Tageslicht / Dienstag, 09.02.2016

„St. Pauli lässt sich nicht bedrängen“

 
 

Mit einer groß angelegten Kampagne wirbt man auf St. Pauli um das Vertrauen der Kiez-Besucher und erklärt die Hausregeln der Reeperbahn.

Am Ende müssen Julia Staron und Lars Schütze doch noch selbst Hand anlegen. Ganz so zügig wie beim Fachmann läuft das Ausrollen und Anbringen der Plakate zwar noch nicht, am Ende aber prangt die Botschaft unübersehbar an der rund vier Meter hohen Litfaßsäule gegenüber der Davidwache: „No Harassment. But Party“, „No Sexism. But Love“, „No Racism. But Tolerance“.

Gut fünf Woche nach Bekanntwerden zahlreicher sexueller Übergriffe auf junge Frauen in der Silvesternacht auf St. Pauli, gehen die Quartiersmanager des Business Improvement Districts (BID) Reeperbahn+ mit einer groß angelegten Aufklärungskampagne in die Offensive. In Zusammenarbeit mit der Firma Ströer, die sich vor allem auf Außenwerbung spezialisiert hat, wurden in den vergangenen Stunden fast sämtliche Litfaßsäulen rund um die Reeperbahn plakatiert. Zudem soll das Symbol mit der „Stopp-Hand“ nun auch auf Buttons und Flyern in die Welt getragen werden.

BID Kampagne nach Silvester

Mit Hilfe von Flyern und Buttons soll sich die Botschaft überall auf dem Kiez verbreiten

Es ist vor allem ein Zeichen des Zusammenhalts auf St. Pauli, das nun nach außen hin gesetzt werden soll. „Die Geschehnisse an Silvester haben den Stadtteil aufgescheucht“, sagt Quartiersmanagerin Julia Staron. Eine zum Teil hysterische Medienberichterstattung habe für zusätzliche Verunsicherung gesorgt. Die Folge sei ein bisweilen unerträglicher Populismus gewesen, „bis hin zu Berichten über angebliche Bürgerwehren, die es hier geben sollte“.

Dem wolle man nun geschlossen entgegentreten: „St. Pauli lässt sich nicht bedrängen“, sagt Staron. „Weder von denjenigen, die meinen, Frauen seien Freiwild, noch von denen, die meinen, die Schuld sei pauschal bei Flüchtlingen zu suchen, und ganze Bevölkerungsgruppen per se kriminalisieren.“ Das Stopp-Symbol der Kampagne richte sich an alle Menschen auf dem Kiez, betont auch Quartiersmanager-Kollege Lars Schütze: „St. Pauli lebt von der Zügellosigkeit und seiner Offenheit, es steht für Spaß und Toleranz. Aber es gibt Grenzen – und die gelten für alle.“

Schilder Große Freiheit

Auch auf der Großen Freiheit wirbt man mit Schildern um das Vertrauen der Kiez-Besucher

Zusätzlich zu den Plakaten, die nun überall im Viertel aufgehängt werden sollen, sind bereits zahlreiche Flyer im Umlauf, mittels derer Besucher in vier Sprachen, darunter auch Französisch und Arabisch, auf die „Hausregeln“ St. Paulis Aufmerksam gemacht werden: „Wir dulden keinen Rassismus, Sexismus, Homophobie und wollen hier alle mit Respekt, Toleranz und Freiheit zusammen leben und feiern“, heißt es dort. „St. Pauli bleibt frei, bunt und tolerant.“ Darüber hinaus werden Besucher gebeten, sich im Falle einer Belästigung beim jeweiligen Servicepersonal zu melden.

„Das Bewusstsein für die Problematik ist bei vielen Mitarbeitern seit Silvester geschärft“, glaubt Julia Staron. Vielerorts auf dem Kiez hätten sich Betreiber und Polizei untereinander ausgetauscht, um die Kommunikation und Zusammenarbeit zu verbessern. „Inzwischen hat sich die erste Aufregung wieder gelegt, die Existenzängste mancher Betreiber sind gewichen“, sagt Staron. Stattdessen habe man auf dem Kiez einen konstruktiven Optimismus entwickelt: „Wir feiern weiter – und passen aufeinander auf.“

(Fotos: Daniel Schaefer)

 

Kommentare


  1. oje, da kommt bei den fremdsprachigen flyern bestimmt gleich wieder die rassismus-keule. schließlich unterstellt man damit pauschal, dass die leser derselbigen nicht wüßten, dass man in deutschland frauen nicht belästigen (im weitesten sinne) darf. hoffentlich gibt es die flyer auch auf deutsch…

    • Ja, die „Rassismus-Keule“ ist sicher eines unserer ganz großen Probleme. Ich kann diesen Blödsinn echt nicht mehr hören. Herr schmeiß Hirn vom Himmel.

      • werter autor,
        wissen sie es? gibt es die flyer auf auch deutsch oder dürfen wir davon ausgehen, dass deutsche männer wissen (!), dass mann frauen nicht belästigt?
        mfg

        • Der Flyer beinhaltet sowohl eine deutsche Version des Textes, sowie eine englische, französische und arabische Übersetzung.

        • Sie können ja mal die Anzahl der sexuellen Belästigungen von deutschen und die von Asylsuchenden / Ausländern prozentual auf die Summe berechnen und dann ihre Fragen selbst beantworten, wo das Problem größer ist.

    • mimimimi Keule hier Keule da. Immer nur meckern heulen und sich als Opfer darstellen. Diese ganzen „besorgten Bürger“ kotzen mich nur noch an. Macht doch was wenn euch was stört.

  2. es sticht trotzdem ins Auge, dass so ’ne Aktion jetzt kommt und die Plakate (und Buttons) eben englisch sind soweit ich das sehe… als ob es die genannten Dinge hier vorher nie gegeben hätte (geht ja auf dem Plakat nicht nur um sexuelle Belästigung, sondern z.B. auch Homophobie, Rassismus usw.). Und aktuell wäre gerade das Rassismus-Ding auf deutsch gar nicht mal so schlecht gewesen. Denn auch manch ein schon länger hier lebender Mensch äußert sich nicht immer freundlich über andere deren Haut ggf. dunkler ist als die eigene…

  3. Mal gucken ob die Kampagne erfolgreicher wird als die Anti-Wildpinkleraktion…ich sehe sie immer noch ohne jede Scham überall hinpissen…

  4. Seit Jahren ist es immer das Gleiche: am 2. Januar hören wir von hunderten von sexuellen Belästigungen in deutschen Großstädten. Nicht? Ey, Leute, Ihr habt in den letzten Jahrzehnten am 2. Januar offenbar keine Zeitung gelesen. Sexuelle Belästigung durch ganze Hundertschaften? Gab’s doch schon immer …

  5. wer antwortet hier wem?
    das system ist unübersichtlich.
    „#“ würden es erleichtern und „*“ ein breiteres meinungsbild ermöglichen.
    …nur mal so wieder eingeworfen.
    mfg

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