Schlaglicht / Donnerstag, 11.02.2016

Große Freiheit: Türsteher bleiben an ihrem Platz

 
 

Mobile Türsteher-Patrouillen soll es vorerst nicht geben. Die Polizei will unterdessen die stationäre Videoüberwachung „temporär“ reaktivieren.

Gut fünf Wochen nach Bekanntwerden zahlreicher sexueller Übergriffe auf junge Frauen in der Silvesternacht, hat sich die Stimmung vielerorts auf St. Pauli wieder beruhigt. Das Leben auf dem Kiez geht seinen gewohnten Gang und auch an den Wochenenden strömen die Besucher wie eh und je in die Clubs und Bars rund um die Reeperbahn – auch wenn die ersten Monate generell eine vergleichsweise besucherarme Zeit sind.

Auch auf der Großen Freiheit ist inzwischen wieder Ruhe eingekehrt. Bei einer erneuten Sitzung aller Gewerbetreibenden am Mittwochnachmittag herrschte nach Angaben von Teilnehmern eine „sehr konstruktive Stimmung“. „Wir haben uns dabei auf ein gutes Ergebnis verständigt“, sagte BID-Quartiersmanagerin Julia Staron im Anschluss. Konkret heißt das: Die groß angekündigten Türsteher-Patrouillen wird es vorerst nicht geben.

Schilder Große Freiheit

Mit diesen Schildern werben Bars und Clubs auf der Großen Freiheit um das Vertrauen der Kiez-Besucher

Zwar sollen alle Türsteher auf der Großen Freiheit ab dem kommenden Wochenende mit blauen Armbinden ausgestattet werden, damit sie leichter zu erkennen sind, auf Streife werde jedoch niemand gehen. „Kein Türsteher wird irgendjemanden zur S-Bahn begleiten“, sagte Staron. Vielmehr seien Einzelne mit Vorschlägen an die Öffentlichkeit gegangen, die so nicht abgesprochen gewesen seien. „Patrouillen sind in dieser Form nicht vorgesehen. Das bleibt weiterhin Aufgabe der Polizei.“

Diese hatte sich im Vorfeld „beunruhigt“ gezeigt, nachdem sich Mitte Januar eine Gruppe von 17 Türstehern in martialischer Haltung und mit geballten Fäusten auf der Großen Freiheit hatte fotografieren lassen. Auch bei Gewerbetreibenden befürchtete man, das Foto könne die geplante Aktion in Verruf bringen. Nun hat man von der Idee vorerst Abstand genommen.

Es gäbe jedoch derzeit Überlegungen, zu Großereignissen zusätzliche Security-Kräfte einzustellen, die besonders die Straße im Auge behalten sollen, sagte Staron. Bei der Organisation und Finanzierung sei man sich aber noch nicht ganz einig. „Das steht noch zur Diskussion.“ Einig ist man sich hingegen, gemeinsam mit der Polizei die Sicherheit der Kiez-Besucher zu gewährleisten. „Auf der Großen Freiheit gilt zukünftig das Gebot der ‚Freundlichen Tür‘“, so die Quartiersmanagerin. „Jeder Besucher, egal aus welchem Club er kommt, kann in einem der Läden Schutz suchen und Hilfe rufen – selbstverständlich ohne Eintritt zu zahlen.“ Der Kiez wolle ein deutliches Signal senden: „Wir passen auf euch auf!“

Polizei Große Freiheit

Die Polizei hat ihre Präsenz seit den Vorfällen in der Silvesternacht enorm verstärkt

Ein Gefühl, dass auch die Polizei den Kiez-Besuchern vermitteln will. Wie berichtet, hat die Polizei seit den Vorfällen der Silvesternacht auf St. Pauli ihre Präsenz insbesondere an den Wochenenden deutlich verstärkt. Derzeit sind an den beiden Wochenendabenden jeweils rund doppelt so viele Zusatzkräfte wie sonst im Einsatz. Die hohe Präsenz wolle man „so lange wie möglich“ aufrechterhalten, sagte Cornelia Schröder, Leiterin der Davidwache, bei einer Veranstaltung in der vergangenen Woche.

Darüber hinaus sollen nun auch die stationären Videokameras im Bereich der Reeperbahn zumindest zeitweise  wieder eingeschaltet werden. Das bestätigte eine Polizeisprecherin am Donnerstag auf Anfrage. Demnach bestünde zukünftig die Möglichkeit, bei „entsprechender Einsatzlage“ eine der zwölf 360-Grad-Kameras mit Zoom-Funktion „temporär und situationsbezogen“ zu nutzen. Die Bilder der jeweiligen Kamera können dann an einem Bildschirm in der Davidwache ausgewertet werden.

Die insgesamt zwölf Kameras waren im Juni 2006 rund um die Reeperbahn installiert worden. Nachdem jedoch eine Anwohnerin erfolgreich gegen die Videoüberwachung auf der Reeperbahn geklagt und das Oberverwaltungsgericht im Juni 2010 die Möglichkeiten erheblich eingeschränkt hatte, wurde die Videoüberwachung im Juli 2011 wieder eingestellt.

(Foto: Michael Arning)

 

Kommentare


  1. kluge und sicherlich auch rechtsstaatliche lösung, den aufgepimpten typen keine „macht“ zu geben. der schutz von menschen und öffentlichen räumen ist gott-sei-dank staatsaufgabe.

  2. Richtig so. Keine Macht dem Mob. Die Polizist ist das Organ was Recht und Gesetz durch zu setzen hat und nicht irgendwelche Möchtegern Prolls.

  3. Pingback: Antrittsbesuch von Andy Grote in der Davidwache - St.Pauli-News

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