Schlaglicht / Freitag, 22.01.2016

Schanzenhof: “Lassen uns nicht vertreiben”

 
 

Mit einer VoKü am Sonnabend geht der Protest gegen Kündigungen und unbezahlbare Mieten weiter. Boxclub Epeios sucht weiter neue Räume.

Die Stille auf Seiten der HWS Immobilien GmbH und der Stadt gegenüber den gekündigten Mietern des Schanzenhofs scheint einen laut tösenden Proteststurm auszulösen: Zum 31. März sollen die Drogenberatungsstelle Palette, das alternative Hotel und Restaurant Schanzenstern sowie die Kulturetage ausziehen. Doch im Viertel formiert sich großer Widerstand. Die Mieter hoffen noch immer, in ihren Räumlichkeiten bleiben zu können. „Wir tun alles dafür, dass es so kommen wird“, sagt Sängerin Katriana.

Doch Gespräche mit den Vermietern gibt es nicht mehr. Eine Forderung der Kleingewerbetreibenden ist nun der Rückkauf des Schanzenhofs durch die Stadt. „Die Stadt hat sich uns gegenüber leider bisher nicht geäußert“, sagt jedoch Katriana. Auch alternative Räume sind nicht in Aussicht. „Wir würden auf der Straße stehen.“

Protestaktion mit VoKü am Sonnabend

Deshalb protestiert die Initiative Schanzenhof am 23. Januar mit eine VoKü (Volxküche) vor dem „Fritz im Pyjama-Hotel“ an der Schanzenstraße / Ecke S-Sternschanze gegen die Verdrängung der Mieter und Mieterinnen. Bei der Aktion soll es vegane Suppe und ein Rahmenprogramm mit Redebeiträgen geben.

In den vergangenen Wochen gab es bereits mehrere Aktionen gegen den „weiteren Meilenstein der Gentrifizierung im Schanzenviertel“. Ende 2015 wurde ein Hoffest veranstaltet, eine Unterschriftensammlung haben bislang mehr als 1300 Unterstützer unterzeichnet und die Eigentümer des Schanzenhofs erhielten in Harvestehude Besuch von einer Kundgebung vor ihrer Haustür. Auch das Büro der Brüder Maximilian und Moritz Schommartz wurde bei einem Protest mit Aufklebern, Flugblättern und Konfetti eingedeckt.

Boxclub Epeios musste bereits ausziehen

Der Boxclub Epeios musste seine 170 Quadratmeter großen Räume im Schanzenhof bereits zum 1. Januar 2016 verlassen. Ein harter Schlag für das „Lehrinstitut für olympisches Boxen”, denn gerade stand ein Jubiläum an – seit zehn Jahren war Epeios im Schanzenhof ansässig. Statt rund 1500 Euro Nettomiete sollte Betreiber Torben Koop plötzlich 3200 Euro pro Monat zahlen. „Für mich war klar, dass ich im Schanzenviertel nicht bleiben kann“, sagt Koop. Er wollte sich nicht „auspressen lassen wie eine Zitrone“.

Epeios-Betreiber Torben Koop

Epeios-Betreiber Torben Koop

Das Problem war jedoch auch, dass dem Boxclub kein Vertrag mit vernünftiger Laufzeit, sondern nur über ein bis zwei Jahre angeboten wurde. „Ich wollte selber investieren“, sagt Koop. Denn die Räume waren nicht im besten Zustand, es gab nur eine Dusche und mehrere andere Mängel. Doch in der kurzen Vertragslaufzeit hätte Koop seine Investition nicht wieder verdienen können. Auch die Bereitschaft 14 Euro pro Quadratmeter zu zahlen, reichte den Vermietern offenbar nicht. Kurioserweise wurden die Räumlichkeiten des Boxclubs kurze Zeit später für 8 Euro in einer Internetanzeige angeboten.

Koop solidarisch mit Schanzenhof-Mietern

Immerhin hat Koop inzwischen eine Übergangslösung für die Mitglieder des Boxclubs gefunden. Die Räume sind jedoch „über halb Hamburg verstreut“, sagt Koop. Die Angebote des Boxclubs finden teils in der Wu Sheng Schule in der Rindermarkthalle statt (Sonnabend), teils in Räumen des SC Sternschanze (Mittwoch). An vier anderen Tagen in der Woche muss der Boxclub auf Räume in Alsterdorf ausweichen.

Torben Koop ist also weiterhin auf der Suche nach einem neuen Standort für seinen Boxclub Epeios (Hinweise können online (www.epeios-boxen.de) oder telefonisch 24 86 96 57 übermittelt werden) Auch mit seinen ehemaligen Nachbarn im Schanzenhof zeigt sich Koop solidarisch. „Wir unterstützen das Bündnis der Mieter“, sagt er.

Hier findet ihr alle Infos zum Schanzenhof.

Fotos: Marcelo Hernandez/Roland Magunia

 

Kommentare


  1. Und dann wundert sich die Stadt Hamburg, dass junge Menschen und Künstler nach Berlin gehen. Aber Hauptsache, wir haben hier noch ein paar Musicals, das reicht ja offensichtlich an Kultur in dieser Stadt.

  2. Nun gibt es kein Verfassungsrecht, dass Mieten auf ewig gleich bleiben müssen. Wenn die Erhöhung sachlich begründet ist z.B. wegen allgemeiner Preissteigerungen, Investitionen usw., dann muss der Mieter die Erhöhung akzeptieren. Das kann durchaus dazu führen, dass sich ein Mieter seine Immobilie in angesagten Stadtteilen nicht mehr leisten kann. Das ist das Risiko des Mieters trägt.

    Der Vermieter hat wiederum das Risiko, dass die Immobilie keine Rendite abwirft, ja sogar Verluste macht und dass er aufgrund der Gesetzgebung nicht beliebig darüber verfügen kann z.B. Vermögensverluste hat beim Verkauf einer vermieteten Immobilie. Im Regelfall hat er aufgrund notwendigen Fremdfinazierung noch das Kreditrisiko.

    Die Risiken sind also weitgehend gleichmäßig verteilt.

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