Tageslicht / Montag, 10.08.2015

Kunst trifft Kneipe: „Erotik ist zeitlos“

 
 

Das „Crazy Horst“ wird zur kleinsten Kunsthalle: Noch bis Ende August stellt Lilo Schmidt-Wiedenroth dort ihre Aktzeichnungen aus.

Sie hängen direkt über der kleinen Sitzbank am Tresen, neben dem Spielautomaten oder über der Jukebox: Die kleinste Piano-Bar der Stadt ist über Nacht zur wohl kleinsten Kunsthalle Hamburgs geworden. Noch bis Ende August stellt die ursprünglich aus Peine stammende Künstlerin Lilo Schmidt-Wiedenroth im Crazy Horst an der Hein-Hoyer-Straße einige ihrer schönsten Aktzeichnungen von Männern und Frauen aus.

„Ich finde sie wunderbar“, sagt Inhaber Horst Schleich, der vor kurzem bereits das 41-jährige Bestehen seiner Bar feiern konnte. „Mit Porno hat das nichts zu tun. Ihre Bilder sind sinnlich, ästhetisch und dadurch so erotisch, ohne ordinär zu sein.“ Kunst trifft Kneipe? Für Horst Schleich, der sich selbst besonders für den Kubismus interessiert, muss das kein Gegensatz sein. „Die Gäste nehmen das sehr gut an und können ihren Blick meist den ganzen Abend nicht davon lassen.“

Ausstellung im Crazy Horst

Kennengelernt haben sich die beiden erst vor einigen Monaten über eine gemeinsame Freundin. „Es hat von Anfang an gefunkt“, sagt Horst. „Uns beiden war klar: Die Art und Weise der Kneipe und meiner Person, das passt wie Faust zu ihren Bildern.“ Für die 73-jährige Künstlerin, die bereits in vielen Städten der Welt ausgestellt hat und mit ihrer Kunst vor allem Aids-Projekte und Kinderhospize in Hamburg unterstützt, ist die Schau ihrer Werke auf dem Kiez etwas ganz besonderes.

„Ich bin auf viele meiner Modelle beispielsweise im Pulverfass oder in Theatern aufmerksam geworden und habe sie dann direkt angesprochen“, sagt die 73-Jährige. Eine Scheu sich vor ihr auszuziehen, hätten die Menschen vom Kiez nie gehabt. „Das mache ich so überzeugend, da haben sie gar keine Chance.“ Es ist vor allem der Spaß am Körper, aber auch die Schönheit der Bewegung, die sie inspiriert. „Das Alter der Person spielt dabei keine Rolle. Erotik ist für mich immer etwas Zeitloses.“

Ausstellung im Crazy Horst

Ihre Bilder malt sie heute meist in ihrem Atelier in Schneverdingen oder dem dazugehörigen großen Garten. An so mancher Buntstiftzeichnung habe sie dort schon tage- und nächtelang gesessen. „Wenn mich etwas inspiriert, kenne ich keine Pause.“ Die Nachbarn im Ort hätten das längst akzeptiert. „Ich bin etwas anders als die meisten Menschen dort, aber ich bin wie ich bin und verstelle mich nicht.“ Es scheint als haben sie und Horst tatsächlich so einiges gemeinsam.

Die Ausstellung im Crazy Horst (Hein-Hoyer-Straße 62) läuft noch bis Ende August. Öffnungszeiten: Täglich (außer Sonntag) ab 21 Uhr. Mehr zur Künstlerin: liloschmidtwiedenroth.de

 

Kommentare


  1. lieber Daniel,
    danke, für den wunderbaren Bericht.
    Ich hoffe noch,ihn im HamburgerAbendbltt zu lesen…
    Dir meinen herzlichen Dank…wir haben die Ausstellung verlängert..
    Das Interesse soll nun auch belohnt werden.
    Noch einen schöne Aend wünscht Lilo

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