Tageslicht / Mittwoch, 27.08.2014

Seilbahn-Gegner feiern auf dem Spielbudenplatz

 
 

Auf dem Kiez wird gefeiert: Keine Gondeln über der Elbe! Knapp zwei Drittel der Wahlteilnehmer erteilen der geplanten Seilbahn eine Absage.

Gestern hatten wir es ja an dieser Stelle schon verkündet, jetzt ist es offiziell: Nix Seilbahn! Zwei Drittel sprechen sich gegen das Projekt aus. Laut offiziellem Endergebnis, das am Nachmittag vorgestellt wurde, stimmten lediglich 18.312 der Vorlage des Bürgerbegehrens zu. 31.769 hatten mit NEIN abgestimmt. Das entspricht 63,4 Prozent.

Andy Grote gibt die Ergebnisse des Bürgerentscheids zur Hamburger Seilbahn bekannt

Andy Grote gibt die Ergebnisse des Bürgerentscheids zur Hamburger Seilbahn bekannt

Bezirksamtsleiter Andy Grote (SPD) sprach bei der Pressekonferenz am Mittwochnachmittag von einem „klaren Ergebnis“. „Das Votum ist bindend für den Bezirk, aber auch für den Senat.“ Die Seilbahn in dieser Form – von St. Pauli zu den Musicalzelten auf der anderen Elbseite – sei damit endgültig vom Tisch. Die Freude über das gescheiterte Bürgerbegehren konnte der Bezirkschef nur schwer verbergen. „Dass ich eine gewisse Freude verspüre, ist sicherlich nachvollziehbar. Ich halte das Ergebnis für eine richtige und gute Entscheidung.“ Das Ergebnis sei aber kein Votum gegen den Tourismus, sondern eines für den Erhalt der Einzigartigkeit dieser Stadt.

Tourismuschef Thomas Magold, einer der Initiatoren des Bürgerentscheids, bedauert das Nein zur Seilbahn

Tourismuschef Thomas Magold, einer der Initiatoren des Bürgerentscheids, bedauert das Nein zur Seilbahn

Etwas bedröppelt lauschte Thomas Magold, einer der Hauptinitiatoren des Bürgerbegehrens, den Worten des Bezirksamtsleiters. „Wir akzeptieren selbstverständlich das Votum der Wähler in Hamburg-Mitte, sind aber nach wie vor überzeugt, dass die Hansestadt damit vorerst die große Chance verpasst, ein innovatives Verkehrsmittel völlig ohne Kosten oder Risiko für die Stadt zu erproben“, sagte er im Anschluss. „Wir haben uns sehr engagiert, aber die Angst vor Veränderung ist bei vielen Bürgern größer als die Lust, etwas Neues zu probieren“, sagte Magold. Das habe die Politik in Mitte aufgegriffen und mit ihrer Diffamierungskampagne befördert. „Die Stage hätte einen fairen Umgang verdient, den hat das Unternehmen aber nicht bekommen.“

Das sieht FDP-Wirtschaftsexperte Thomas-Sönke Kluth ähnlich: „Eine Seilbahn über die Elbe wäre nicht nur ein touristisches Highlight sondern auch eine sinnvolle Ergänzung des ÖPNV.“

„Die Menschen lassen sich nicht kaufen“

Auf dem Spielbudenplatz feierten die Gegner der Seilbahn am Nachmittag euphorisch das Ergebnis – obwohl der Jubel für die Kameras im ersten Moment noch etwas verhalten wirkt, als könnten sie ihr Glück immer noch kaum fassen. „Ich habe nicht gedacht, dass es so ausgeht“, sagt Sabrina Hirche, Initiatorin der Initiative Keine Seilbahn von St. Pauli über die Elbe. Bis zuletzt war sie unsicher, wie das Votum der Menschen ausfallen würde. Den Sekt habe sie daher eben erst am Kiosk gekauft. „Ich bin völlig überwältigt.“

