Schlaglicht / Donnerstag, 03.03.2016

Cobra Bar schließt: die Schlange räumt ihr Nest

Die Cobra Bar lockt gleichermaßen Punks und Touristen an
 
 

Die Punk-Kneipe an der Friedrichstraße muss ihre Räume aufgeben. Das Gebäude soll aufgewertet und als Hotel genutzt werden.

Schon wieder hoffen viele St. Paulianer auf einen Aprilscherz: Die Betreiber der Cobra Bar haben bekanntgegeben, dass die Punkrock-Kneipe am 1. April schließen muss. Tatsächlich muss die Schlange nach 13 Jahren ihr Nest an der Friedrichstraße 29 verlassen, bestätigt Geschäftsführer Malte. So lange war die Cobra ein Rückzugsort für Menschen, die keine Lust auf Mainstream und Schickimicki hatten, sondern sich lieber in dunklen, verrauchten Ecken mit Slime und anderem Punk und Hardcore beschallen lassen wollten.

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Die Cobra Bar gehört zu einer aussterbenden Art, denn allzuviele Punkkneipen gibt es auf St. Pauli nicht mehr. Doch „der Vermieter hat neue Pläne“ für das Gebäude, heißt es von den Betreibern der Cobra Bar. Nach Informationen von St. Pauli News soll das dreigeschossige Haus aufgewertet werden und anschließend als Hotel genutzt werden. Das bestätigt Andy aus dem 20 Flight Rock. Die Bar ist von der Entwicklung betroffen, wird aber weiter betrieben – allerdings in der alten Cobra. „Wir ziehen nur eine Tür weiter, in die freiwerdenden Räumlichkeiten der
Cobra Bar. Wir bedanken uns insbesondere bei Malte“, heißt es in einem Statement. Bereits am 8. April soll dort Wiedereröffnung sein. In den aktuellen Räumen des 20 Flight Rock soll dann die Rezeption des neuen Hotels entstehen.  Die Mietwohnungen in dem Gebäude würden wohl wegfallen.

„Was wäre der Kiez ohne die Cobra Bar“

Unkraut und Punk vergehen allerdings nicht so schnell und auch die Cobra ist so leicht nicht unterzukriegen. „Wir hoffen aber, dass es an anderer Stelle weitergeht“, schreiben die Betreiber auf Facebook und suchen nach einem neuen Standort. „Wir werden weitermachen, es wird aber dauern“, sagt Malte. Er hat sich bereits nach einer neuen Grube für die Schlange umgesehen, doch viele Angebote auf dem Immobilienmarkt sind kaum akzeptabel.

In der Zwischenzeit will Malte sich aber so gut es geht um seine Mitarbeiter aus der Cobra Bar kümmern. Wenn ein neues Zuhause gefunden ist, sollen sie vor der Eröffnung bei der Einrichtung helfen.

Dass es weitergeht, hoffen auch viele Stammgäste. „Was wäre der Kiez ohne die Cobra Bar“, schreibt Martin auf Facebook. Ein weiterer will extra anreisen, um sie noch mal zu besuchen: „Dann muss ich wohl in den nächsten vier Wochen nach Hamburg.“ Und Andre schwelgt in Erinnerungen: „Ich kann gar nicht öffentlich schreiben, was mir da alles passiert ist…“ Für viele war die Kneipe ein wunderbarer Ort, um sich in ihrer Sturm- und Drangzeit dort zu verlieren. Wenn viele andere Läden am Sonntagvormittag schon längst geschlossen hatten, wurde in der Cobra Bar oft noch auf der kleinen Tanzfläche getanzt, auf der man sich schon wegen ihrer Größe nie verloren gefühlt hat.

„Ehrlichkeit für die Punk-Szene gefunden“

„Die Cobra war schon etwas sehr besonderes“, findet auch DJ Golden Thunder. „Dreckig, laut und absolut pluralistisch!“ Nur dort hätte man nach „Antifa Hooligans“ von Los Fastidios Katy Perry spielen können – und das Publikum feierte einfach weiter. „Es war halt die Mischung der Musik und des Publikums, Punker und Touristen, sowie gleichzeitig sein abgefuckter Punk-Charme, der den Laden ausgemacht hat.“ Alle ähnlichen Kneipen seien kleiner oder wie auf dem Hamburger Berg zu touristisch orientiert.

Auch für Geschäftsführer Malte ist das offen gestaltete Konzept mit den unterschiedlichen Djs etwas spezielles auf dem Kiez. „Wir haben versucht, eine breite Punk-Mischung aufzustellen und es ist uns gelungen eine Ehrlichkeit für eine Szene zu finden.“ Die Cobra war für ihn „schön dunkel und dem Kommerz nicht so erlegen.“ Ihr Charisma verlieh der Kneipe natürlich auch immer das Personal, das meist aus unverwechselbaren Originalen bestand. Echte Typen eben.

Doch noch ist die Schlangengrube nicht zu, bis Ende des Monats wird noch kräftig in der Cobra Bar weiter gefeiert. Am 31. gibt es eine Abschiedsparty, danach geht das schummrige Licht erstmal aus.

Cobra Bar, Friedrichstraße 29
Mittwochs bis Samstags ab 21 Uhr
Mehr Infos gibt es auf Facebook oder hier

 

Kommentare


  1. Es macht mich einfach sauer und fassungslos. Aufwerten? Das macht den Kiez ne Runde unatraktiver für Leute, die nicht auf BlingBling und Rummel stehen. Echt! Überall der gleiche Mist! Grüße aus Berlin.

  2. so’n Mist… aber naja.. das Marquee fast nebenan wurde schon vor Jahren plattgemacht, weil es selbst bei guten Monaten kaum kohletechnisch zu halten war und Geld gebraucht hätte um es baulich in Schuss zu bringen, dafür hat man lieber das hässliche weiße Eckhaus hingesetzt… obwohl im Marquee damals Kracher wie Goethes Erben, diverse Skandi-PunknRoll Klassiker und viele damals relevante Hardcore Bands gespielt haben…
    in Hamburg wirds immer enger für den Untergrund, der eben günstige Mieten und Freiraum braucht um sich austoben zu können… dabei entstehen neue und spannende Sachen, nicht am Reißbrett irgendwelcher Planer… aber das wird in Zukunft aus anderen Städten kommen, erst mal Leipzig und dann mal schauen… Hamburg hat dann ja noch die Elbphilharmonie, den Hafengeburtstag und 80 Kreuzfahrtsanleger und kann damit die Leute begeistern

  3. Ale läden die bis heute verlegt wurden haben für mich auch jedliches image verloren. In 30 jahren wird der geamten kiez nur noch aus hotels und tourismuskonforme läden bestehen.Das schmuddelimage ist eh nicht mehr zeitgemäß. Also ärmel hochkrempeln und los gehts. Die goldenen underground zeiten sind eben vorbei.

  4. Traurig das alles. In absehbarer Zeit hat er Kiez (und Hamburg) den Charm einer Streichholzschachtel. Bin happy,
    dass ich noch ältere Zeiten erleben durfte…

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