Schlaglicht / Montag, 02.03.2015

Liebe Wildpinkler, seid gewarnt…

 
 

Denn: St. Pauli pinkelt jetzt zurück! Dank eines Speziallacks könnten sich Wildpinkler in Zukunft selbst ziemlich nass machen.

Für uns Anwohner auf St. Pauli ist es ein ständiges Ärgernis, vor allem ein übel riechendes. Dabei braucht man noch nicht einmal nach dem so heiß geliebten Schlagermove über den Hans-Albers-Platz zu laufen, der selbst drei Tage nach dem Rummel noch wie vergessenes Dixi-Klo bei Rock im Park riecht. Selbst an einem „normalen“ Sonntagmorgen reicht ein Bummeln durch manche Seitenstraße des Kiezes um einem die Farbe aus dem Gesicht zu vertreiben. „Es pisst mich tierisch an, dass überall Leute hinpissen“, sagt Kiez-Urgestein Götz Barner. „Das nervt!“

 

Verbote oder Bußgelder bringen gegen Wildpinkler leider kaum etwas – wer sollte es auch kontrollieren? Deshalb löst der Stadtteil das Problem jetzt auf seine ganz eigene und etwas unkonventionelle Art und Weise: St. Pauli pinkelt zurück. So jedenfalls der Titel einer ungewöhnlichen Aktion der IG St. Pauli und des BID Reeperbahn+, die in dieser Woche anläuft. Dabei sollen im ganzen Viertel oft heimgesuchte Wände mit einem superhydrophobem Lack beschichtet werden. Ein Lack, der so wasserabweisend ist, dass Flüssigkeiten von der Oberfläche regelrecht abprallen: Wer hier dagegen pisst, macht sich am Ende nur selbst nass. Das sorgt beim Pinkeln für nasse Hosen und Schuhe – äußerst unangenehm in so einer Partynacht.

Die Idee zu der Aktion stammt von einer großen Hamburger Werbeagentur, die sich jedoch lieber im Hintergrund halten will. Bereits vor Monaten gingen die Kreativen mit ihrem Vorschlag auf die IG St. Pauli zu, der dort mit Begeisterung aufgenommen wurde. „Es ist eine Möglichkeit der Kommunikation, die nicht oberlehrerhaft rüberkommt und einen gewissen Witz hat“, sagt BID-Quartiersmanagerin Julia Staron, die das Projekt in den vergangenen Wochen mitbetreut hat. „St. Pauli spricht direkt zu seinen Gästen  – ohne zu pöbeln oder zu meckern. Ich finde das ist eine ganz charmante Art, um auf das Problem aufmerksam zu machen.“

Bei dem Speziallack handelt es sich um das Produkt „Ultra-Ever Dry“, das 2012 von der  amerikanischen Firma Resource Energy Group entwickelt wurde. Dabei handelt es sich um eine superhydrophobe und oleophobe Nano-Beschichtung, die sämtliche Flüssigkeiten abweist und damit alle Arten von Gegenständen vor Verschmutzung schützt und trocken hält. In zahlreichen Internetvideos demonstrieren die Macher eindrucksvoll, wie selbst weiße Hemden vor Öl und Schmutz verschont bleiben. Wenn man sich ansieht, wie elektrische Geräte oder Taschentücher im Aquarium dank der Spezialbeschichtung überleben, möchte man das Zeug direkt mal auf alles Mögliche auftragen.

Wildpinkler II

„Das Produkt ist natürlich nicht gerade günstig“, gibt Quartiersmanager Lars Schütze zu. Für eine Fläche von sechs Quadratmetern werden rund 500 Euro fällig. Der Speziallack hält laut Auskunft der Entwickler etwas länger als ein Jahr. Die Quartiersmanager planen jetzt sogar einen „Sonderrabatt“ für Betriebe und Hauseigentümer auf St. Pauli auszuhandeln, die an dem Speziallack interessiert sind. Denkbar ist jedoch auch, dass Hauseigentümer den Lack zukünftig einsetzen könnten, um Graffitisprayern ihre Arbeit unmöglich zu machen. Denn der Lack ist vielseitig einsetzbar.

Wie viele Wände im Viertel bislang beschichtet wurden, will man nicht verraten. Aber: Es könnten noch mehr werden. Neben den Eingängen der Reeperbahngaragen am Spielbudenplatz und einer Wand an der Simon-von-Utrecht-Straße, die bereits lackiert wurden, will man sich in den kommenden Tagen noch weitere Wände, die besonders belastet sind, vornehmen. Die betroffenen Stellen sollen dann mit Hinweisschildern gekennzeichnet werden. Die Botschaft: „Hier nicht pinkeln! Wir pinkeln zurück. Dein St. Pauli“ Wer nicht lesen kann, der muss dann wohl fühlen (und riechen). „Wildpinkler seid gewarnt“, sagt Julia Staron. „Nicht alle Wände tragen ein Hinweisschild…“

(Aktualisiert am 4.3.15)

 

