Schlaglicht / Samstag, 02.04.2016

Feldbunker: Bezirk prüft, Kontroverse geht weiter

 
 

Die Planer von Aufstockung und Begrünung des Feldbunkers rechnen mit Genehmigung im Sommer. Kritiker des Projekts laden zur Podiumsdiskussion ein.

Der Bunker an der Feldstraße soll mehr Stockwerke und ein grünes Dach bekommen. Wie das  aussehen soll, ist inzwischen genau ausgestaltet. Darüber informierten Vertreter des Planungsbüros Bunker und der Verein Hilldegarden am Freitag im Übel & Gefährlich. Der Bauantrag, im Sommer 2015 eingereicht, wird immer noch im Bezirk geprüft.

Bezirk verlangte detaillierte Nutzungsbeschreibungen

Wie berichtet, will Erbpächter Thomas Matzen den ehemaligen Flakbunker nach oben erweitern und auf dem Bunkerdach einen „Stadtgarten“ einrichten. In den fünfstöckigen Aufbauten sollen unter anderem ein großer Sport- und Freizeitsaal, drei Künstler-Gästehäuser, Gastronomie sowie „Stadtteilflächen“ für Initiativen oder Vereine entstehen. Für die Gartenanlagen hatte Hilldegarden ein detailliertes Begrünungskonzept erarbeitet. Insgesamt sind 7700 qm öffentliche und 7500 qm gewerbliche Flächen auf dem Dach geplant.

Tobias Boeing, Michael Kuhn und Landschaftsarchitekt Felix Holzapfel-Herziger informierten im Übel & Gefährlich

Tobias Boeing, Michael Kuhn und Landschaftsarchitekt Felix Holzapfel-Herziger informierten im Übel & Gefährlich

In Abstimmung mit den Fachämtern des Bezirks habe man zahlreiche Innen- und Außen-Nutzungen detailliert beschrieben, sagte der Architekt Michael Kuhn vom Planungsbüro. Auf der 600 Meter langen Rampe, die zum Bunkerdach führen soll, sind neben befestigten Wegen auch begehbare Grünflächen und reine Pflanzbereiche eingeplant.

Visualisierung der bepflanzten Terrasen auf dem Bunkerdach (Grafik: Planungsbüro Bunker)

Visualisierung der bepflanzten Terrassen auf dem Bunkerdach: Auf den Terrassenstufen sollen Bäume und Gehölze wachsen. Die vertikalen Flächen sollen mit Rankpflanzen begrünt werden (Grafik: Planungsbüro Bunker)

Rampe, Galerie („Kragen“) und oberste Dachfläche des Bunkers sollen öffentlich zugänglich sein, betonte Tobias Boeing vom Verein Hilldegarden. Um die rund 1400 qm Gartenflächen tatsächlich gärtnerisch zu bewältigen, will Hilldegarden Kooperationen mit interessierten Kindergärten, Schulen oder Gärtnerinitiativen schließen. Durch die Bepflanzung an der Nordseite zum Karoviertel hin soll ein Schallschutz entstehen. Neben vielbesuchten Aussichtsorten sind auch ruhigere Rückzugsräume vorgesehen.

Das Pflanzkonzept wird von einem Sachverständigen geprüft

So könnte der Blick aus Zimmern der Gästehäuser aussehen (Visualisierung: Planungsbüro Bunker)

So könnte der Blick aus Zimmern der Gästehäuser aussehen (Visualisierung: Planungsbüro Bunker)

Offenbar hat der Bezirk genaue Angaben über die Bepflanzung verlangt. „Wir haben insgesamt 225 Bäume und Großsträucher mit ihren botanischen Namen und ihren Standorten in die Planungsunterlagen eingetragen“, sagte der Landschaftsarchitekt Felix Holzapfel-Herziger. Es sei für ihn „ein Novum, dass auch das Pflanzkonzept durch einen externen Sachverständigen geprüft wird“. Auch die Terrassenvorsprünge vor den Aufbauten, die nicht öffentlich zugänglich sind, werden bepflanzt, sodass z.B. die geplanten Künstler-Gästezimmer über Bäume oder Büsche auf die Stadt blicken.

