Schlaglicht / Montag, 16.02.2015

Satire-Partei überholt CDU auf St. Pauli

 
 

Hamburg hat gewählt. Doch wenn es nach St. Pauli geht, würde der Bürgermeister wohl nicht länger Olaf Scholz heißen.

Zwar hat auch der Kiez rot-grün gewählt  allerdings nicht Olaf Scholz. Im Gegenteil. Das Rot nämlich fällt auf St. Pauli deutlich dunkler aus. Die SPD, die laut dem vorläufigen amtlichen Ergebnis hamburgweit mit 45,7 % erwartungsgemäß stärkste Kraft wurde und damit weiter den Bürgermeister stellt, landet auf St. Pauli hinter den Linken nur auf dem zweiten Platz. Linken-Chefin Katja Kipping bedankte sich per Twitter bei den Wählern auf St. Pauli: „Wir können auch im Westen stärkste Partei. Danke #stpauli“.

 

So hat St. Pauli gewählt (Ergebnis Landesliste vom 15.2.2015, 21 Uhr):
Die Linke: 29,1 %
SPD: 26 %
Grüne: 24,7 %
Piraten: 4,5 %
Die Partei: 4,2 %
CDU: 4,0 %
FDP: 3,2 %
AfD: 3,1 %
Liberale: 0,5 %
ÖDP: 0,4 %
Hamburger Bürger-Liste: 0,2 %
Rentner: 0,1 %
NDP: 0,1 %

(Ergebnis der vereinfachten Auszählung der voraussichtlichen Sitzverteilung. Quelle: wahlen-hamburg.de)

Kuriose Bemerkung: Mit ihrer Forderung „Puff ab 16“ oder dem Ruf nach einer „Bierpreis-Bremse“ konnte die Satire-Partei „Die Partei“ auf St. Pauli mehr Stimmen holen als die CDU (wobei man sich natürlich fragen kann, wie überraschend das tatsächlich ist). „Das ist ein Abend der Trauer“, sagte Marcus Weinberg, Landesvorsitzender der CDU Hamburg, mit Blick auf das insgesamt schwache Wahlergebnis (15,9 %). Kleiner Trost für Wersich & Co.: Im Vergleich zur letzten Bürgerschaftswahl 2011 verloren die Christdemokraten auf St. Pauli nur 1,8 %.

Der größte Verlierer der Bürgerschaftswahl 2015 auf St. Pauli ist jedoch die SPD: 2011 holten die Sozialdemokraten auf dem Kiez noch beachtliche 37,4 %. Gestern erreichte die Partei dagegen nur 26 %, das entspricht einem Minus von 11,4 %. Bereits bei der Bezirkswahl im vergangenen Jahr war die SPD deutlich abgestraft worden. Profitieren konnten hingegen Linke (+ 9,1%) und Grüne (+ 3,2 %). Anscheinend haben viele St. Paulianer der SPD das Gefahrengebiet und ihre Haltung gegenüber der Gruppe Lampedusa in Hamburg noch nicht verziehen. Für die Genossen kein Grund Trübsal zu blasen: Sie feierten bis tief in die Nacht im Silbersack ihren „König Olaf“  auch wenn die absolute Mehrheit nun erstmal passé ist.

Deutlich abgenommen hat auch die Wahlbeteiligung: Erreichte diese 2011 noch 57,4 % auf St. Pauli, so lag sie gestern nur noch bei 41,2 % (das entspricht 6.127 Stimmzetteln von 14.857 Wahlberechtigten). „In anderen Ländern lassen sich Menschen für dieses Recht erschießen und wir zucken vor lauter Selbstgefälligkeit mit den Schultern“, empört sich eine Wählerin aus St. Pauli auf Facebook. Insgesamt ist die Wahlbeteiligung in Hamburg auf ein historisches Tief gesunken. Sie rutschte nach Angaben des Landeswahlamtes auf 56,6 Prozent (2011: 57,3 %).

Welche Kandidaten es tatsächlich in die Hamburgische Bürgerschaft geschafft haben, entscheidet sich erst im Laufe des Montags. „Für mich wird der morgige Tag tatsächlich noch etwas spannender als der heutige“, sagt SPD-Kandidatin Henriette von Enckevort, die als Nachfolgerin von Loretana de Libero in die Bürgerschaft einziehen will. Mit dem bisherigen Ergebnis ihrer Partei ist sie schon einmal zufrieden. „Läuft!“ Welche Kandidaten aus St. Pauli es in die Bürgerschaft geschafft haben und weitere Reaktionen folgen im Laufe des Tages.

Wie haben eure Nachbarn gestimmt? Ergebnisse der einzelnen Wahllokale unter wahlen-hamburg.de

(Foto: Irene Jung)

 

Kommentare


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  2. Geht echt nur noch die Hälfte der Leute wählen?
    Die Wahlen werden wohl nur noch als Witz verstanden?! Wollen wirklich fast 5% von einer Partei regiert werden die keine Partei ist? Was soll das für eine Zukunft sein? Eure Kinder werden Euch bestimmt danken, wenn sie ab 16 in den Puff durften und dann leider keine Sozialleistungen für die nötigen Krankenhausbehandlungen bekommen…
    Ahnungslose wacht auf!

  3. Tja wie immer: von St.Pauli lernen heisst siegen lernen ! Danke Nachbarn ! (ausser den npd & afd wählern – euch ein herzliches GEHT KACKEN!)

  4. Aktualisiert mal eure Zahlen, eine Hochrechnung drei Stunden nach Lokalschluss ist kein Wahlergebnis:

    hat die amtlichen Zahlen, und da steht ganz klar:

    DIE PARTEI: 1.153 Stimmen
    CDU: 1.336

  5. Ich habe die Intrigen von Johannes Kahrs satt, es reicht! Ein Blick auf die Entwicklung der Wahlbeteiligung auf St Pauli genügt. SPD-Wähler gehen nicht zur Wahl, und boykottieren Kahrs‘ Seilschaftskandidatin H v Enckevort.

    Genau so lief es 2009 mit SPD-Kahrsdidat D Ikanipur, der Eimsbüttel(!) an die CDU verlor. Niels Annen holte das Mandat zurück.

    Kahrs begreift die SPD als Kariere-Netzwerk, die Partei als Beute! Loretana de Libero, echte ST Pauli-Soze mit authentischen Anliegen wurde so ausgebootet, bitter.

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