Tageslicht / Mittwoch, 02.04.2014

Lampedusa-Flüchtlinge verlassen den Kiez

Lampedusa Fluechtling Andreas Listowell; an der Kirche am Pinsasberg; in seinem Wohncontainer, den er sich noch mit zwei weiteren Fluechtlingen teilen muss; lok, Loriane van Gelder
 
 

Pastor Martin Paulekun teilte heute mit, dass die acht Wohncontainer an der St. Pauli Kirche zum 2. Juni abgebaut werden. Ursprünglich war der Abbau bereits im Mai geplant.

„Wir haben jetzt ein Jahr lang ausgeholfen“, sagt der Pastor. „Jetzt ist die Stadt verpflichtet, für eine öffentliche Unterbringung der Flüchtlinge zu sorgen bis die Entscheidung über ihre Anträge gefallen ist.“ Für die Flüchtlinge, die bislang keinen Antrag auf humanitäre Hilfe gestellt haben, ist eine öffentliche Unterbringung durch die Sozialbehörde jedoch fraglich. Während viele Flüchtlinge nach wie vor fordern, als Gruppe eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis zu bekommen, ist die Haltung des Senats unverändert. Er besteht darauf, dass alle Flüchtlinge zunächst ihre Identität offenlegen und es Einzelfallprüfungen gibt.

Geht damit das Kapitel der Flüchtlinge auf St. Pauli zu Ende? „Nein“, sagt Paulekun. „Wir werden die Flüchtlinge weiterhin unterstützen. Die Embassy of Hope bleibt bestehen.“ Projekte wie der Deutschunterricht für die aus Afrika aus stammenden Männer sollen fortgesetzt werden. „Es werden dann feste Treffpunkte vereinbart, weil die Flüchtlinge nicht mehr die ganze Zeit vor Ort sein werden.“

Die Flüchtlinge waren im November in die beheizten Wohncontainer gezogen, die auch in Ottensen (Christianskirche) und Iserbrook (Martin-Luther-Kirche) aufgestellt wurden. In jedem Container wohnen drei Flüchtlinge, zwei schlafen im Etagenbett, knapp daneben steht ein Einzelbett. „Es ist halt warm, aber wir haben überhaupt keine Privatsphäre“, sagte uns Andreas Listowell kürzlich (Foto oben).

Zuvor hatten die Männer auf dem Steinboden der St. Pauli Kirche, in Schlafsäcken und auf Isomatten, übernachtet. Aufgrund der Kälte konnten die Flüchtlinge jedoch nicht in der Kirche bleiben. Bei der St.Pauli Kirche ist nur ein kleiner Teil der Flüchtlinge untergebracht. Viele wurden über die kalte Jahreszeit in privaten Unterkünften versorgt.

Wie geht es jetzt weiter? „Wir leben seit einem Jahr mehr oder weniger auf der Straße“, sagt Asuquo Udo, ein Sprecher der Gruppe. „Wir brauchen eine Erlaubnis, dauerhaft bleiben und arbeiten zu dürfen und unser Leben neu anzufangen.“ In den kommenden Wochen soll es wieder Demos für die Gruppe „Lampedusa in Hamburg“ geben.

 (Foto: Andreas Laible)

 

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