Das Konzept sieht vor, dass der Bunker nicht nur in den Sommermonaten, sondern das ganze Jahr über grün sein wird. „Der Anteil der wintergrünen Pflanzen wird bei rund 80 Prozent liegen“, so Landschaftsarchitekt Holzapfel-Herziger. „Das Bild, das in den Animationen versprochen worden ist, gilt es einzuhalten.“

„Wir wollen wirklich einen grünen Berg dort oben schaffen“, sagte Architekt Michael Kuhn. Er rechne mit einer Genehmigung „Mitte des Jahres“.

Projekt-Kritiker legen nach: Podiumsdiskussion am Montag

Für die Kritiker des Bunkerprojekts ist die Diskussion allerdings noch lange nicht beendet. Am Montag, 4. April, lädt die Initiative „Bunker von unten“ zu einer Podiumsdiskussion im Tschaikowsky-Saal ein, um Kontroversen noch einmal öffentlich zu erörtern. „Das ist dringend nötig“, sagt Mitveranstalter Hans Berge. „Denn wir stellen immer wieder fest, dass viele Anwohner und auch viele Bezirkspolitiker völlig falsche Vorstellungen von dem Projekt haben. Sie denken, es ginge bei dem Matzen-Projekt lediglich darum, dass das Flachdach des Bunkers begrünt wird.“ Eine einmalige öffentliche Anhörung wie die des Bezirks am 4. November werde der Bedeutung des Bunkers nicht gerecht.

In vier Themenblöcken soll es am Montag um Denkmalschutz, baurechtliche Fragen, Einflussmöglichkeiten der Anwohner und um Alternativen zu dem Projekt gehen. Auf dem Podium diskutieren Elinor Schües (Vorsitzende des Denkmalrats der Stadt Hamburg), Dr. Robin Houcken (Planungsbüro Bunker), Harald Lemke (Anwohner, Mitbegründer der „Keimzelle“ im Karolinenviertel) und Mario Bloehm (Anwohner, Stadtplaner und Initiator der Website „fragmal.net“).

Bezugsgröße für Bauten auf dem Heiligengeistfeld: Telekom-Gebäude oder Karo-Wohnhäuser?

Visualisierung des Höhenunterschieds zwischen Bunker heute, mit Aufbauten (grau) und im Vergleich dazu die Wohnbebauung an der Feldstraße (Grafik: Bunker von unten)

Visualisierung des Höhenunterschieds zwischen Bunker heute, mit Aufbauten (grau) und im Vergleich dazu die Wohnbebauung an der Feldstraße (Grafik: Bunker von unten)

Eine Kernfrage wird sein, ob die geplante Aufstockung des Bunkers auf 58 Meter unmittelbar neben dem Wohngebiet überhaupt zulässig ist. Da es für das Heiligengeistfeld keinen Bebauungsplan gibt, gilt für Baugenehmigungen hier § 34 des Baugesetzbuchs. Demnach ist ein Bauvorhaben zulässig, „wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt“ und das Ortsbild „nicht beeinträchtigt“ ist. Als Bezugsgrößen für die Beurteilung des Vorhabens sollen die schon bestehenden Gebäude auf dem Heiligengeistfeld herangezogen werden, teilte der Bezirk auf Anfrage des St. Pauli Blogs mit. Damit gemeint sind „großmaßstäbliche Gebäude wie die Rindermarkthalle, das St. Pauli-Stadion, das Telekomgebäude und auch der Bunker.“

Streit um Bezugs-Höhen: Blick vom Bunker-Kragen auf das Telekom-Gebäude an der Budapester Straße

Streit um Bezugs-Höhen: Millerntorstadion? Oder Telekom-Gebäude (dahinter an der Budapester Straße) …

Dagegen meldet „Bunker von unten“ Widerspruch an. Zu den Bezugsgrößen müssten statt des entfernten Telekom-Gebäudes vielmehr die unmittelbar benachbarten Häuser im Karoviertel gehören: „Mit einer Höhe von etwa 58 Metern würde die angestrebte Bunker-Aufstockung die nächstliegende Bebauung – Wohngebäude Feldstraße mit etwa 16 Metern Traufhöhe – um mehr als das Dreifache überragen.“ Auch die vorgesehenen Gästehäuser seien keine „Eigenart der näheren Umgebung“ lt. Baugesetz, da auf dem Heiligengeistfeld keine Hotels betrieben würden, heißt es in einer fachlichen Stellungnahme.

