Schlaglicht / Sonntag, 14.06.2015

Eine Hafenparty, die unter die Haut geht

 
 

Rund 350 Menschen feiern mit den „Clubkindern“ auf der Elbe eine Hafenparty der besonderen Art  Tattoos, Burlesque und Rock’n’Roll inklusive.

Ein wenig nervös wirkt er tatsächlich vor seinem ersten Mal. Leise vor sich hin pfeifend, sitzt Jannes Vahl unter Deck und wartet auf den ersten schmerzhaften Stich (Foto). Seine Nachbarin auf dem Nebenplatz beißt die Zähne zusammen und klammert sich mit beiden Armen an ihrer Stuhllehne fest, während sich die Nadel Stück für Stück um ihren Knöchel dreht. Das Summen der Tattoonadeln mischt sich unterdessen mit dem kratzbürstigen Bluessound von Wellbad, die im unteren Deck die Stimmung zum Kochen bringen. Tätowierer Flip setzt an. „A little pain“, wie Sänger Daniel Welbat passend singt. Doch Jannes lacht erleichtert.

Nicht nur der Clubkinder-Mitbegründer wird diesen Abend, an dem er sein erstes Tattoo gestochen bekam, wohl noch lange in Erinnerung behalten. Ähnlich dürfte es auch den rund 350 Gästen gehen, die am Samstagabend auf Einladung des Fördervereins, der sich vor allem für soziale Projekte und Einrichtungen in Hamburg einsetzt, zur „Tintantic“-Fahrt in den Hamburger Hafen gekommen waren. Auf dem Südstaatendampfer „Mississippi Queen“ feierten Freunde und Anhänger der Rockabilly-Szene einen Abend lang eine rauschende Hafenparty der besonderen Art – Tattoos, Burlesque und Rock’n’Roll inklusive.

clubkinder hafen IV

Während die Tätowierer von Superstar Destroyer aus der Glashüttenstraße unter Deck fleißig die Nadeln summen ließen, verbrachten andere den Abend lieber auf Deck, um bei Whisky, Bier und Burger dem Sonnenuntergang entgegenzuschippern. Doch nicht nur auf Deck flogen bei dem teils heftigen Wind die Röcke, auch unter Deck ließ Burlesque-Performerin Lou on the Rock‘s aus dem Queen Calavera nach Einbruch der Nacht die Hüllen fallen und sorgte mit ihren bizarren Kostümen für sprichwörtlich leuchtende Augen – und das nicht nur bei den Herren der Schöpfung.

clubkinder fahrt II

Die kompletten Erlöse der rund dreistündigen Hafenparty gingen diesmal komplett an das Flüchtlingsprojekt „Zongo“, ein selbstorganisiertes Aufenthalts- und Versorgungszentrum für afrikanische Flüchtlinge, das bis zuletzt auf dem Gelände der St.-Trinitatis-Kirche beheimatet war. Bis zu 250 Geflüchtete aus Ghana, Sierra Leone und anderen afrikanischen Ländern finden dort Platz, bekommen kostenloses Essen und Kleidung. Nachdem das „Zongo“ das ursprüngliche Gebäude jedoch im April räumen musste, suchen die Pastoren der St.-Pauli-Kirche gemeinsam mit dem Diakonischen Werk derzeit nach einem neuen Standort für das Projekt.

Clubkinder fahrt III

Grund genug für die zahlreichen Gäste kräftig reinzuhauen. Die fetten Burger, die das The Bird aus der Trommelstraße spendierte, waren jedenfalls zwei Stunden nach Abfahrt zum großen Entsetzen einiger restlos ausverkauft. Die Meuterei blieb zum Glück aus: Neben Bluesröhre Wellbad, brachten auch John Monday mit ihrem New Age Rock’n’Roll die müden Tanzbeine auf dem schwankenden Kahn schnell in Schwung: „Lets get to Rock’n’Roll again.“

clubkinder fahrt V

Auch Mitorganisator Jannes Vahl und seine 50 ehrenamtlichen Helfer waren am Ende des Abends sichtlich erleichtert – und das nicht nur wegen des ersten Tattoos. „Wir haben bis zuletzt gezittert, ob bei dem Gewitter alles wie geplant stattfinden kann“, sagt Jannes Vahl. „Aber die Fahrt war in jedem Fall ein Riesenerfolg, für mich das Clubkinder-Event des Jahres.“ Oder wie eine junge Frau im blau-weiß gepunkteten Pettycoat es auf den Punkt bringt: „Einfach schweinegeil!“

Weitere Termine der Clubkinder findet ihr hier.

(Fotos: Daniel Schaefer)

 

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