Tageslicht / Sonntag, 10.01.2016

Demo für die Rechte von Frauen verlief friedlich

 
 

Auf dem Kiez meldeten sich am Sonntag vor allem die Frauen aus der bürgerlichen Mitte zu Wort. Fünf Nazis wurden vertrieben.

Rund 150 Frauen und Männer haben am Sonntag auf der Reeperbahn gegen Übergriffe und sexuelle Belästigung von Frauen demonstriert. Auf ihren Transparenten stand unter anderem „Wir sind kein Freiwild! Finger weg!“ und „Sexuelle Belästigung muss Straftatbestand sein“. Initiatorin Hannelore Zieme hatte zu dem Aufmarsch auf Facebook aufgerufen.

Einige der Teilnehmerinnen sagten, es sei ihre erste Demo. „Was sich Silvester auf dem Kiez abgespielt hat, hat mich entsetzt“, sagte eine Frau aus Altona, die lange auf St. Pauli gelebt hat und mit ihrer Freudin gekommen war. „Es war überfällig, dass hier auf St. Pauli mal gegen Gewalt und sexuelle Übergriffe demonstriert wird“, sagte Beate Schwartau, Juristin und Gewerkschafterin. „Betroffen sind ja nicht nur Frauen, sondern auch Männer, Obdachlose oder Schwule.“ Ihrer Meinung nach habe sich das Problem seit einigen Jahren verschärft. Es habe auch zu lange gedauert, bis den Anzeigen von Frauen nach Silvester nachgegangen wurde. „Ich habe den Eindruck, dass die Würde eines Menschen in der Strafverfolgung keine Priorität mehr hat.“

Bei der Sbschlusskundgebung am Beatlesplatz

Bei der Abschlusskundgebung am Beatlesplatz

Als Parteienvertreter war allein der Bezirksabgeordnete Wolfdietrich Thürnagel mit einer Fahne der Piratenpartei zu erkennen. „Ich hätte es begrüßt, wenn hier alle Parteien Flagge gezeigt hätten“, sagte er. Deutschland müsse das Strafrecht endlich dahingehend reformieren, dass nicht einverständliche sexuelle Handlungen – also auch sexuelle Belästigung – grundsätzlich unter Strafe gestellt werden, forderte er.

„Wo sind die Partygirls?“ fragte eine Polizistin von der Davidwache. Unter den vielen Teilnehmenden um die 50 waren allerdings auch einige jüngere Frauen mit Transparenten. „Ich arbeite seit Jahren mit Flüchtlingen und wäre gerne in einer größeren Demo mitgelaufen“, sagt Marinke Gindullis. In der Debatte, die im Vorfeld der Demonstration in sozialen Netzwerken losbrach, sei wohl bei vielen der Eindruck entstanden, der Aufzug werde von Pegida oder AfD vereinnahmt. „Ich hätte es gut gefunden, wenn eine Demo für die Rechte und besseren Schutz von Frauen und gegen jeglichen Rassismus von einem organisations- und parteiübergreifenden Bündnis organisiert worden wäre wie bei ‘Kein Platz für Rassisten’ im Herbst.“

Klares Statement - solche Teilnehmerinnen gab es auch

Klares Statement – solche Teilnehmerinnen gab es auch

Initiatorin Hannelore Zieme sah sich durch die Debatte zu ihrem Facebook-Aufruf in eine falsche Ecke gestellt. „Uns geht es um die Rechte der Frauen, sich frei zu bewegen“, sagte sie. „Das ist nichts Politisches. Ich lasse mich weder von rechts noch von links vereinnahmen.“ Einem Rechten, der sich als Ordner meldete, hatte sie abgesagt. Mit Ziemes Auffassung (“Nichts Politisches”) gingen einige Teilnehmerinnen nicht konform, die das Thema sexuelle Übergriffe durchaus für politisch halten. „Ich glaube, die Organisatorin hat sich nicht klar gemacht, wie angespannt die Lage ist”, sagte eine Teilnehmerin. „Eine klare Abgrenzung nach rechts hat es hier nicht gegeben.”

Am Rande der Demo formierte sich ein Begleitzug von Vertretern der Hamburger Antifa – als „Gegendemonstration“, die allerdings als solche nicht erkennbar war. Antifa Hamburg hatte dazu über Twitter unter dem Motto „für Feminismus – gegen rechte Hetze“ mobilisiert.

Nach der friedlichen Abschlusskundgebung auf dem Beatlesplatz, die eher eine Art Fototermin war, kam es dann doch noch zu Jagdszenen: Fünf bekannte Nazis von „Widerstand Hamburg“, die sich unter die Demo mischten, wurden von den Antifa-Vertretern verfolgt, worauf sich auch ein Pulk Polizisten in Bewegung setzte. Zu Schlägereien kam es nicht, weil die Polizei die Nazis abtransportierte.

 

Kommentare


  1. wir waren noch nicht so viele, dafür aber einige die schon Jahre nicht mehr auf Demos waren.Vielleicht sind es nächstes Mal mehr. Es macht uns wütend, dass durch die Androhung von Gewalt wir Frauen in unserer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden. Es macht mich wütend, dass dies in meiner Stadt passiert. Es macht mich wütend, das sowtwas überhaupt passiert. Ich dachte wir wären schon weiter in unserer gesellschaftlichen Entwicklung. Belästigungen sind Gewalt und dafür gibt es keine Entschuldigungen. Niemand wird gezwungen Frauen gegenüber gewalttätig zu werden.

    • Ich finde es sehr gut dass ihr für alle Frauen auf die Strasse gegangen seid. Ich fürchte nur leider, dass die Übergriffe gerade mal die Spitze des Eisbergs sind die wir mitbekommen und das sich die Situation noch verschlechtern wird…

      • Die Demo hätte ruhig auch mal abseits der Reeperbahn mit ihren Schildern an den überall rumlungernden Lampedealern vorbeiziehen können, die quatschen nämlich auch Frauen unsittlich an und belästigen diese, manche laufen den Frauen sogar bis vor die Haustür hinterher!

        • @Lincoln hast recht, die Dealer dort sind echt übel manchmal. Ich geh schon lange lieber einen Umweg von der Bahn nach Hause weil ich an denen nicht mehr vorbei und mir diese Anmachen anhören möchte…

        • Als die Bordellbetreiber, Zuhälter und Wirtschafter noch überwiegend aus “Inländern” bestanden galten ungeschriebene “Gesetze”, Regeln. Als dann Drogen ins Spiel kamen und ein gewisser Pinzner “aufräumte”, rückten Osteuropäische Clans nach. Der Kiez wurde brutaler und unkontrollierbar. Was wir jetzt erleben, ist noch ne Steigerung! Seien wir froh, dass einige Anwohner, Wirte und Türsteher das so nicht hinnehmen wollen!

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