Bunker

… oder die benachbarten Wohnhäuser an der Feldstraße? Blick vom Bunker-Kragen

„Bunker von unten“ wie auch der Quartiersbeirat Karolinenviertel lehnen eine Aufstockung des Bunkers ab. Mit der geplanten Umgestaltung würde der bereits denkmalgeschützte Bunker mit seinem „Charakter eines authentischen Mahnmals, das an die Schreckensherrschaft der NS-Diktatur, an Nazi-Terror und Bombennächte erinnert, bis zur Unkenntlichkeit verändert“.

Eine ähnliche Auffassung vertritt auch der Denkmalrat. In einem Brief an Kultursenatorin Barbara Kisseler vom Juli 2015, der dem St. Pauli Blog vorliegt, drückte die Vorsitzende Elinor Schües ihre Besorgnis aus: Der Bunker sei „in seiner rohen Monumentalität stadtbildprägend und spiegelt gleichzeitig die Geschichte des Nationalsozialismus mit seinen verheerenden Folgen wider.“ Er solle „als mahnendes und unverfälschtes Bauwerk erhalten“ bleiben. „Das Projekt einer Aufstockung und Begrünung würde den Mahnmalcharakter des Denkmals nicht nur beeinträchtigen, sondern vollkommen unkenntlich machen.“

„Unsere Feldbunker-Initiative und der Quartiersbeirat Karolinenviertel fordern ein förmliches Bebauungsplanverfahren ein und eine tatsächliche Beteiligung der Anwohner“, sagt Hans Berge. Es gibt also viel Diskussionsstoff.

Öffentliche Podiumsdiskussion der Initiative Bunker von unten: Montag, 4. April, Beginn 19.30 Uhr, Tschaikowsky-Saal, Tschaikowsky-Platz 2.

 

Kommentare


  1. Jetzt hat man sich aber echt auf St.Pauli eingeschossen. Welcher kommerzieller Unfug wird uns noch zugemutet? Seifenkistenrennen auf der Helgoländer Allee? Blasmusik am Sonntag Morgen auf Dachgärten? Ein Sessellift von den Tanzenden Türmen zum Bunker?

  2. es ist „schön“, dass für solchen Mist irgendwie offenbar immer Geld, Energie und Genehmigungen da sind, aber bei den alltäglichen Notwendigkeiten, Wohnraum, Bildung usw. hapert es an allen Ecken und Enden. Schön, wenn einige sich hier selbst verwirklichen können und ihr persönliches Architekten-Denkmal bekommen, wie auch an diversen anderen Stellen schon (tanzende türme, elbphilharmonie), aber in einer Großstadt gibt es auch ein paar weniger ruhmbringende Baustellen, wär nett wenn da die Aufmerksamkeit und das Engagement auch mal so massiv wäre. Man hat das Gefühl, dass Hamburg und speziell St. Pauli und Umliegendes immer mehr zum Zoo wird, wo alle mal kommen und kucken dürfen und immer weniger eine Stadt in der man erst einmal (über)leben, wohnen, arbeiten, aufwachsen usw. kann

  3. Pingback: St. Pauli Blog 02.04.2016 – Feldbunker: Bezirk prüft, Kontroverse geht weiter – Feldbunker Initiative

  4. Mal eine ganz dumme Frage: wenn da so viele Gewerbeflächen auf dem Bunkerdach sind, wo sollen die Besucher denn parken? Denn ein Parkhaus wird da oben ja wohl kaum eingeplant sein, oder?

  5. Pingback: 250 Interessierte kamen zur Bunker-Diskussion

  6. Mal eine ganz schlaue Antwort:

    In einer Metropole gibt es einen Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV). Die U-Bahn Station ist direkt neben dem Bunker.

    • Wie schön, dass Sie auf den ÖPNV Verkehr und die nahe liegende U-Bahnstation hinweisen. Woher wollen Sie wissen, dass nun die Besucher überwiegend per Bahn anreisen? Sollen die „gezwungen“ werden? Sie sind ja doch nicht schlau genug, also, erst Gehirn einschalten. Schönen Sonntag.

    • Mal eine ganz normale Antwort:

      Es gibt auch noch Menschen die in „Metropolen“ wie Hamburg aufgewachsen sind und nicht auf Ihr Auto verzichten wollen, ob es beim Weg zur Arbeit ist oder sonstiges…
      Immer mehr solcher Projekte schrenken auch Mittelständische Unternehmen ein, die z.B. in diesem Fall auf Parkplätze für Ihre Kunden und Mitarbeiter am Bunker angewiesen sind.
      Was passiert dann schon allein in der Bauphase in Sachen Parkmöglichkeit?

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