Tageslicht / Dienstag, 23.02.2016

Pudel-Immobilie: Teilabriss noch in dieser Woche?

 
 

Dachstuhl und Obergeschoss des Gebäudes müssen abgerissen werden. Der Pudel Club selbst wird komplett entkernt. Überreste des Park Fiction Archivs gerettet.

Im Sekundentakt fallen die Regentropfen durch das Dachgeschoss auf den Fußboden herab. Die wenigen Eimer und Wannen, die das Wasser hier oben sammeln sollen, wirken fast ein wenig hilflos. Die Dielenbretter des Fußbodens sind jedenfalls vollkommen durchnässt. Noch immer liegt ein leichter Brandgeruch in der Luft. Durch das offene Dach, blickt man zwischen verkohlten Balken und verschmorter Dämmwolle dem grauen Februarhimmel entgegen.

Es ist ein trauriger Anblick, der sich einem an diesem Nachmittag im ersten Obergeschoss des kleinen Gebäudes mit dem Golden Pudel Club im Erdgeschoss bietet. Hier oben, so viel wird schnell klar, ist nicht mehr viel zu retten. Bereits in dieser Woche könnte der Abriss des Dachstuhls beginnen. Auch das komplette Obergeschoss muss dann abgetragen werden. “Der Abriss muss sobald wie möglich erfolgen”, sagt Charlotte Knothe, Mitglied des Betreiberkollektives vom Golden Pudel Club. Jeder Tag, an dem noch mehr Wasser durch das offene Dach in das Gebäude dringe, verursache weitere Schäden. “Im Club selbst steht das Wasser Zentimeter hoch.”

Pudel Club / Oberstübchen

Der Blick in den offenen Dachstuhl, durch den unaufhörlich das Wasser tropft (Foto: Schaefer)

Auch für Christoph Schäfer und Margit Czenki drängt daher die Zeit. Denn bei aller Sorge um die Zukunft des Pudel Clubs im Erdgeschoss, wurde einem Schatz, der seit Jahren im Obergeschoss des Hauses lagerte, bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt: Dem Park Fiction Archiv.

Es enthielt bis zum Brand sämtliche Skizzen, Pläne und Fotos aus der Planungs- und Entstehungszeit des Antoniparks, der Anfang und Mitte der 90er Jahre unter dem Projektnamen “Park Fiction” von Anwohnern entwickelt wurde, um dem Bau von mehrgeschossigen Wohn- und Bürogebäuden zuvorzukommen und gleichzeitig den Pudel Club vor dem drohenden Abriss zu bewahren. “Neben historischen Dokumenten und vielen Materialien aus der Zeit der selbstorganisierten Wunschproduktion, haben wir auch fast alle Unterlagen aus der Umsetzungsphase aufbewahrt”, sagt Christoph Schäfer, der zu den Initiatoren von Park Fiction gehört.

Pudel Club / Oberstübchen II

Blick in das ehemalige Oberstübchen: Alles ist feucht (Foto: Schaefer)

Gemeinsam mit Margit Czenki , die das Projekt ebenfalls von Anfang an begleitet, hat er in den vergangenen Tagen bereits große Teile des Archivs, die in einem mächtigen Schrank im ehemaligen Restaurant “Oberstübchen” lagerten, in Sicherheit gebracht. Gemeinsam mit einigen freiwilligen Helfern schleppen sie am Montagnachmittag die letzten Überreste ins Trockene. “Gut zwei Drittel des Archiv wurden durch den Brand und vor allem durch das Löschwasser in Mitleidenschaft gezogen”, sagt Margit Czenki. “Vieles ist durchnässt, teils nicht mehr lesbar oder völlig verschwommen.” Nach dem Trocknen, hoffen beide wesentliche Dokumente wieder herstellen zu können. “Das wird viel Zeit kosten.”

Nicht nur die Wiederherstellung des Archivs wird sich somit noch einige Zeit hinziehen. Auch der Wiederaufbau des Gebäudes und damit die Eröffnung des Golden Pudel Clubs könnte länger dauern als zuletzt angenommen. Vergangene Woche noch, hatte Gründer Rocko Schamoni geäußert, dass der Club bereits “in ein bis zwei Monaten wieder eröffnen” könnte. Das jedoch erscheint mittlerweile als sehr unwahrscheinlich.

Die neue Türkische Hasel am Park Fiction

Der Pudel Club und Park Fiction – beide verstehen sich als eine Einheit (Foto: Schaefer)

Wir wollen natürlich so schnell wie möglich weitermachen”, sagt Charlotte Knothe. Doch neben dem Abriss des Dachstuhls und des Obergeschosses, sei auch im Club selbst noch eine Menge zu tun. “Der gesamte Innenraum muss entkernt und komplett saniert werden.” Holzverkleidung, Tresen, DJ-Pult alles muss raus. Denn das verunreinigte Löschwasser ist tief in Wände und Boden eingezogen. Die besonders stark betroffenen Flächen sollen daher mit Sandstrahlern gereinigt werden. “Am Ende werden womöglich nur noch die Wände stehen”, sagt Charlotte Knothe.

Die Versicherung wird zwar die Notfallmaßnahmen und Teile des Wiederaufbaus und der Wiederbeschaffung bezahlen, jedoch geht man innerhalb des Betreiberkollektivs von einer “großen Kraftanstrengung” und einer “großen finanziellen Herausforderung” aus. Die Sanierungsarbeiten könnten sich über mehrere Monate hinziehen. Wie lange genau, weiß niemand. Einen Zeitpunkt für die Wiedereröffnung des Clubs gibt es daher vorerst nicht. Vor der geplanten Zwangsversteigerung im April dürfte es jedoch schwierig werden.

Pudel / Oberstübchen III

Die Weinkarte erinnert noch an das ehemalige Restaurant “Oberstübchen” (Foto: Schaefer)

Diese soll, wie berichtet, nach wie vor stattfinden. Derzeit wird das Gutachten für die Versteigerung, das den Verkehrswert des Gebäudes zuvor auf 510.000 Euro festgesetzt hatte, noch einmal überarbeitet. Beim Pudel hingegen fürchtet man durch die Versteigerung zu einem Spekulationsobjekt zu werden. “Das widerspricht dem Geist des Pudels”, heißt es in einer Erklärung.

Vielmehr wolle man das Grundstück dem Kapitalmarkt entziehen und in eine bereits existierende Stiftung überführen. Genaue Details zu den Plänen wurden jedoch bislang nicht bekannt. “Die Stiftungslösung ist die einzige, die wir akzeptieren würden”, sagte Club-Mitgründer Schorsch Kamerun vergangene Woche. “Und wir kennen auch einen Stifter, der mit uns kooperiert und den wir rechtzeitig bekannt geben.”

Pudel Demo 19.2.16

Der Pudel leuchtet: Blick auf das Gebäude bei der Demo vergangene Woche (Foto: Jung)

Zuletzt aktualisiert: 24.2. um 13 Uhr.

(Mit Material von Christoph Heinemann, HA / Aufmacher: Margit Czenki)

 

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