Tageslicht / Sonntag, 31.05.2015

Gartendeck: Besser essen mit Verstand

 
 

Auf dem Gartendeck ging’s am Sonnabend um Lebensmittel und ihre Produktion. Die Zukunft des Urban-Gardening-Projekts ist aber immer noch ungewiss.

Das Wetter mochte nicht so richtig mitspielen, trotzdem kamen am Sonnabend nachmittag viele Interessierte auf das Gartendeck an der Talstraße, um etwas über Lebensmittel und „Fair Food“ zu erfahren. Eingeladen hatte „Wir wollens anders“, ein „Klub für faires Miteinander“.

Mehrere Initiativen aus der Region stellten ihre Projekte auf der kleinen Bühne vor und informierten an Ständen. Unter anderem Günter Garbers: Der ehemalige Schäfer, der einmal vom Fleisch seiner Tiere lebte, rettet heute auf seinem „Lebenshof“ in der Nordheide Tiere vor dem Schlachten und verkauft sein Bio-Gemüse, auch auf Hamburger Wochenmärkten.

Lebensmittel nicht wegwerfen, sondern verteilen – das geht

Fair Food Gartendeck 30.5 (11)

Foodsharing kam mit einem mobilen Fairteiler: Gemüse, Kartoffeln und Bananen konnte jeder mitnehmen Foto: Irene Jung

Oder die Initiative Foodsharing, die über „Fair-teiler“ (öffentliche Essenskörbe oder Kühlschränke) Lebensmittel unters Volk bringt, die sonst weggeworfen würden. Einer der kostenlosen Essenskörbe steht zum Beispiel im Infocafe des AstA an der Uni. Die Fair-Teiler sind Tauschbörsen für Lebensmittel: Wer Nahrungsmittel übrig hat, stellt sie hinein; wer welche braucht, nimmt sie mit. Die Spender veröffentlichen auf der Foodsharing-Website, was sie abzugeben haben, das können Kartoffeln, Backwaren oder auch Kleinigkeiten wie Rum-Aroma oder Salatsoße sein. Wer sich einloggt, erfährt wo.

Foodsharing kooperiert aber auch mit rund 100 Läden in Hamburg, die unverkäuflich gewordene Lebensmittel abgeben. Mehr als 450 Foodsaver in der Stadt sorgen dafür, dass sie abgeholt und fairteilt werden. „Jeder Deutsche wirft im Schnitt pro Jahr 82 Kilo Lebensmittel weg“, sagt ein Foodsharing-Vertreter. Die Menge entspricht etwa zwei vollgepackten Einkaufswagen. Das will die Initiative ändern, die inzwischen in ganz Deutschland aktiv ist.

Gouda von Kattendorfer Kühen

Der „Kattendorfer Hof“ ist vielen in der Schanze und Eimsbüttel schon wohlbekannt mit zwei Hofläden in der Max-Brauer-Allee und der Lappenbergsallee. Der Demeter-Hof nördlich von Henstedt-Ulzburg produziert Gemüse, Getreide, Fleisch und Milch und beliefert eine „Wirtschaftsgemeinschaft“: Wer Mitglied wird, bekommt monatlich seinen frischen Ernte-Anteil an Gemüse nach Jahreszeit, Fleisch- und Wurstwaren von Schwein und Rind sowie Milch und Milchprodukte.

Gabriele und Julia Kattendorfer Hof

Gabriele und Julia Kattendorfer Hof

Auch für den Hof ist das gut: „Wir wissen, wie haben feste Kunden, dadurch wird der Anbau planbar“, sagt Gabriele om Kattendorfer Hof. Auf das Gartendeck hat sie nicht nur Gouda aus der eigenen Hof-Käserei mitgebracht, sondern auch interessante Informationen über Landwirtschaft. Zum Beispiel, wie viel Fläche man zur Erzeugung von einem Liter Milch, 120 Kilo Brotgetreide oder 70 Kilo Kartoffeln braucht.

Wo das Gartendeck bei der Neubebauung bleibt, ist immer noch unklar

Fair Food Gartendeck 30.5 (5)

Inmitten all der Pflanzkörbe voller Salat, Tomaten und Kräuter (am Rand besorgen drei fleißige Bienenvölker die Befruchtung) wirkt das Gartendeck an diesem Nachmittag friedlich und produktiv, trotz ein paar Regenschauern. Allerdings kann das Gartendeck zur Zeit immer noch nicht in die Zukunft planen. Wie berichtet, soll die Fläche auf dem Parkdeck hinter dem Indra sowie das daneben liegende Areal der ehemaligen Fischräucherei an der Großen Freiheit 70 „behutsam nachverdichtet“ werden. Geplant sind neben öffentlich geförderten Wohnungen auch einige Gewerbeeinheiten.

Der Entwurf des Auslobungstextes für die fünf teilnehmenden Architekturbüros liegt bereits auf den Tisch. Das Gartendeck soll zwar wieder „integriert“ werden, heißt es darin, aber wie viel Fläche die Urban-Gardening-Initiative nun genau bekommen wird, steht in den Sternen. Zur Zeit sind es rund 1400 qm, „wir brauchen mindestens 1100 qm, sonst macht es wenig Sinn“, sagt Kerstin vom Gartendeck. Laut Ausschreibung ist das Gartendeck in einer „Sachjury“ vertreten, die aber nur beratende Funktion hat und nichts mitentscheiden kann. „Bisher sind auch noch keinerlei Pläne veröffentlicht worden“, sagt Kerstin.

Besucher nutzten die Sonnenpausen auf dem Gartendeck

Besucher nutzten die Sonnenpausen auf dem Gartendeck

Das Gartendeck wird bei der Neubebauung des Areals nicht mit den Flächen der geplanten Wohnhäuser konkurrieren, sondern soll offenbar irgendwo im geplanten Gewerbeteil liegen – und damit zum Konkurrenten der gewünschten Gewerbebetriebe. Hier hat die Sprinkenhof das Wort. Kürzlich habe sich die Initiative noch einmal an Bezirksamtsleiter Andy Grote gewandt, sagt Kerstin. Er hatte auf einem öffentlichen Rundgang im November versprochen, dass das Gartendeck auch künftig seinen festen Platz auf dem Areal bekommen soll.

Gartendeck, Große Freiheit (zwischen St. Pauli Druckerei und Indra), Öffnungszeiten 2015: Donnerstags 16 – 19 Uhr, Samstags 14 – 20 Uhr, Sonntags 14 – 19 Uhr.

 

Kommentare


    • Beim Wahlkampfrundgang der Frau von Enckefort mit dem Andy dem Grote wurde uns allen noch weis gemacht das Gartendeck sei gesichert in Existenz und Fläche (mindestanforderung)

      Nun ist die Enckefort fort und die Zusicherung??

  1. Das stimmt, die Enckevort und ihr Anhängsel Platzbecker, geisterten vor der Wahl durch St.Pauli und versprachen das Blaue vom Himmel! Der Arno, der Platzbecker meinte auch noch noch auf die Insel (Neuwerk) reisen zu müssen. Die paar Einwohner lachten sich krank!

  2. Pingback: Stadtteilbüro der steg schließt noch im Juni - St.Pauli-News

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