Schlaglicht / Donnerstag, 18.02.2016

Pudel: „Nicht zu kaufen, nicht zu verbrennen“

 
 

Offenbar muss das Gebäude nicht abgerissen werden. „Die Idee Pudel kann nicht sterben“, beteuert auch Schorsch Kamerun. Soli-Demo am Freitag.

Nach dem Schock der ersten Tage, erwachen Zuversicht und Kampfgeist: Unter dem Motto „Unsere Ruine kriegt ihr nicht  Solidarität mit Pudel und Park Fiction“ wollen nach dem Spiel des FC St. Pauli am Freitagabend Hunderte Unterstützer und Sympathisanten des Golden Pudel Clubs auf die Straße gehen. Verschiedene Musiker aus dem Umfeld des Clubs sollen zudem bei der Demo auftreten. „Bis zu 1000 Teilnehmer sind angemeldet, es könnten aber deutlich mehr werden“, sagt Christoph Schäfer von Park Fiction.

Auch beim FC St. Pauli selbst, macht man sich für einen Erhalt des Clubs stark: „Liebe, Stärke, Wiederaufbau! Kein St. Pauli ohne Pudel“, gab der Vereinspräsident Oke Göttlich als Losung für die kommenden Wochen aus.

Pudel Nach Feuer II

Brandermittler am Sonntag auf der Terrasse oberhalb des Golden Pudel Clubs (Foto: Schaefer)

„Wir fühlen uns durchgerüttelt, ein Stück weit traurig, aber gleichzeitig ganz stark  allein wegen dem ganzen Zuspruch“, sagte uns Schorsch Kamerun vom Golden Pudel Club am Donnerstag. „Wir wissen weiterhin, dass die Idee Pudel gar nicht sterben kann. Sie ist nicht zu kaufen und nicht zu verbrennen. Dafür gibt es zu viele, die keinen Bock auf Normiertes haben. In der Sprache der Populisten: Wir bleiben durch und durch ‚lebensbejahend'“.

Inzwischen herrscht jedenfalls vorläufige Entwarnung. Demnach muss das Gebäude am Fischmarkt offenbar nicht abgerissen werden. Nachdem die Bauprüfabteilung des Bezirksamts Altona die Arbeiten abgeschlossen hat, steht fest: Das Dach ist einsturzgefährdet, das erste Obergeschoss nicht begehbar. „Jetzt obliegt es dem Eigentümer, das Gebäude wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand zu bringen“, so Sprecher Martin Roehl gegenüber dem Abendblatt. Nach Informationen der Zeitung beträgt der Schaden an dem Gebäude mindestens 200.000 Euro.

Auch beim Pudel bestätigt man, dass der Dachstuhl zerstört sei. Das Park Fiction Archiv im Obergeschoss sei zu großen Teilen löschwasserdurchnässt. „Das Gebäude ist zwar stark beschädigt, aus unserer Sicht, ist ein Abriss jedoch ausgeschlossen“, sagt Christoph Schäfer. Hundertprozentige Gewissheit gäbe es jedoch noch nicht.

Neben dem Dachstuhl des Gebäudes, war in der Nacht zum Sonntag auch das improvisierte Heim von Kofi P., eines obdachlosen Flüchtlings, mitsamt seinen Papieren verbrannt.  Als der 32-Jährige seine Hab­seligkeiten nach Ausbruch des Brands in der Nacht auf Sonntag von der Terrasse holen wollte, hielten Polizeibeamte den Mann fest. Kofi P. steht nicht unter Tatverdacht, soll nun aber ausgewiesen werden. „Ein Skandal“, heißt es aus dem Pudel Club. Ein Sprecher der Ausländerbehörde sagte, dass der Mann sich seit Juli 2015 illegal in der Stadt aufhalte.

Pudel nach Brand

Ein Bauzaun riegelt das Gelände derzeit ab (Foto: Schaefer)

Unklar ist nach wie vor, wer das Feuer gelegt hat. Die Ermittler haben bislang weder Hinweise auf einen möglichen Täterkreis noch auf ein Motiv. In den sozialen Netzwerken wird ebenso über einen möglichen Versicherungsbetrug spekuliert, wie über einen Anschlag von potenziellen Investoren, die den Preis der Immobilie nach unten drücken wollten. „Zufall? Idiotie? Berechnung?“, fragt man sich auch innerhalb der Pudel-Familie. „Dies wäre nicht der erste Versuch auf St. Pauli, investitionshemmende Nutzer*innen mit Feuer zu vertreiben. Falls jemand die Situation zu nutzen gedenkt: Seid gewarnt, Geldsäcke“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung. „Dieser Knochen ist zu groß für euch.“

Nach Auskunft des Amtsgerichts Altona soll das Gebäude nach wie vor am 20. April versteigert werden. Allerdings müsse das Wertgutachten überarbeitet werden, heißt es. Der Verkehrswert des Gebäudes mit einer Fläche von etwa 270 Quadratmetern wurde vor dem Brand auf 510.000 Euro festgesetzt. Beim Pudel kündigt man jedoch bereits an, man wolle das Gebäude wieder aufbauen und mitsamt Grundstück dauerhaft unkommerziell absichern. Hinter den Kulissen diskutiere man bereits über entsprechende Pläne. Etwas anderes als den Pudel Club, „dort wo er ist“, würde man nicht zulassen. „Pudel sind nicht nur lustig und schön, sie können auch beißen.“

(Mit Material von mik, crh / Foto: Schaefer)

 

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