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Bis zuletzt konnte Sabrina Hirche es kaum glauben: „Ich bin völlig überwältigt“

„Wir haben gezeigt, dass David gegen Goliath gewinnen kann“, sagt Theresa Jakob von der Initiative Keine Seilbahn. „Es ist ein doppelter Sieg, für die Bürger von St. Pauli und die Demokratie insgesamt.“ Jubelnd liegen sie sich in den Armen, auch Vertreter von SPD, Grüne und Piraten sind dabei und klatschen sich gegenseitig ab. Ein Sektkorken fliegt über den Platz. „Das klare Ergebnis zeigt, dass ein Bürgerbegehren von keiner Firma gekauft werden kann“, sagt Michael Osterburg von den Grünen. „Die Bürger haben sich durchgesetzt und für sich und ihren Stadtteil entschieden.“ Andreas Gerhold von den Piraten ergänzt: „Die Menschen in Mitte haben der Konzernlobby eine klare Absage erteilt.“

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Bei Käse und Wein feiern Vertreter von SPD, Grünen und Piraten, sowie zahlreiche Mitstreiter aus dem Stadtteil das Ergebnis

„Hamburgs Bürger Haben sich weder täuschen noch kaufen lassen“, sagt Sabrina strahlend. „Ich bin wahnsinnig glücklich. Jetzt feiern wir erstmal auf unserem Dorfplatz.“ Käse und Wein stehen schon bereit. Bei Samba-Klängen, die über den Platz hallen, hält auch Magdalena Eberhard die Füße nicht mehr still. Seit vier Jahren habe sie gegen die Seilbahn gekämpft, Briefe an Senatoren und Bezirkspolitiker geschrieben und die Presse für das Thema sensibilisiert. Am Montag hatte sie sich bereits im Bezirksamt einen ersten Eindruck bei der Auszählung verschafft. „Ich habe es gehofft, aber nicht erwartet“, sagt Magdalena über das Ergebnis. „Jeder, der Hamburg liebt, muss sich über dieses Ergebnis freuen.“

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Magdalena Eberhard, Karin Borkwardt, Inge Polomski und Birgit Kiupel freuen sich über das klare Votum

(Danke an Irene Jung für die tolle Unterstützung. Fotos: Daniel Schaefer, Irene Jung)

 

 

Kommentare


  1. Pingback: Aktuell: Hamburg schickt die Seilbahn in die Berge - St.Pauli-NewsSt.Pauli-News

  2. Es waren knapp zwei Drittel der gültigen abgegebenen Stimmen und nicht zwei Drittel der Wahlberechtigten. Leider lag die Wahlbeteiligung nur bei etwa einem Viertel. Trotzdem ist es schön zu sehen, dass die ungeschickte Art des ganzen Bürgerbegehrens der Befürworter nach hinten losgegangen ist und die Vernunft gesiegt hat.

  3. Für die Stadt ist das Ergebnis nicht wirklich schlimm, aber eine Attraktion wäre die Seilbahn schon gewesen. Erschreckend ist viel mehr der Sieg der
    Wutbürger, die sich ohne sinnvolle Argumente und mit Fehlbehauptungen hier durchsetzen konnten.
    Da wird einem Angst und Bange ob man in diesem Land überhaupt noch interessante und innovative
    Bauprojekte auf den Weg bringen kann.
    In diesem Fall ist nur die Chance die angrenzenden Viertel zu entlasten vertan worden, bei anderen Projekten könnte auch mal mehr verspielt werden.
    Was Herr Grote zu feiern hat ist völlig unverständlich.
    Den unmittelbar vom Verkehr betroffenen Bewohnern wurde hier ein Bärendienst erwiesen. Ein Konzept wie die Besucherströme anders besser gelenkt werden habe ich von Ihm noch nicht gehört.
    Stattdessen werden alle Parkplätze an den Vorsetzen in nächster Zeit für die Hochwasserschutzerhöhung noch zusätzlich wegfallen. Na vielen dank sehr hilfreich.

