Schlaglicht / Mittwoch, 30.03.2016

Baumkataster informiert über Bäume auf St. Pauli

Eine Karte zeigt die Bäume auf St. Pauli (Kartographie und Gestaltung: Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung Hamburg)
 
 

Das neue Online-Baumkataster der Umweltbehörde verrät Alter, Größe und Gattung aller Straßenbäume auf St. Pauli. Der älteste steht in der Bernhard-Nocht-Straße.

Wer in der Kastanienallee auf St. Pauli wohnt, weiß welche Bäume in seiner Straße stehen. Doch alle anderen St. Paulianer können sich jetzt auch auf bequemem Weg schlau machen. Die Umweltbehörde hat ein digitales Baumkataster vorgestellt, durch das Internetnutzer für jede Straße auf St. Pauli (und in Hamburg) erfahren, wie viele und welche Bäume dort im öffentlichen Raum stehen. Verzeichnet sind also Straßenbäume und nicht welche auf Hinterhöfen und anderen Privatgrundstücken. Außerdem erhält man Informationen für jeden einzelnen Baum über Art, Gattung, Pflanzjahr, Stammumfang oder Kronendurchmesser.

Durch verschiedene Filtereinstellungen lassen sich unterschiedliche Kriterien abfragen. Auf St. Pauli gibt es demnach 1919 Straßenbäume. Der älteste ist eine Silberlinde aus dem Jahr 1885 – stolze 131 Jahre alt also. Sie steht an der Bernhard-Nocht-Straße 76, hat einen Stammumfang von drei Metern und einen Kronendurchmesser von 14 Metern. Etwas jünger sind einige Platanen am Elbpark, die zwischen 1907 und 1925 gepflanzt worden sind. Ähnlich alt ist sonst nur noch die Pappel auf dem Hans-Albers-Platz und eine Scheinakazie an der Budapester Straße – sie stehen ebenfalls seit 1925.

Die Pappel auf dem Hans-Albers-Platz ist einer der ältesten Bäume auf St. Pauli

Die Pappel auf dem Hans-Albers-Platz ist einer der ältesten Bäume auf St. Pauli

Viele Bäume auf St. Pauli sind jedoch deutlich jünger. Reeperbahn und Spielbudenplatz wurden erst vor einigen Jahren umgestaltet, anschließend pflanzte die Stadt dort unter anderem Hainbuchen, Ebereschen, Falschen Christusdorn und Weihrauchzedern. Aber auch im restlichen St. Pauli gibt es kaum alte Straßenbäume, denn sie waren über viele Jahre ein Privileg wohlhabender Elbvororte oder der Gründerzeitviertel wie Harvestehude, Rotherbaum oder Uhlenhorst, heißt es aus der Umweltbehörde. „Die Arbeiterviertel des frühen 20. Jahrhunderts wurden hingegen sehr eng bebaut und boten wenig Platz für Grün.“

Doch in den 1950 Jahren begann eine vermehrte „Aufforstung“ auf St. Pauli. Das Online-Baumkataster zeigt in den folgenden Jahrzehnten immer mehr grüne Punkte auf seiner Karte an. Auf St. Pauli gibt es hauptsächlich Platanen, Linden, Eichen sowie Ahorn – aber auch Eschen und Ebereschen, Weiden, einen Sumach-Essigbaum, Scheinakazien, und einen Götterbaum auf der Reeperbahn. Für die Davidstraße hat man im Jahr 2010 den Amberbaum ausgewählt.

Baumkataster erklärt „Linde vor dem eigenen Fenster“

Mit der Veröffentlichung des Baumkatasters wurde auch bekanntgegeben, dass die Umweltbehörde das Geld für die Nachpflanzung von Straßenbäumen in Hamburg verdreichfacht. Statt 500.000 Euro sollen 1,5 Millionen Euro für neue Bäume zur Verfügung gestellt werden, um „das Defizit bei den Nachpflanzungen spürbar abzubremsen“. Wie viel davon im Stadtteil St. Pauli landet ist nicht abzusehen, zumal es nicht allzuviele freie Flächen für neue Bäume gibt. Allerdings wurden in den vergangenen zehn Jahren bereits viele neue Bäume gepflanzt, vor allem in St. Paulis Süden.

Und sie sehen nicht nur gut aus, sondern haben eine wichtige Funktion. „Mit dem neuen Baumkataster im Internet gibt es mit wenigen Klicks Infos zu den einzelnen Straßenbäumen, etwa der Linde vor dem eigenen Fenster oder der alten Eiche an der nächsten Bushaltestelle“, erklärt Umweltsenator Jens Kerstan. „In den kommenden Jahren wollen wir vor allem den Blick auf die alten Bäume lenken, sie haben die größte Wirkung als Schattenspender, Feinstaubfänger und Kohlenstoffspeicher – und sind deshalb besonders schützenswert.“

Die Bäume am Elbpark wurden zwischen 1907 und 1925 gepflanzt

Die Bäume am Elbpark wurden zwischen 1907 und 1925 gepflanzt

Denn ein hundert Jahre alter Baum von 20 Metern Höhe und mit einem Kronendurchmesser von zwölf Metern verarbeitet an einem Sonnentag 18 Kilo Kohlendioxid. Um jede Tonne Holz die er wächst, entzieht er der Atmosphäre rund 1,85 Tonnen Kohlendioxid und speichert dabei rund 500 Kilo Kohlenstoff im Holz.

Neben solchen wichtigen Funktionen bieten Obstbäume zur Erntezeit einen nahrhaften Bonus. Allerdings sind sie auf St. Pauli ziemlich selten: ein Dutzend Kirschbäume in mehreren Straßen, zwei Felsenbirnen an der Marktstraße, Apfelbäume auf dem Tschaikowskyplatz und an der St. Pauli Hafenstraße. Das war´s.

Manche Bäume sind ein Ärgernis

Andere Bäume widerum sind für manche Anwohner ein Ärgernis: Allergikern sind möglicherweise besonders Haseln in der Lerchen- und Lagerstraße, die Erlen in der Laeisz- und Simon-von-Utrecht-Straße oder die Birken in der Wohlwillstraße und im Bertha-Keyser-Weg ein Dorn im Auge.

Wer sich nicht auf die Stadt verlassen, sondern selbst aktiv werden will, kann sich an die Loki-Schmidt-Stiftung wenden, die die Aktion Mein Baum – Meine Stadt betreut. Unter www.hamburg.de/mein-baum-meine-stadt können Bürgerinnen und Bürger, Firmen oder Vereine auf einer Karte freie Pflanz-Standorte wählen und „ihren“ Baum pflanzen lassen.

Hier geht es zum Baumkataster

 

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