Schlaglicht / Freitag, 26.09.2014

Oz ist tot – beim Sprayen verunglückt

Eine erinnerung an OZ
 
 

Hamburgs berühmtester Sprayer war jahrzehntelang mit seiner Dose unterwegs. Sein Markenzeichen, das Oz, prangt auch auf St. Pauli. (Update)

Bürgerlich hieß er Walter Josef Fischer, aber „Oz“ war längst so etwas wie sein alter ego. Der Schriftzug und das Smiley finden sich als seine Markenzeichen schätzungsweise mehr als 120.000 Mal in Hamburg. Für die St. Pauli Ultras gehörte er zur Vereinskultur.

Jetzt ist der 64-Jährige tot. Am Donnerstagabend ist er nach bei einem Zugunfall ums Leben gekommen, wie eine Sprecherin der Polizei am Freitag mitteilte. Die Leiche wurde nach Angaben der Bundespolizei an der S-Bahnstrecke zwischen Hauptbahnhof und Berliner Tor gefunden. Der 64-Jährige sei von einem Zug der Linie S1 Richtung Poppenbüttel/Flughafen erfasst worden.

Wie der NDR berichtet, hat erst der Fahrer der nachfolgenden Bahn den Toten entdeckt. Am Unglücksort habe eine Sprühdose gelegen. Auch das Schriftzeichen „Oz“ war an der Abdeckung einer Stromschiene zu sehen.

Oz bei einem Gerichtstermin in Hamburg (Fotos: Bodig, Sawatzky)

Oz bei einem Gerichtstermin in Hamburg

Dass Oz quasi bei der Arbeit starb, hat in der Szene schon ein großes Echo gefunden (unter anderem auf Twitter). Hinz & Kunzt veröffentlichte das letzte Interview mit Oz. „Mit Oz verliert Hamburg ein Stück Rebellenkultur“, schreibt Erik Hauth in einem Nachruf auf „St. Pauli Nu“. „Oz hat Hamburg mit seinem gleichnamigen Tag zugepflastert. Nicht schön, aber mit einer stoischen Penetranz, die man bejubeln kann, ja sollte.“ In einer Online-Petition könnt ihr euch dafür einsetzen, dass die Kunstwerke von Oz erhalten bleiben.

Denn es war gerade Oz, der die Diskussion darüber, was (Straßen-)Kunst und „Geschmiere“ ist, wesentlich vorangetrieben hat – und damit ein neues offeneres Verständnis von Streetart.  Seine Freunde bei den St. Pauli Ultras schlossen sich zu einer Soligruppe zusammen, um ihn bei seinen Gerichtsverfahren zu unterstützen und die Anwaltskosten zusammen zu bringen. Im Fanladenwurde dafür das Buch „Es lebe der Sprühling“ verkauft. Auch die Galerie OZM in der Schanze unterstützte ihn mit Ausstellungen seiner Sprühbilder. Anwaltlich wurde Oz von Andreas Beuth  vertreten.

Oz

Oz bei der Arbeit (Foto: Günter Zint – Panfoto)

Seit 1977 war Oz als Sprayer in Hamburg unterwegs. Er sprühte auf Bunker, Parkuhren, Poller, Häuserwände und immer wieder auf Gleisstrecken. Bei seinem Output blieb nicht aus, dass er häufig mit der Polizei in Konflikt geriet. Unter anderem wurde er sogar angeklagt, weil er einen „St. Pauli Fans gegen Rechts”-Aufkleber an einen Fahrkartenautomat geklebt hatte. Seine zahlreichen Haftstrafen summierten sich auf acht Jahre. Erst im Juni stand er wegen mutmaßlicher Sachbeschädigung am Biedermannplatz vor Gericht.

 

Kommentare


  1. Weshalb wohl löschen die Moderatoren keinen noch so harmlosen Text? Na warum? Weil es sich ausnahmslos um OZ Fans handelt! Unglaublich, so wird Pressefreiheit missbraucht!!!!! Man schützt Kriminelle!

    • Ruhe in Frieden KING OZ!
      Walter war ein Mensch, der die Welt jedes mal, wenn er aus der Tür ging ein Stückchen hat besser machen wollen.
      Und er hat es geschafft. Hamburg ist mit seinen Smilies, Kringeln, Bombings und bunten Mustern mir täglich sympathischer geworden.
      Wer OZ einen Kriminellen nennt, ist kein Hamburger oder hat sich mit OZ nie beschäftigt. Saubernazis 🙂

      • Jedesmal, wenn der Typ aus der Tür ging, zitterte der Einzelne, weil er nicht wusste beschmiert er diesmal mein Haus und die Allgemeinheit wusste exakt, es kommen heute wieder Kosten auf sie zu! So viel zum hochgelobten und zigmal verurteilten Straftäter! Dann stellen sich Leute hin und bezeichnen Poster, die diesen Unverbesserlichen nicht hochloben als Nazi! Unfassbar!!!!!!!!!!

  2. Pingback: Abschied von Oz in Ohlsdorf

  3. Pingback: St. Paulis Türen - Leinwände der Street Art - St.Pauli-News

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