    • Argumente gegen die Seilbahn:
      – Keine sinnvolle Ergänzung des ÖPNV (zu geringe Kapazität, viel zu hoher Preis)
      – Verschandelung des Stadtbildes (Vom Michel aus auf Augenhöhe…)

      Die Werbeplakate fand ich schon lustig. Drei junge Mädels fahren für gesamt 15-45 Euro zum Konzert über die Elbe. Na klar.

      Ich finde es gibt im Gegenteil zu Ihrer Behauptung keine guten Argumente für eine Seilbahn. Was ist denn bitte an so einem Projekt interessant?
      Da muss schon eine bessere Lösung für Verkehrsprobleme her. Die Seilbahn ist nämlich keine.

      • Die Seilbahn hätte in der Tat nichts mit ÖPNV zu tun. Das ist aber ja kein Gegenargument.
        Es wäre eine Attraktion und ein Zubringer zu den Theatern gewesen. Als solcher hätte er deren Besucher von einem Anwohnerfreien Ort transportiert.
        Was die Verschandelung betrifft, das ist in der Tat Geschmackssache, mich hätten die drei Seile und zwei Pylone nun nicht gestört, da hätte ich den Attraktivitätsfaktor höher angesetzt. Nun denn, die ist vom Tisch.
        Hamburg wird’s verkraften.
        Aber eine Anwohnerentlastung ist damit eben nicht geschehen. Die Besucher werden trotzdem kommen, sollen sie auch gerne.
        Aber die Politik muss dringend die Parkraumbewirtschaftung in den betroffenen Bereichen verbessern! Und da wurde eine Option nun verspielt

    • @HHNeustadt. Es waren also „Wutbürger“, die sich gegen den Bau der Seilbahn gewehrt haben? Und dann noch ohne auch noch „sinnvolle“ Argumente und Fehlbehauptungen?! Ja geht es noch? Wer hat denn permanent gelogen, Freikarten verteilt, eine Morgengabe in Millionenhöhe ausgelobt? Aus welchem Kontinent posten Sie? Machen Sie sich wenigstens im Internet schlau ehe Sie sich hie blamieren!

  4. Wie schön, dass Anwohnerinnen mit Engagement etwas bewegen können. Dies ist um so bemerkenswerter, da es an finanzieller Unterstützung der Seilbahnbefürworter ja nicht gefehlt hat. Auch Handelskammer und Tourismus – Verband und andere Interessengruppen hatten sich ja ziemlich für die Seilbahn ins Zeug gelegt. Es ist also doch nicht alles käuflich.

  5. @hhneustadt & befürworter…wer meint das die Ablehnung zur Seilbahn aus den Reihen irgendwelcher „wutbürger“ (blödes wort) rührt und das Projekt immer noch als innovativ erachtet bzw. ein Verkehrsmittel darin erkannt haben will ist entweder selbst gänzlich fehl bzw uninformiert. Unnötig an dieser Stelle nochmal alle Fakten zum reellen Vorhaben zusammen zutragen, aber eines gilt es sicherlich noch festzustellen und zwar das es sicherlich weder einen Verlust von Tourismus noch einen verminderten Zuwachs an Tourismus geben wird ohne den Bau einer Seilbahn. Es wird lediglich keine weitere Einnahme Quelle der Stage geben und die könnte sich wenn sie doch so drauf bedacht ist gutes für Hamburg zu tun, Gedanken darüber machen wie sie für die vielen Beschäftigten ihres Betriebes Wohnraum schaffen kann um denen ihren Arbeitsplatz mit Standort Hamburg überhaupt erst zu ermöglichen in bezug auf das Verhältnis zwischen Lohn und Lebensunterhaltungs kosten. (Zb. Nach dem Modell eines Herrn Krupp Seiner Zeit im Ruhrgebiet)

    • Es ist sinnlos, Sie können noch so viel schreiben und nachvollziehbare Argumente vorbringen, die Befürworter, Verlierer sind „tödlich“ getroffen, keilen um sich und versuchen die Niederlage schön zu reden!

