Schlaglicht / Montag, 18.04.2016

Nate57 – sozialkritischer „Gauna“ aus St. Pauli

Rapper Nate57 ist auf St. Pauli aufgewachsen
 
 

Zweieinhalb Jahre hat Rapper Nate57 an seinem neuen Album „Gauna“ gearbeitet. Im Interview erzählt er von Musik, seiner Jugend auf St. Pauli und der Flüchtlingskrise.

Seit Jahren gibt der Rapper Nate57 mit seiner Musik einen Einblick in seinen Heimatort St. Pauli und hat mit Liedern wie „Blaulicht“, „WaffenfreieZone“ oder „Santa Pauli Patriot“ auch die dunklen Seiten des Lebens im Viertel aufgezeigt, abseits von Glanzlichtern und Touristenpfaden. Nicht nur mit seinem Rap-Talent hat Nate57 immer wieder deutschlandweit beeindruckt, auch seine sozialkritischen Töne überzeugen und machen den jungen Musiker zu einer Hoffnung für das Genre, das zuletzt oft genug von Proleten dominiert wurde. Zweieinhalb Jahre haben Nate57 und sein Bruder Oswald am gerade erschienenen Album „Gauna“ gearbeitet und ein Straßen-Rap-Juwel erschaffen.

St. Pauli News: Deine Fans mussten lange warten auf dein neues Album „Gauna“ das Ende März erschienen ist – wie kam das?

Nate57: Ein guter Wein braucht seine Zeit. Und der Wein ist jetzt gereift und konnte releast werden. Und der Wein schmeckt auch vielen. Die Resonanz war extrem positiv.

Wie würdest du deine Musik einordnen? Ist es Gangsta-Rap?

Nate57: Ich würde es als Straßenrap aus St. Pauli bezeichnen. Oder Gauna-Funk. Oder Piratenmusik.

Es geht in deiner Musik immer wieder auch um soziale Missstände oder Systemkritik wie in „Chaos“. Bist du ein politischer Musiker oder ist Musik für dich in erster Linie Unterhaltung?

Nate57: Musik kann beides sein. Ich weiß nicht, ob ich mich als politischen Musiker bezeichnen würde, aber ich beschäftige mich in meiner Mucke auch viel mit Missständen, die ich auf der Welt wahrnehme. Das ist auch etwas, mit dem ich mich viel privat auseinandersetze. Ich zieh mir auf jeden Fall rein, was geopolitisch abgeht. Nicht nur über die Mainstreammedien, aber ich guck mich um.

In deiner Biographie heißt es, dass es für das Album „Stress aufm Kiez“ das „Ziel gab einen möglichst unverfälschten Soundtrack zum Leben und den Erfahrungen eines Heranwachsenden aus Hamburg Sankt Pauli zu erschaffen.“ Was waren deine Erfahrungen? Wie war es auf St. Pauli aufzuwachsen?

Nate57: Das ist immer schwierig in einem Satz auszudrücken. Deswegen mache ich die Mucke, nehme mir die Zeit und versuche, mich in den Tracks auszudrücken. Und auf dem Album hört man verschiedenste Stimmungen von mir. Ich kann es schlecht einschätzen, wie es woanders ist, weil ich nur hier groß geworden bin. Es gab schwierige Punkte, aber in manchem hat es mir das Viertel leicht gemacht. Durch die Weltoffenheit von St. Pauli bin ich anders drauf. Dass hier so viele verschiedene Kulturen auf einem Spot sind, prägt einen.

Was sind deine musikalischen Einflüsse? Was für Musik hörst du?

Nate57: Querbeet! Als ich ganz jung war, hab ich viel Reggae gehört. Dann ging es rüber zu HipHop, schon sehr früh. Aber ich bin da echt offen. Ich höre nicht nur HipHop. Man hört in meiner Mucke schon, dass ich sehr fanatisch nach 90s-Rap bin. Aber ich feier auch viele andere, neue Sachen. Zum Beispiel Sch aus Frankreich. Ich hab grad gehört, es ist ein Halbdeutscher: Mr. Schneider.

Nate57: „St. Pauli ist ein Brennpunkt“

In vielen deiner Texte geht es um kriminelle Machenschaften: Wie gefährlich ist St. Pauli?

Nate57: Es kommt darauf an, mit was für Augen man St. Pauli sieht. Und in was für Milieus oder Kreise man sich begibt. Oder ob man nur herkommt, um zu feiern. Aber selbst dann kann es gefährlich werden, wenn man in die falsche Gasse einbiegt oder ein Problem mit einem Typen in der falschen Bar oder dem falschen Club bekommt. Man kann hier ganz friedlich feiern mit seiner Freundin oder es können schlimme Dinge passieren. St. Pauli ist auf jeden Fall ein Brennpunkt.

