Schlaglicht / Donnerstag, 26.03.2015

Droht dem Pudel die Zwangsversteigerung?

 
 

Der Streit um den Pudel Club geht in die nächste Runde: Nach der Schließung des Oberstübchens, droht die Teilungsversteigerung. Das könnte Ärger geben.

Still und verlassen wirkt das Haus am Fischmarkt 27 an diesem Nachmittag. Die Terrasse bleibt leer. Trotz schönstem Sonnenschein stehen Tische und Bänke zusammengeklappt in der hinteren Ecke. Neben der Hollywoodschaukel liegt ein großer Hundehaufen. Die Tür bleibt verschlossen, durch die Fenster sieht man Möbel und Kartons, aber kein Lebenszeichen. „Das Oberstübchen hat uns überraschend verlassen. Warum, wissen wir selbst nicht so genau“, sagt Schorsch Kamerun, Mitbetreiber des Golden Pudel Club, und klingt dabei nicht unzufrieden.

 

Denn seit Jahren tobt um das Gebäude des legendären Clubs am Hamburger Fischmarkt ein erbitterter Streit. Ein Konflikt, der im vergangenen Jahr schließlich vor Gericht endete. Wie berichtet, hatte Pudel-Betreiber und Musiker Tobias Albrecht alias Rocko Schamoni das Gebäude 2008 gemeinsam mit seinem alten Freund Wolf Richter gekauft, um die dauerhafte Existenz des Clubs zu sichern. Die beiden Jugendfreunde aus Lütjenburg gerieten jedoch aufgrund unterschiedlicher Ansichten über die Nutzung des Gebäudes immer wieder in Streit. 2011 erfolgte die inoffizielle Teilung des Hauses: Schamoni behielt im Untergeschoss den Golden Pudel Club, im Obergeschoss eröffnete Richter das Restaurant Oberstübchen.

Doch es ist weit mehr als ein Streit unter zwei ehemaligen Freunden. In diesem Konflikt prallen zwei Weltansichten aufeinander, die sich scheinbar unversöhnlich gegenüberstehen: Auf der einen Seite die Pudel-Familie, die das Club-Gebäude als Teil des Projekts Park Fiction sieht, als einen „nicht kommerziellen, kollektiven Freiraum“. Auf der anderen Seite das Oberstübchen, das zuletzt funktionierte, wie ein „normales“ Restaurant eben funktioniert: Feste Karte, feste Preise.

Immer wieder führte das in der Vergangenheit zu Auseinandersetzungen. Neben der Nutzung des Dachgeschosses, in dem sich auch das Park Fiction Archiv befindet, stritt man sich zuletzt vor Gericht vor allem um die Aufteilung der Kosten. Wolf Richter beteilige sich nicht an der Tilgung aufgelaufener Kosten und gemeinsam aufgenommener Kredite, warfen ihm die Kläger vom Golden Pudel Club vor. Der Beschuldigte hielt bis zuletzt dagegen: Das Café werfe nicht genug ab und dürfe ja auch nicht kommerziell betrieben werden.

Im November dann das Urteil: Wolf Richter muss nachweisen, ob er tatsächlich so wenig Gewinn erwirtschaftet, dass er keine Miete und keine Tilgungsbeiträge aufbringen kann. Zudem muss er den Klägern (wieder) einen „Mitbesitz“ am Dachgeschoss einräumen, das er seit 2010 für sich reklamiert hatte.

„Wir werden um diesen Ort kämpfen“

Für Richter war das wohl zu viel: Er sieht anscheinend keine Zukunft mehr für sich in dem Gebäude über dem Pudel Club und hat seine Zelte angeblich abgebrochen. Von einer erzwungenen „Teilungsversteigerung“ ist die Rede. Richter selbst wollte sich auf Nachfrage bislang nicht dazu äußern. Aus dem Oberstübchen hieß es zuletzt, das Restaurant mache derzeit „Betriebsferien“. Eine bevorstehende Teilungsversteigerung will man nicht bestätigen.

„Dies würde immerhin eine klare Trennung bedeuten. Wir sind uns aber bewusst, dass sich damit im Prinzip jeder in das Gebäude einkaufen könnte“, sagt Schorsch Kamerun vom Pudel Club. Bei einer solchen „Zwangsversteigerung zur Aufhebung der Gemeinschaft“ wird ein unteilbares gemeinschaftliches Gut, in diesem Fall eine Immobilie, in ein teilbares Gut, also Geld, umgewandelt, um damit eine Teilung zu ermöglichen. Im Rahmen eines Wertfestsetzungsverfahrens wird dabei der Verkehrswert des Grundstücks bzw. der Immobilie ermittelt. Kann die eine Seite die andere nicht ausbezahlen, wird das Objekt versteigert und jede Partei bekommt ihren Anteil ausbezahlt.