      • ….leider muss ich ihnen einen glückwunsch aussprechen! Aber das gehört sich wohl in einer „demokratie“ so. Ich kann nicht verhehlen das ich die seilbahn gerne gesehen hätte……aber abstimmung ist abstimmung. Also nochmals „glückwunsch“…….

    • Es wird sicher kein Verlust an Touristen geben.
      Nur kommen alle weiterhin an einen Abfahrtsort, statt sich zu verteilen. Ich habe bis heute kein sinnreiches Gegenargument gehört, bis auf die
      persönlichen ästhetischen Geschmäcker.
      Eine persönliche Abneigung gegen eines der beteiligten Unternehmen zu haben mag individuell verständlich sein, ist aber objektiv etwas zu dünn.

      • @HHNeustadt: Ich bin zwar selber kein Autofahrer, aber ich bin auch tag täglich in Hamburg unterwegs und muss Ihnen zustimmen, dass die allgemeine Situation was den Verkehr und die Parkplätze
        an geht, ich persönlich für eine absolutes Chaos halte….
        Eine Seilbahn, würde meiner Meinung nach, die Situation nicht verbessern, denn die Menschen sind bequem und werden weiterhin mit dem Auto direkt in die Stadt kommen.

        Hoffen wir mal, dass unser alter Elbtunnel irgendwann zu Ende renoviert wird, denn ich finde das ist eine wunderbare Möglichkeit um auf die andere Seite der Elbe zu kommen.
        Allerdings gibt es auf der Hafenseite noch einiges zu tun, das ist aktuell echt keine Augenweide…wie wäre es, wenn man vom Gelände des Elbtunnel auf der Südseite eine kleine Fußgängerbrücke über das Wasser auf die andere Seite zum König der Löwen baut? Dann müssen die Touristen auch nicht so einen großen Bogen durch den Hafen laufen, wo es wirklich nichts spannendes gibt.

        Oder wir sagen Olympia ab und bauen an der Stelle wo das Stadion hin soll, einfach ein riesiges Parkhaus mit den „Landungsbrücken 2.0“. Nee Spaß beiseite…

        In Zukunft heißt `s das Fahrrad ordentlich ölen, denn schneller kommt man in Hamburg nicht von A nach B.

  6. Ich wunder mich schon ein bißchen, das Herr Straten-Schulte ein befürworter der Seilbahn ist. Immerhin ist er im Vorstand der Rickmer Rickmers und grade ihm sollte doch die Skyline des Hamburger – Hafens sehr am Herzen liegen.Ansonsten Danke an Hamburg , das ihr uns ermöglicht hab diese Abstimmung zu machen.

  7. Ich möchte allen Mitstreiter*innen danken das wir es geschafft haben den Konzernen die Stirn zu bieten. Schade das die Pro Seilbahn er so schlechte Verlierer sind und alle Gegner als Kleinmeister,Wutbürger etc beschimpfen

    • Die unersättlichen, geldgierigen Unternehmer werden aus dieser schmachvollen Niederlage nichts lernen! Ich habe läuten hören,dass nächste „Geschenk“ soll schon in Arbeit sein!

    • @ THERESA JACOB; bevor sie solch einen, meiner meinung nach , unsinn schreiben; sollten sie sich lieber meinen kommentar vom 29.08. um 19:53 uhr durchlesen. Wie gesagt, ich bin weder ein „kleinmeister noch ein wutbürger“ oder ähnliches…..;-)

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  9. Gratulation zu der richtigen Entscheidung aus dem Bezirk „Nebenan“
    So bleibt auch uns, den direkten Elbanwohnern entlang des Flusses, der Anblick der Pylone erspart.

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