Ihr macht sehr viel selbst. Wie läuft eure Arbeit ab?

Nate57: Manchmal entsteht ein Beat, ich bin dabei, dann kommt mir eine Songidee und ich fang an im Kopf zu schreiben. Oder ich bin zu Hause und krieg Beats geschickt und mir fällt was dazu ein. Die Hälfte von dem Album hatte ich im Kopf und hab dann im nachhinein erst die Lyrics aufgeschrieben. Es geht immer nach Gefühl, wie die Mucke entsteht. Wir haben immer bestimmte Vorstellungen, wie der Track am ende sein soll. Deswegen versuchen wir immer viel selbst zu machen. Und auch mit guten Leuten zusammenzuarbeiten, die ihr Fach verstehen.

Was sind für dich persönlich die wichtigsten Orte auf St. Pauli?

Nate57: Es gibt sehr viele. Wo man wohnt ist natürlich ein wichtiger Ort. Und da wo die Leute abhängen, wo man alle trifft. Am Marktplatz bei uns hier im Karoviertel, im Florapark im Schanzenviertel, der Hein-Köllisch-Platz auf dem Kiez. Auch der Park Fiction, obwohl er sehr yuppisiert ist mittlerweile. Aber da kann man trotzdem noch mal einen trinken und rauchen gehen.

Bist du Fan des FC St. Pauli? Wo stehst du im Stadion?

Nate57: Ich bin zwar nicht so ein großer Fußball-Fan, aber wenn ich Fan bin, dann vom FC St. Pauli und von der deutschen Nationalmannschaft natürlich. Wir werden auch EM-Sieger, glaub ich. Im Stadion war ich erst ein Mal. Vielleicht muss ich mir mal ne Dauerkarte holen, oder eine gesponsort bekommen. Ich würde öfters hingehen, aber es muss auch die Zeit da sein. Wir waren viel im Studio.

„Der Kapitalismus gibt den Ton an“

Du kommst aus dem Karoviertel – wie hast du bislang die Flüchtlingskrise und die Hilfe für Flüchtlinge im Viertel erlebt?

Nate57: Ich kenne viele die in den Messehallen und im Viertel geholfen haben. Die Solidarität ist auf St. Pauli größer als woanders denke ich. Aber selbst hier haben sie Faxen gemacht, mit Gesetzen und wollten die Flüchtlinge raushaben aus der St.-Pauli-Kirche. Aus den Messehallen wurden sie rausgeworfen für eine Bootsmesse. Ich bin auch selbst vielen Flüchtlingen begegnet. Jüngeren Leuten, die nach kurzer Zeit schon krass gut Deutsch können und auch schon angefangen haben zu rappen.

Welche Veränderungen hast du in den letzten Jahren beobachtet auf St. Pauli? Wohin bewegt sich der Stadtteil heute?

Nate57: Man sieht es an den Plätzen, wo ein Haus aufgekauft wird und dann plötzlich ein teureres Haus steht. Hier gegenüber vom Studio bauen sie ein neues Haus. Angeblich haben sie das alte wegen Einsturzgefahr abgerissen. Ganz St. Pauli wird grad gentrifiziert. In der Schanze fing es an und es schwappt immer mehr rüber, auch Richtung Karoviertel. Es ist krass, wie sich das verändert hat hier. Der Kapitalismus gibt den Ton an und deswegen sollte man was gegen ihn tun. Man kann was dagegen tun: Wir sind das Volk. Wenn alle auf die Straße gehen, müssen sie was tun.

Hier findet ihr das neue Album „Gauna“ von Nate57

 

Kommentare


  1. Ich kenne diesen jungen Herrn Nate57 nicht und habe auch noch nie von ihm gehört, was nichts heisst, aber wenn ich Sätze lese wie „Ich zieh mir auf jeden Fall rein, was geopolitisch abgeht. Nicht nur über die Mainstreammedien, aber ich guck mich um“ weiß ich gar nicht ob ich das überhaupt ernst nehmen soll was er da von sich gibt, oder ob es sich wieder um einen dieser typischen Kapeiken handelt die gemeinhin mit Rap-Musik Geld verdienen oder halt auch nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



Aktion soll zeigen: Pudel und Park Fiction gehören eng zusammen. Künstler unterstützen Forderungen nach Erhalt dieser Einheit am Hafen. ... weiterlesen

Autor Robert Brack schreibt nicht nur am Pinnasberg, sein neuer Krimi handelt auch von der unmittelbaren Umgebung – allerdings im Jahr 1920.  ... weiterlesen

Update: Beim ersten Einsatz der neu gegründeten Einheit zur Bekämpfung der Dealerszene wurden vier Männer vorläufig festgenommen. ... weiterlesen

Wordpress | Impressum | Datenschutz