Schorsch Kamerun sieht den Golden Pudel Club jedoch nicht in Gefahr, da die Existenz durch einen langjährigen Vertrag gesichert sei. „Eines aber steht fest, dieses Haus ist keine Immobilie wie jede andere. Egal, was passiert, wir werden gemeinsam mit ganz Vielen um diesen Ort kämpfen.“

Für die kommenden Monate arbeite man bereits an einer entsprechenden Kampagne. Unter dem Slogan „The Freaks Are Alright“ will die Pudel-Familie mit ihren Unterstützern und anderen, auch größeren öffentlichen Institutionen, für den Fortbestand ihres Freiraums streiten. „Es kann nicht sein, dass die letzten offenen Orte auf St. Pauli einfach so hinweg verdealt werden, nur damit irgendjemand auf Basis des rauen Kiez-Images seinen Reibach damit macht.“

Stattdessen sehen sie die Stadt in der Pflicht, zu handeln. „Hamburg wirbt nur allzu gerne mit seinem Image einer kreativ-bunten und weltoffenen Stadt und zeigt bei solchen Gelegenheiten auch gern mal auf Pudel Club, Gängeviertel, Park Fiction und Co.“ Daher sei die Stadt auch in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass Orte wie diese tatsächlich erhalten blieben und der Pudel nicht zum „Spekulationsobjekt“ werde. „Auch wir sind eine Risikoimmobilie, haben riesige Eimer mit einer Scheiße-ähnlichen Flüssigkeit aufgefüllt und sind bereit diese zur Anwendung zu bringen“, warnt Kamerun potentielle Interessenten mit Verweis auf die Rote Flora und fügt hinzu: „Wer das kaufen will, muss Hundefutti mögen.“

 

Kommentare


  1. Was für ein beschissener Artikel. Schlecht recherchiert! Was soll man auch erwarten von einem 26-jährigem Möchtegernjournalist!
    Mehr gibt es dazu einfach nicht zu sagen. Es ist aber schade und respektlos, dass mit keinen Wort erwähnt wurde, dass der zukünftige Betreiber vom Oberstübchen auf der Streesemanstr. überfahren wurde! Der Journalist und Autor denkt irgendetwas über St. Pauli zu wissen? Fickt euch alle und der Pudel ist schon seit über 10 Jahren nicht mehr das, was er mal er mal war!

    • Liebe Miriam,
      Vielen Dank für deinen Kommentar. Wir haben ihn freigeschaltet, da wir gerne Kritik zulassen und darauf reagieren wollen. Dennoch finde ich die Ausdrucksweise fragwürdig, so wie du scheinbar meinen Artikel. Ich würde dich bitten, deine Kritik (sofern du möchtest, dass es mehr als ein Pöbeln bleibt) noch einmal detailliert zu äußern. Was den Unfall an der Stresemannstraße angeht, kann ich dazu leider nicht viel sagen. Ich bin mir auch nicht sicher, welchen Zusammenhang es zwischen dem Unfall und dem Streit um das Pudel-Gebäude geben soll. Herr Richter hat, wie in dem Artikel geschrieben, leider nicht auf meine Anfrage reagiert. Ohne eine Stellungnahme seinerseits kann ich leider nur mit den Quellen arbeiten, die mir zugänglich sind.

      Beste Grüße
      Daniel

  2. Pudel Club muss so erhalten bleiben, wie es ist. Samt Oberstübchen. Weil ich Schorsch Kamerun und alles, was er auf die Beine stellt, seit vielen Jahren schätze!
    Wenn ihr mich braucht, sagt Bescheid.

  3. Wie steht der Vorstand des St.Pauli Bürgerverein zum Pudel Club? Von diesem Alt Herren Club hört man nichts! Nur so viel, dass er sich dafür stark macht, dass die Drogeneinrichtung „Drob Inn“ von Altona nach St.Pauli ziehen soll, na toll!

    • St. Pauli Bürgerverein? Was will der schon bewegen, hat der Verein überhaupt ein Vereins Heim? Zur letzten Jahreshauptversammlung erschienen sage und schreibe 5 (FÜNF!!!) Mitglieder. Wenn an der wichtigsten Veranstaltung im Jahr nur 5 Mitglieder teilnehmen, dann ist das ein Armutszeugnis und zeigt wie bedeutungslos dieser Verein geworden ist! Würde der vor Kraft nicht laufen könnende Vorstand das erkennen müsste er den Anstand haben, geschlossen zurück zu treten!

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