschen auf St. Pauli gesprochen (Foto). „Die Bürgermeisterin, ihre Administration und die ganze Bevölkerung gehen ähnlich wie wir, sehr offen und tolerant mir Fremdheit um“, sagt Georg Möller nicht unbeeindruckt. „Die Idee einer Bürgerbrücke ist daher bei unserem Besuch auf große Zustimmung gestoßen.“

Der gelernte Jurist versteht die Bürgerbrücke vor allem als ein kulturelles Projekt, das von Bürgern aus St. Pauli und nicht von der Stadt getragen werden soll. Eine Freundschaft, keine städtische Partnerschaft. „Das ist mit diesem Bürgermeister nicht zu machen.“ Ziel solle es sein, diese beiden ungewöhnlichen Orte auf der Welt zusammenführen. „Wir wollen den Austausch zwischen den Menschen fördern und darüber nachdenken, wie wir Europa solidarisch gestalten können.“ Das Projekt soll jedoch nicht aus Spendengeldern für die Flüchtlinge finanziert werden. Stattdessen hofft Möller vor allem auf Stiftungen, die eine solche Bürgerbrücke unterstützen wollen.

An Gedanken, die vereinbarte Partnerschaft mit Leben zu füllen, mangelt es dem Ideenscout Georg Möller und seinen Mitstreitern jedenfalls nicht. Neben Schulklassen, die im Rahmen von Projektarbeiten die inoffizielle Partnergemeinde besuchen sollen, könnten auch Schiffsbauer aus Hamburg und Lampedusa zusammengeführt werden, um beispielsweise ehemalige Flüchtlingsboote wieder seetauglich zu machen und somit handwerklich voneinander zu lernen. Andere Bürger sollen beispielsweise innerhalb von Aktionen wie „Wasteless Island“ die Möglichkeit bekommen, die andere Kultur kennenzulernen. „Die Küste von Lampedusa ist besonders von der Verunreinigung durch Plastikmüll betroffen“, erzählt Möller. „Ähnlich wie unser Elbstrand.“ Bürger könnten sich hier gegenseitig helfen, die Strände zu säubern und Ideen entwickeln, wie Müll vermieden werden kann.

Darüber hinaus sollen jedoch vor allem Plattformen des Dialogs geschaffen werden. So entstand beispielsweise die Idee einer „University of hope“, wobei Universität nicht wörtlich zu nehmen ist. Gemeint ist vielmehr ein gemeinsames Ideen-Netzwerk, in dem sich Menschen aus St. Pauli und Lampedusa bei gemeinsamen Diskussionsrunden oder Workshops mit europäischen und flüchtlingspolitischen Fragen beschäftigen. Treffpunkte könnten sowohl auf der italienischen Mittelmeerinsel als auch auf dem Kiez sein. Wie wollen wir mit Menschen aus Krisengebieten umgehen, die bei uns Schutz suchen? Welchen Sinn und Zweck haben Grenzen und welche möglichen Alternativen gibt es?  Wie können wir ein offenes Europa praktisch umsetzen? „Alle Menschen aus dem Stadtteil sind aufgerufen, sich zu beteiligen, ihre Ideen einzubringen und kontrovers mitzudiskutieren.“

 

Kommentare


  1. Gute Sache, vielleicht fallen Ihnen ja auch ein paar Möglichkeiten ein die Lebensverhältnisse in Nordafrika so zu gestalten, das die Menschen da bleiben und ihre Länder wieder aufbauen. Auch wenn dann hier einige Firmen nicht mehr ganz so gute Geschäfte machen…

  2. Pingback: Die Schönheit in der Niederlage – #FCSP unterliegt dem FCK | KleinerTods FC St. Pauli Blog

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