Tageslicht / Samstag, 23.04.2016

Am Sonntag wird der Mini-Pudel eingeweiht

 
 

Aktion soll zeigen: Pudel und Park Fiction gehören eng zusammen. Künstler unterstützen Forderungen nach Erhalt dieser Einheit am Hafen.

Am Sonntagnachmittag wird der Mini-Pudel am Park Fiction feierlich eingeweiht – mit Musik und einer Aktion. In dem kleinen Holzhaus, das vor zwei Wochen bereits bemalt worden war, soll nicht nur das Park-Fiction-Archiv seinen vorläufigen Platz finden, das vor dem Brand im Dachgeschoss des Pudel Clubs aufbewahrt worden war. Der Mini-Pudel soll auch den Zusammenhang zwischen Park und Golden Pudel Club deutlich sichtbar machen – quasi als Platzhalter bis zum Wiederaufbau des Clubs.

Der Zusammenhang von Pudel und Park sei in der letzten Zeit in den Hintergrund geraten, sei aber wesentlich, wenn es jetzt um die Zukunft des Pudel Clubs geht, sagten Margit Czenki und andere Aktivisti/innen bei einer Pressekonferenz des Park Fiction Komitees am Donnerstag. Wie berichtet, soll die Immobilie versteigert werden. Die Initiative befürchtet: Mit einem Verkauf des Pudel-Gebäudes würde ein zentrales Element aus dem Park Fiction herausgelöst.

Pudel Club war von Anfang an in die Planung des Park Fiction einbezogen

„Der Pudel ist Teil des Gesamtkunstwerks Park Fiction“, sagte Christoph Schäfer vom Park Fiction Komitee, der wie Margit Czenki an der Gründung des Parks beteiligt war. „Das gesamte Gefüge aus Park und Pudel wurde seit 1994 in einem von der Nachbarschaft selbst organisierten und öffentlichen Prozess mit künstlerischen Mitteln geplant und anstelle einer Bebauung durchgesetzt.“ Zu der Nachbarschaftsinitiative gehörten damals auch soziale Einrichtungen in St. Pauli, die Stadtteilschule und mehrere Künstler.

Park Fiction Archiv

Foto aus dem Park Fiction Archiv: Schulkinder mit einem Plakat über das „Wunsch-Archiv“, das bei der Parkplanung zusammengetragen wurde

Schäfer erinnerte daran, dass schon dieser Planungsprozess ein Kunstwerk war, das weit über Hamburgs Grenzen hinaus Beachtung fand und 2001 auf der Kasseler documenta ausgestellt wurde – als ein gelungenes Beispiel für ein „neues Kunstmodell, das in den öffentlichen Raum interveniert“. In einem Planungscontainer, der ab 1997 vor Ort aufgestellt war, konnten die Anwohner ihre Wünsche und Ideen zusammentragen, u.a. den „fliegenden Teppich“, die „Seeräuberinnen-Insel“, das Sportfeld und Palmeninseln, die später im Park Fiction verwirklicht wurden. Den Pudel Club gab es damals schon, ein Teil des Parks wurde um ihn herum konzipiert. Mit dem Amphitheater wurde der Pudel Club vom Park aus erschlossen.

Im August 2005 wurde der Park Fiction mit einem „Dauerpicknick gegen Gentrifizierung“ eröffnet. Als die Stadt 2007 das Pudel-Grundstück verkaufte, erwarben es die Pudel-Betreiber Rocko Schamoni und Wolf Richter, damals noch nicht zerstritten.

Margit Czenki drehte 1999 über die Planungen den Film „Park Fiction – die Wünsche werden die Wohnung verlassen und auf die Straße gehen“. Heute wüssten viele Leute gar nicht mehr, dass der Pudel Club eng in die die Park-Planungen einbezogen war, sagt Czenki. Der Club sei an dieser Stelle eben nicht bloß eine unter vielen Ausgehmöglichkeiten auf dem Kiez, sondern „er war von Anfang an ein Ort für Konzerte, Filme, Aktionen, Führungen und Kultur, der eng mit dem Stadtteil verbunden ist.“ Das sei in den vergangenen Jahren untergegangen, als Pudel-Miteigentümer Wolf Richter im „Oberstübchen“ ein Restaurant betrieb und weder mit dem Pudel Club noch mit dem Park Fiction kooperiert habe.

Schon rund 60 namhafte Erstunterzeichner unterstützen Forderung nach Erhalt des Pudel Clubs

Das Park Fiction Komitee, das Pudel-Team und der VerFüGe (Verein für Gegenkultur) wollen das Grundstück dauerhaft aus dem Immobilienmarkt herauslösen und das gesamte Pudel-Haus wieder als unabhängigen Ort für Kultur und Nachbarschaft im Park Fiction sichern. Gedacht wird an die Übernahme durch eine gemeinnützige Stiftung.

Um ihre Forderung zu untermauern, haben die Initiativen einen Aufruf gestartet, in dem es heißt: „Wir, die Unterzeichnenden, unterstützen die Bestrebungen, den Golden Pudel Club als Teil des Gesamtkunstwerks Park Fiction zu erhalten“. Inzwischen haben ihn in nur wenigen Tagen schon an die 60 internationale Vertreter aus den Bereichen Kunst, Stadtplanung, Architektur, Urbanistik und Urban Art unterzeichnet, von Brüssel bis Dakar und San Diego bis Leipzig und von Mailand bis Istanbul. Viele haben den Park Fiction in ihrer künstlerischen Arbeit oder Lehrtätigkeit schon gewürdigt. In Hamburg unterschrieben u.a. Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhardt, Stadtkuratorin Sophie Goltz und Verlegerin Hanna Mittelstädt (edition nautilus). Der Aufruf wurde inzwischen an Kultursenatorin Barbara Kisseler, Oberbaudirektor Jörn Walter, Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stalepfeld und andere Politiker übermittelt.

Darüber informieren die Initiativen auch am Sonntag ab 16 Uhr. Es gibt ein Programm mit Musik und einer Überraschungs-Aktion, über die noch nichts verraten wurde.

 

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