Schlaglicht / Donnerstag, 31.03.2016

Kampf um Schanzenhof: „Widerstand geht weiter!“

Ein Transparent mit der Aufschrift "Schommartz und Behrmann ab jetzt beginnt der Punk - Der Schanzenhof ist euer Untergang" hängt am Schanzenhof
 
 

130 Protestler versuchten, die Schlüsselübergabe an den neuen Mieter des Schanzenhofs zu verhindern. Die Polizei räumte das umstrittene Gebäude.

Kampf um ein Symbol gegen die Gentrifizierung: Die linksautonome Szene wehrt sich gegen den Auszug der Mieter aus dem Schanzenhof zwischen Schanzenstraße und Bartelsstraße. Am Donnerstagvormittag verbarrikadierten sich etwa 20 Personen im Schanzenhof, um die Schlüsselübergabe der Kultur-Etage und des Schanzensterns an die HWS Immobilien und den neuen Mieter, Hotelier Stephan Behrmann, zu verhindern. Das gelang ihnen auch für mehrere Stunden, die Polizei musste Verstärkung anfordern.

Etwa 130 Unterstützer und Nachbarn blockierten die beiden Eingänge zum Schanzenhof und besetzten die Bartelsstrasse, so dass Maximilian Schommartz, sein Verwalter, sein Anwalt und das mitgebrachte Polizeiaufgebot das Gelände lange Zeit nicht betreten konnten. Nachdem die alten Mieter des Schanzenhofs, darunter viele Musiker und Kulturschaffende, die Räume fristgerecht zum 31. März verlassen hatten, sollte am Donnerstag die Schlüsselübergabe erfolgen. Doch das wollte die linksautonome Szene nicht kampflos hinnehmen.

Polizei räumt den Schanzenhof

Erst gegen 13.30 Uhr gelang es der Polizei, sich Zugang zum Gebäude zu verschaffen. Die Unterstützer leisteten keinen Widerstand und erhielten alle einen Platzverweis. Die Polizei setzte etwa 50 Beamte ein.

Diese Woche hatte ein Insider der linksautonomen Szene bereits angekündigt, dass sich der neue Mieter, „warm anziehen“müsse. Der vor 25 Jahren gegründete Schanzenhof sei ein Symbol gegen Gentrifizierung und Verdrängung in dem Stadtteil. „Wegen des Schanzenhofs wird es hier noch ordentlich rumsen“, warnte der Insider. Die bisherigen Mieter des Schanzenhofs hätten eine Mieterhöhung von 60 Prozent zahlen sollen, sie weigerten sich jedoch.

Die Polizei stürmt den Schanzenhof

Die Polizei stürmt den Schanzenhof

 

Am Nachmittag kam es schließlich doch noch zur Schlüsselübergabe von Gunhild Abigt an die Nachmieter nachdem die Polizei das Gebäude besetzt hatte. Nach Angaben des Schanzenhof e. V. vom Freitag wurden von allen im Raum befindlichen Mitarbeitern und Unterstützern des Schanzensterns die Personalien eingefordert und Platzverweise erteilt. Daraufhin habe eine Begehung des Hotels und der Gaststätte stattgefunden, in der sich „die Habgier der derzeitigen Eigentümer“ gezeigt hätte. Angebliche Mängel sollten durch eine Zahlung von 15.000 Euro abgegolten werden. Darauf gingen die vorherigen Mieter jedoch nicht ein.

Auch die Künstler der Kultur-Etage sollten für Mängel 400 Euro zahlen. Um eine teure gerichtliche Auseinandersetzung zu vermeiden, stimmten sie der Zahlung zu. Stephan Behrmann vom Fritz im Pyjama Hotel habe demnach anschließend seine neuen Räume in Besitz genommen und sie von Security-Personal bewachen lassen. Durch die Besetzung des Hofs durch die Polizei hätten Klienten der Palette nicht zu der Drogenberatungsstelle gelangen können.

Gunhild Abigt (M.) vom Alternativ­Hotel Schanzenstern übergibt zahlreiche Schlüssel

Gunhild Abigt (M.) vom Alternativ­Hotel Schanzenstern übergibt zahlreiche Schlüssel

Update: Spontandemo und Randale in der Nacht

In der Nacht auf Freitag gab es zunächst eine Spontandemo, die sofort von der Polizei gestoppt wurde. Dann lieferten sich mehrere Gruppen von insgesamt etwa 100 Demonstranten bis in den frühen Morgen rund um den Schanzenhof Krawalle mit der Polizei. Dabei wurden nach Abendblatt-Informationen 18 Personen in Gewahrsam genommen, darunter auch ein 15-Jähriger. Vier Personen wurden festgenommen.

Als einige der Protestler mit einem HVV-Bus in ein Polizeikommissariat gebracht werden sollten, wurde die Abfahrt mit einer Sitzblockade verzögert. Während die Polizei die Straße räumte, flogen einige Glasflaschen auf die Beamten. Im Laufe der Nacht brannten auch Mülltonnen, die von der Feuerwehr gelöscht werden mussten. Die Polizei wollte die Vorfälle nicht bestätigen. Auch über die Teilnehmerzahl der Spontandemonstrationen und wie viele Beamte im Einsatz waren, machte die Polizei keine Angaben.

„Der Widerstand ist nicht beendet!“

Daraufhin machten sich die Demonstranten im Katz-und-Maus-Spiel in Kleingruppen auf, um die Polizisten zu beschäftigen. Es kam zu vereinzelten Würfen von Mülltonnen auf die Straßen, doch die Polizisten stellten die Tonnen vergleichsweise schnell wieder auf. Ein Barrikadenbau schien unmöglich. Die Polizei wollte am späten Donnerstagabend über die Ausmaße des Einsatzes nichts sagen. Abendblatt-Reporter sprachen von stadtteiltypischen Protestaktionen bei einer angespannten Situation wie bei der um den Schanzenhof.

Der Schanzenhof e.V. gab sich am Tag nach der Schlüsselübergabe weiter kämpferisch: „Mit dem gestrigen Tag ist der Widerstand nicht beendet!“, heißt es in einer Mitteilung. „Die Brüder Schommartz haben nur Geld, wir haben alles Andere! Schommartz und Behrmann: Hände weg vom Schanzenhof und vom Schanzenviertel!“

Text: ant/coe/arn/mkah; Fotos: dpa/picture alliance

 

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