Tageslicht / Samstag, 13.12.2014

IG St. Pauli feiert „100 Jahre Willi Bartels“

 
 

Familie und Weggefährten erinnerten sich im „Hotel Hafen Hamburg“ an einen alten Freund und außergewöhnlichen Kiez-Unternehmer.

Willi Bartels (1914-2007) sorgt immer noch für gewaltigen Auftrieb. Am Sonnabend sammelten sich in der Elbkuppel des „Hotel Hafen Hamburg“ mehr als hundert Freunde, Angehörige und Weggefährten des legendären Kiez-Unternehmers, der am 13. Dezember 100 Jahre alt geworden wäre. Gekommen waren Bartels‘ Tochter Barbara Fraatz, die Enkel Patrick und Andreas Fraatz, viele alte Freunde und fast die gesamte IG St. Pauli, die ihr Gründungs- und Ehrenmitglied noch gut im Gedächtnis hat.

Dr. Ronald Crone, Vorsitzender der IG St. Pauli, erinnert an Bartels: "hilfsbereit, aber auch clever"

Dr. Ronald Crone, Vorsitzender der IG St. Pauli, erinnert an Bartels: „hilfsbereit, aber auch clever“.

Bartels sei in einer Zeit geboren worden, als Teile von Hamburg noch nicht einmal ans elektrische Licht angeschlossen waren, erinnerten sich der IG-St.-Pauli-Vorsitzende Dr. Ronald Crone und Geschäftsführer Peter Kämmerer in einem kurzen Rückblick. Das „Hippodrom“, das Bartels‘ Vater Ende der 1920er Jahre auf St. Pauli kaufte, wurde später zur Basis des Bartels’schen Geschäfts auf dem Kiez. Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft – „Willi hatte keinen Dreck am Stecken, er musste nicht in die Entnazifizierung“ – baute der Sohn eines Schlachters und einer Köchin aus dem Harz auf Hamburgs Trümmerbergen seine ersten Wohnungen. 1943 hatte er hier eins der „Trichter-Girls“ geheiratet – seine Gisela.

Bartels Hochzeitsbild 1943

Hochzeitsbild: Willi Bartels und Gisela 1943 (Foto: privat/Zint)

Mit Geschick und Weitblick organisierte Bartels auf St. Pauli sein Imperium mit Bars, Grundstücken und Immobilien. „Willy hat verstanden, Politiker rechtzeitig für sich einzunehmen“, sagt Crone. „Er war hilfsbereit, aber auch clever.“ Enkel Andreas Fraatz konnte das bestätigen: „Jede Mark, die du ausgibst, die hat jetzt ein anderer“, habe ihm sein Großvater mit auf den Weg gegeben. „Er war der großzügigste und einer der besten Opas, die man sich vorstellen kann.“ Das Aufmacherfoto zeigt Andreas und Patrick Fraatz mit einem Foto ihres Großvaters mit Komponist Ernst Bader (schrieb viele Lieder für Freddy Quinn) und Harry Rosenberg (Harrys Hafenbasar), beide enge Freunde.

Willi Bartels an seinem 80. Geburtstag mit Ronald Crone (li.) und Peter Kämmerer

Willi Bartels, Gründungsmitglied der IG St. Pauli, an seinem 80. Geburtstag mit Ronald Crone (li.) und Peter Kämmerer (Foto: Zint)

Das Showprogramm hätte sicher Bartels’Beifall gefunden: Die Finkwarder Speeldeel sorgte für Danz op de Deel, danach schmetterte Freddy Albers („Der Name ist Programm“) Lieder von Freddy und Hans Albers, etwa „Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise“ und natürlich „La Paloma“.

Bartels und Rene Durand vor dem Tanga Club

Bartels mit Rene Durand (u.a. „Salambo“) vor dem Tanga Club, heute „Olivias Show Club“ (Foto: Zint)

Der größte Teil des Publikums zeigte sich erfreulich textfest. Gesehen wurden unter vielen anderen Bartels‘ alter Freund und Fotograf Günter Zint, Panoptikum-Chef Dr. Hayo Faerber, die frühere FDP-Politikerin Sylvia Canel, heute Bundesvorsitzende der Neuen Liberalen, Pastor Martin Paulekun, Tivoli-Chef Norbert Aust, die beiden Quartiersmanager Julia Staron und Lars Schütze und Rechtsanwalt Erinc Ercan, der in St. Pauli/Altona aufgewachsen ist (und hier mit Fatih Akin zur Schule ging). Gesehen wurden außerdem zwei ehemalige und ein amtierender Bezirkschef – Andy Grote war extra vom SPD-Landesparteitag herbei geeilt.

Bartels mit Ehefrau Gisela im "Dollhouse"

Bartels mit Ehefrau Gisela im „Dollhouse“ (Foto: Zint)

Willi Bartels kannte alle und jeden auf St. Pauli, und vielen hat er großzügig geholfen. Unter ihnen auch Günter Zint, den er bei der Gründung des St. Pauli Museum unterstützte. Zum Dank und zur Erinnerung hat Günter mit dem St. Pauli Museum jetzt die DVD „100 Jahre Willi Bartels“ herausgebracht, die neben vielen Fotos auch persönliche Erinnerungen und Texte enthält. Ihr könnt sie gegen eine Spende im St. Pauli Museum bekommen. Ein paar der Fotos sehr ihr auch in diesem Bericht (danke, Günter!).

Auf der Reeperbahn nachts um...: Hans Albers, neben ihm Willi Bartels

Auf der Reeperbahn nachts um…: Hans Albers, neben ihm Willi Bartels (Foto: Zint)

 

Kommentare


  1. Es war ein grandioser Vormittag in der Elbkuppel mit ihrem wunderbaren Ausblick.

    Ich habe viele interessante Leute kennengelernt und bedanke mich herzlich beim „Hans-Albers-Freundeskreis“ für die Gelegenheit, ein paar maritime Klassiker zu Ehren des legendären Willi Bartels „schmettern“ zu dürfen!

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