Tageslicht / Samstag, 26.03.2016

Beim Schanzenfest bellt auch der Pudel

 
 

Aus Solidarität mit den Schanzenhof-Mietern wurde das Schanzenfest vorverlegt. Pudel Club kündigt Mini-Pudel an – Teilungsversteigerung wurde verschoben.

Schanzenfest Schanzenhof Einen traurigen Anblick bietet der Schanzenhof. Im Innenhof liegen herausgerissene Bretter, das Hotel Schanzenstern hat bereits zugemacht, die Mieterinnen der Musik-Etage sind ausgezogen. Wie berichtet, hatte die HWS Immobilien- und Vermögensverwaltung der Gebrüder Schommartz insgesamt fünf Mietern gekündigt. Neben der Drogenberatungsstelle „Palette“ traf es das alternative Hotel „Schanzenstern“ sowie mehrere Kulturschaffende und Künstler. Aus Solidarität findet das Schanzenfest Nummer eins in diesem Jahr schon im Frühjahr statt. Bis in die Nachti wird heute zwischen Neuer Pferdemarkt und Sternschanze gefeiert.

Schanzenhof-Mieter an ihrem Infotisch beim Schanzenfest

Schanzenhof-Mieter an ihrem Infotisch beim Schanzenfest

HWS 2„Am 31.3. ist die offizielle Abnahme von Schanzenstern und Musiketage durch den Vermieter“, sagt Verena Kahnert, eine der Mieter/innen, am Infotisch in der Bartelsstraße. Um 12 Uhr werde ein Vertreter der Gebrüder Schommartz mit einem Rechtsanwalt erwartet. Auf diesen Termin sei man in der Schanze schon vorbereitet, kündigte später ein Sprecher auf der Hauptbühne in der Schanzenstraße an. „Wir werden den Preis so hoch treiben, bis die Schommartz die Schnauze voll haben!“ Erst kürzlich hatten Aktivist/innen den Sitz der HWS in Harvestehude mit einer überdimensionalen Flaschenpost und einem als Geschenk verpackten Pflasterstein „verschönt“ (siehe kl. Foto).

Neues vom Pudel Club: Teilversteigrung ist verschoben worden

Auch der Golden Pudel Club ist auf dem Schanzenfest diesmal mit einer eigenen Musikbühne vertreten, um nach dem Brand am 13./14. Februar darauf aufmerksam zu machen, wie es weitergeht. Es gibt nämlich einige Neuigkeiten: Die für den 20.4. angesetzte Teilversteigerung des Pudels wurde inzwischen abgesagt. Ein Gutachter müsse erst eine Neubewertung der Immobilie vornehmen, heißt es von den Pudel-Betreibern, danach werde ein neuer Termin für die Teilversteigerung festgesetzt. Wolf Richter, dem das Grundstück gemeinsam mit Rocko Schamoni gehört und der das obere Stockwerk (Oberstübchen) bewirtschaftete, hatte die Versteigerung beantragt. Ursprünglich war der Verkehrswert auf 510.000 Euro festgesetzt worden, das Mindestangebot lag bei 255.000 Euro.

Die Pudel-Bühne beim Schanzenfest, hier am Plattenteller gerade "Hausmeister"Raöf Köster

Die Pudel-Bühne beim Schanzenfest, hier am Plattenteller gerade Pudel-„Hausmeister“ Ralf Köster

Gleichzeitig wird aber fleißig am Weiterbestehen des Pudels gebastelt. Nach Ostern wollen Pudel-Freunde und die Initiative Park Fiction auf der Treppe oberhalb des verbrannten Pudel Clubs eine Mini-Version des Holzhauses bauen – als „Protestbau“ und als „Lustpavillon für kulturelle Bespielung“, aber auch als „Drohkulisse“, wie es auf der Facebook-Seite von Park Fiction heißt. „Der Club ist Teil des Gesamtwerks Park Fiction – ohne den Club wird die Integrität von Hamburgs bekanntesten Kunst-im-öffentlichen-Raum-Projekt zerstört“. Kein Investor solle sich einbilden, er könne sich am Park Fiction breit machen.

So soll der Mini-Pudel aussehen (Abb: Park Fiction)

So soll der Mini-Pudel aussehen (Abb: Park Fiction)

Gebraucht wird das Pudel-Provisorium (siehe Bild linls) unter anderem, um das brandgeschädigte Park-Fiction-Archiv unterzubringen, das sich im ausgebrannten Obergeschoss befand. Pudel-Familie und Initiative Park Fiction werfen dem Teil-Eigentümer Wolf Richter vor, dass er die Wiederherstellung des Pudels derzeit verhindere. Angeblich wolle Richter selbst das Grundstück kaufen. Auch den Pudel-Aktivist/innen ist weiterhin völlig unklar, wer kürzlich eine Belohnung von 7500 Euro für Hinweise auf die Brandstifter ausgesetzt hat.

Am Nachmittag machten zahlreiche Mitglieder der Pudel-Familie mit Pappschildern einen Rundgang über das Schanzenfest, auf denen u.a. „Pudel aus der Asche“, „Ich höre immer nur Geld“ oder „Hände weg von meinem Köter“ stand (Beitragsfoto). Auf der Haupttribüne wurde gegen 17 Uhr ein künstlerisches Pamphlet zum Erhalt des Pudel Clubs abgespielt, danach heizten die Pudel-DJs Knarf, Viktor Marek und DJ Pattex als „A Tribe Called Knarf“ dem Publikum ein.

Für das Material des geplanten Mini-Pudels werden Spenden gebraucht (ca. 5000 Euro). Gespendet werden kann auf dieses Konto: GWA St. Pauli e.V., Hamburger Sparkasse, IBAN: DE66200505501024217091, BIC: HASPDEHHXXX; bitte als Buchungszweck „Park Fiction“ angeben.

(Zuletzt aktualisiert am 29.3., 12.51 Uhr)

 

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