Tageslicht / Donnerstag, 10.09.2015

Die Rote Flora zeigt ihr neues Gesicht

Die Rote Flora hat eine neue Fassade - und ist nun tatsächlich rot
 
 

Wochenlang haben die Floristen ihr linksalternatives Kulturzentrum renoviert, um es fit für die nächsten Jahrzehnte zu machen. Jetzt ist erstmals die neue Fassade zu sehen.

Nach und nach wurden die Installation „Das Phantom“ und das Gerüst seit Mittwoch von der Roten Flora entfernt, jetzt zeigt das linksalternative Kulturzentrum erstmals sein neues Gesicht. Große Flächen des Gebäudes sind tatsächlich in einem hellen Rot gehalten, einige Elemente schlicht in Weiß. Zwei Säulen sind bunt angemalt: Eine zeigt die Regenbogenfarben, eine Faust und einen Stern. Die andere eine detailreiche Zeichnung mit einem Sprengkasten, der auch eine Internetseite der Floristen ziert.

Wochenlang arbeiteten viele Helfer auf der Sommerbaustelle der Roten Flora, um das Gebäude aus dem Jahr 1888 zu renovieren. Außer dem Vordach sollten die Fassade, der Anbau an der Terrasse und die Dachanschlüsse saniert werden. In der 25 Jahre andauernden Besetzung hatte das Haus arg gelitten und sollte für die nächsten Jahrzehnte fit gemacht werden, um ein wichtiger Ort für die linke Bewegung in Hamburg zu bleiben.

200.000 Euro für Renovierung gesammelt

Alle Beteiligten arbeiteten unbezahlt, darunter auch 50 Wandergesellen/-innen aus ganz Deutschland. Für das Baumaterial und Verpflegung sollten 100.000 Euro gesammelt werden. Ein ambitioniertes Ziel, für das über die Initiative Kiezhelden des FC St. Pauli sogar eine Crowdfunding-Kampagne gestartet wurde. Nach Angaben in einem Bericht des Magazins „Vice“ konnten die Floristen in wenigen Wochen mehr als 80.000 Euro sammeln. Insgesamt sollen es sogar 200.000 Euro gewesen sein, berichtet das „Hamburger Abendblatt„. Großspender sollen sogar je mehrere Tausend Euro beigetragen haben.

Die Säulen an der neuen Fassade sind bunt bemalt

Die Säulen an der neuen Fassade sind bunt bemalt

Durch den Umbau der Flora kann das Gebäude nun anders genutzt werden. Einzelne kleinere Räume sind durch einen neuen Eingang erreichbar. Auch neue Räume wurden geschaffen, zu denen eine Wendeltreppe führt. So sollen auch kleinere Veranstaltungen durchgeführt werden können, für die die bisherigen großen Räume ungeeignet waren.

Hunderte gaben ersten Facebook-Fotos der roten Roten Flora ein „Gefällt mir“. „autonom muss nicht immer schmuddelig sein..“, sagt Nutzer Randall. „Hübsch! Die Rote Flora ist nun wirklich rot. Ist klasse geworden!“ schreibt Tom. Aber auch, dass die vielen Graffitis fehlen, fällt manchem auf. „‘Kaum saniert, schon vollgeschmiert‘, passt auf, das geht sicher ganz fix“, schreibt Christoph. „Die Sanierung war Perlen vor die Säue werfen ,das wird nicht lange so ausschauen“, denkt Herbert.

„Spießer! Möchtegern Linke!“

Anderen ist die Flora schon zu schick. „Na dann muss ja niemand mehr nach Pöseldingsdorf um ne Modeschau zu machen. Ist ja vor der eigenen Haustür jetzt ordentlich genug. Sieht das bescheuert aus…..“, findet Melli. „Spießer! Möchtegern Linke!“, schreibt Alessandro mit einem lachenden Smiley.

Andere vermissen das bisherige vertraute Gelb. Aber ebenso innerlich wie äußerlich wird es an der Flora sicherlich nie zu einem endgültigen Stillstand kommen.

 

Kommentare


  1. …wirklich genial und alles Andere als „spießig“!

    Und an die ewig gestrigen Nörgler: über Geschmack kann man ja streiten. Wer aber künftig was bewegen will, muss erstmal in der Gegenwart ankommen.

    So gesehen ist die Fassade schon mal ganz weit vorne!

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