Tageslicht / Montag, 29.06.2015

„Das Phantom“ verhüllt die Flora-Sommerbaustelle

Die Rote Flora wird derzeit renoviert
 
 

Künstler Christoph Faulhaber hat die Rote Flora hinter der Installation „Das Phantom“ verschwinden lassen. Dahinter wird das Kulturzentrum weiterhin renoviert.

Zeitreise auf dem Schulterblatt: Am Wochenende wurde die Rote Flora 100 Jahre jünger – die Schanze hat sein „Phantom“ zurück. Sonnabend verhüllten Helfer das alternative Kulturzentrum mit einer 700 Quadratmeter großen Plane, die an einem 18 Meter hohen Gerüst angebracht ist. Sie zeigt nun die Fassade der Flora aus dem Jahr 1888 bis die Sommerbaustelle an dem Gebäude abgeschlossen ist. Auf dem Werk ist auch das ehemalige zweite Obergeschoss nachgebildet. Damit bleibt die autonome Burg der Hingucker auf der Schanze.

Das Kunstwerk mit dem Namen „Das Phantom“ stammt von dem Hamburger Künstler Christoph Faulhaber. Mit der Installation will er eine Scheinwelt schaffen, „in der der finale Siegeszug der Gentrifizierung simuliert wird, das derzeitige Schulterblatt und die Rote Flora sind verschwunden – es lebe die neue Piazza und ihr Palazzo.“

Künstler Christoph Faulhaber hat die Flora verhüllt

Künstler Christoph Faulhaber hat die Flora verhüllt

Aktuell läuft auch noch die Ausstellung zur Geschichte der Fassade. „Der Bau – Alles nur Fassade?“ wurde im Rahmen der Baustelle entwickelt und ist immer Mittwochs von 18 bis 20 Uhr geöffnet. Auch hier sind Arbeiten von Christoph Faulhaber über die Geschichte der Flora „von gestern bis übermorgen“ zu sehen.

Am 15. August wird die Installation dann anlässlich des Sommerfestivals auf Kampnagel zum Bühnenbild für ein öffentliches Theaterstück. Studenten der Hochschule für Musik und Theater führen das „Das Phantom der Oper“ auf. Die Premiere des Musicals im Jahr 1990 löste Proteste aus und wurde zum Gründungsmoment der Roten Flora.

Die Installation "Das Phantom" an der Roten Flora

Die Installation „Das Phantom“ an der Roten Flora

Rund um die Premiere kam es damals zu Gewaltausbrüchen. Die Polizei setzte 3800 Beamte ein, trotzdem gelang es vermummten Personen vereinzelt einige der 2000 Musicalgäste anzugreifen. Die Besucher wurden beschimpft und mit Eiern und Bierdosen beworfen, viele kamen nicht rechtzeitig in das Gebäude. Auch der Komponist Andrew Lloyd Webber saß vorübergehend fest, berichtete das „Hamburger Abendblatt“. Als „Schreckens-Spalier durch die Chaoten“ wurde der Vorfall bezeichnet. Rund 500 Demonstranten sollen sich damals zusammengefunden haben. Später wurde auch die Premierenfeier in der Fischauktionshalle gestört.

So berichtete das "Hamburger Abendblatt" über die Vorfälle bei der Premiere des Musicals

So berichtete das „Hamburger Abendblatt“ über die Vorfälle bei der Premiere des Musicals

 

Kommentare


  1. Noch unbestätigten Meldungen zur Folge möchte das regierungsnahe Goldbekhaus selbstkritisch nun auch zum Thema „Alles nur Fassade?“ die Geschichte ihres Gebäude aufarbeiten.

    Schließlich residierte auf dem Gelände ein Unternehmen mit der Auszeichnung ab 1. Mai 1941: „Nationalsozialistischer Musterbetrieb mit der Goldenen Fahne“, verliehen vom damaligen „Amt für Schönheit der Arbeit“.

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