Kommentare


  1. St.Pauli hat noch mehr kreative Ideen die Wildpinklern den Spass verderben.

    Unbestätigte Meldungen sagen es bildet sich gerade eine „Paint-Ball“ Gruppe die mit Farbmarkierungen gegen „Wildpinkler“ „Rabattenrammler“ und Krawalbiker aktiv werden will

    • Es wäre schon sehr hilfreich, wenn der Schlagermove/mief wo anders stattfinden würde! Leider wird das nicht geschehen, da die IG, die Interessengesellschaft St.Pauli, Hafenmeile, Spielbudenplatz, also eine Gruppe von Geschäftsleuten das verhindern wird! Schließlich ist der Bezirksamtsleiter Andy Grote auch Mitglied in der IG, genau so wie der St. Pauli Bürgerverein! Ach ich könnte schon wieder ko….

  2. Totaler Blödsinn.

    Öffentliche Toiletten/Pissoirs sind das Einzige, was hilft. Aber die sind ja komplett aus der Mode gekommen.

  3. Ich hoffe das ist keine 1.April Nachricht. Richtig unangenehm wird es ja, wenn die Typen mit nassen Hosen und Schuhen in warme Räume kommen, Dann stinken die und das stört schon mächtig bei der Kontaktaufnahme, sei sie professionell oder nicht professionel.

  4. Sehr coole Idee! Sicher auch ein guter schutz gegen sonstige Verschmutzung und Graffiti o.ä. Man sollte mehr damit beschichten.

  5. Pingback: » Lack-Offensive gegen Wildpinkler auf St. Pauli

  6. Ich finde die idee generell gut. Das Problem auf St. Pauli ist aber eher auch der Mangel an frei zugänglichen Toiletten. Als ich mal mit ner Freundin vor der großen Freiheit 36 Auf den Einlass zum Konzert gewartet habe, meldete sich bei mir auch die Natur. Ich bin dann zur nächsten Dönerbude, der allerdings auch mal eben nen Euro verlangt hat. Da denken sich eben viele Leute „da pinkel ich lieber irgendwo hinten inner Ecke“

  7. Ich glaube das konzept ist absolut nutzlos.Das einzigste was ein wenig hilft sind eine vielzahl von öffenlichen toiletten . Aber auch das wäre nur ein tropfen auf dem heißen stein.Was tatsächlich helfen würde wäre zumindest die verlegung von zahlreichen großveranstaltungen ,abseits der reeperbahn. Hamburg hat wahrlich genug freiflächen für so etwas. Das st. pauli schmuddelig ist ,war ja immer schon so. Mich graut es auch schon wieder vor der schlagermove. Ein absolutes unding für alle anwohner plus wochenlanger übler gestand von ausscheidungen aller art.Hier müßte tatsächlich die gesundheitsbehörde mal ein machtwort sprechen.

  8. Pingback: Nach dem Speziallack jetzt die "Pinkel-Karte"? - St.Pauli-News

  9. Hi,
    Gratulation! Geniale Aktion!
    Habt Ihr nicht auch so ne tolle Idee, wie wir auch unpolitische (wie die meisten es offensichtlich sind) Menschen auf die Konsequenzen von TTIP und TISA aufmerksam machen und „zurück pinkeln“ können?
    Viele Grüße, Ellen

    P.S. Veröffentlicht mal ein Spendenkonto speziell für die Beschaffung dieses superhydrophoben Lacks! Nicht viel, aber ein paar Euro würde ich springen lassen.

  10. Pingback: Terug aan afzender | Golfbrekers

  11. Eine große Hamburger Wetbeagentur, die unbekannt beleben will, soso… Diese Idee ist nicht neu, wird nix bringen, sonst wäre das schon 2012 der Hit gewesen, ist das jetzt alles von der BID Reeperbahn, die doch eng mit dem Bezirksamtsleiter verbandelt ist? …

    • @Pauliana. Sage ich doch Filz!!! Der St.Pauli Blog ist ja ne gute Einrichtung, nur Namen von einflussreichen Politikern sollte man nicht posten, da könnte es mit der Freischaltung haken…….

  12. Pingback: En Hamburgo los que orinan en la calle se van a llevar una sorpresa | Noticias de Tenologia

  13. Pingback: Wirte unterstützen neue Pinkelkarte - St.Pauli-News

  14. Pingback: Was hilft gegen Wildpinkler? - St.Pauli-News

  15. Pingback: Was hilft noch gegen Wildpinkler? - St.Pauli-News

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *



Aktion soll zeigen: Pudel und Park Fiction gehören eng zusammen. Künstler unterstützen Forderungen nach Erhalt dieser Einheit am Hafen. ... weiterlesen

Autor Robert Brack schreibt nicht nur am Pinnasberg, sein neuer Krimi handelt auch von der unmittelbaren Umgebung – allerdings im Jahr 1920.  ... weiterlesen

Update: Beim ersten Einsatz der neu gegründeten Einheit zur Bekämpfung der Dealerszene wurden vier Männer vorläufig festgenommen. ... weiterlesen

Wordpress | Impressum | Datenschutz