Tageslicht / Dienstag, 24.06.2014

Mach`s dir doch selbst, Sankt Pauli!

 
 

In welchem Umfeld wollen wir leben? Design-Studenten der Hochschule für bildende Künste beraten Anwohner dabei in Gestaltungsfragen.

Guter Rat muss nicht teuer sein. Das beweisen die Studenten des Studiengangs Experimentelles Design an der Hochschule für bildende Künste (HfbK). Seit diesem Monat bieten sie wieder ihre „Öffentliche Gestaltungsberatung“ auf St. Pauli an. Zu wenig Platz für zu viele Dinge? Neue Möbel viel zu teuer? Der Innenhof total verkommen? Oft sind es die kleinen Dinge in unserem direkten Umfeld, die es sich zu verändern lohnt.

Anwohner aus dem Viertel, die sonst nicht auf die Idee kämen oder auch einfach nicht die Kohle haben, um professionelle Gestalter zu engagieren, können sich bei der wöchentlichen Sprechstunde am Mittwoch (18 bis 19 Uhr) fachkundige und kostenlose Hilfe holen. Ob Garten, Lokal oder Keller – die rund 20 Studenten – darunter gelernte Tischler, Grafiker oder Innenarchitekten – erarbeiten gemeinsam mit ihren Klienten kreative Ideen für jeden Lebensraum. Getreu dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht!

Gestaltungsberatung II

Aus den alten Pappresten eines Discounters werden günstige Selbstbau-Möbel

Ins Leben gerufen wurde das Projekt bereits 2011 durch Jesko Fezer, Professor für Experimentelles Design an der HfbK, in Zusammenarbeit mit der GWA St. Pauli. Der Vorteil für seine Studenten: Sie können Theorie und Praxis miteinander verbinden und selbstständig eigene Projekte betreuen – und sich diese zum Teil sogar für ihr Studium anrechnen lassen. „Wir helfen nicht nur, sondern werden oftmals selbst durch die Projekte inspiriert“, sagt Charlotte, die im Februar ihren Diplomabschluss gemacht hat und das Projekt mitbetreut. Ein Teil der Arbeit findet oft auch außerhalb der offiziellen Vorlesungszeiten statt. „Dafür gibt es dann ab und an mal ein Stück Kuchen als Dankeschön.“

Rund 30 Projekte haben sie und ihre Kommilitonen in den vergangenen Jahren bereits betreut. So wurde beispielsweise der Flur einer WG im sogenannten Niebuhrhaus dank günstiger Selbstbau-Möbel – die aus alten Pappresten des Discounters im Erdgeschoss gebastelt wurden – zu einem gemütlichen Gemeinschaftsraum oder der Abstellraum von Familie Hörr im Handumdrehen zum begehbaren Kleiderschrank.

Gestaltungsberatung III

Wie gelingt es in einem so schmalen und hohen Raum Stauraum zu schaffen? Hier seht ihr die Antwort der Studenten

Auch Günther Klimek und seine Seemannskneipe „Sailors Inn“ wurden von den Studenten tatkräftig unterstützt, als die Kneipe Anfang 2012 vorübergehend umziehen musste. „Der neue Raum war alles andere als seemannstauglich, sondern erinnerte eher an einen billigen Friseursalon“, sagt Charlotte. So entstand die Idee, ein Fotomotiv der alten Kneipe mit grob gerasterten Schwarz-Weiß-Kopien über die gesamte Decke zu hängen und damit Lichtverhältnisse und Raumstimmung nachhaltig zu verbessern. Eine vergleichsweise kostengünstige Lösung.

„Natürlich geht es dabei auch um neue Wege der Partizipation“, sagt Steffen Jörg von der GWA St. Pauli. Die Öffentliche Gestaltungsberatung soll daher eine niedrigschwellige Anlaufstation für alle Anwohner aus dem Viertel sein. „Wir wollen die Menschen ermutigen, sich selbst zu ermächtigen und gemeinsam etwas in die Hand zu nehmen – im privaten wie auch im öffentlichen Raum.“ Der Slogan „St. Pauli selber machen“ werde hier direkt in die Tat umgesetzt. „Wir finden, dass Design allen zur Verfügung stehen sollte, weil es viel mehr ist als nur schicke Edel-Möbel zu entwerfen“, sagt Design-Student Fynn. „Unser Ziel ist es nicht für die Anwohner, sondern mit den Anwohnern ihr Lebensumfeld auf St. Pauli zu gestalten.“

Eröffnungsparty am Mittwoch, dem 25. Juni, ab 19 Uhr auf dem Hein-Köllisch-Platz. Keine Beratung, kein Verkauf. Nur Musik, Gespräche und Getränke. Musik: Circuit Diagram (live), Milchen und Iwana Budnikowsky (DJ Set).

 

Gestaltungsberatung IV

Eine überdimensionales Fotomotiv ziert die Decke der Kneipe „Sailors Inn“ nach ihrem temporären Umzug

 

(Fotos: Charlotte Dieckmann)

 

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