Schlaglicht / Mittwoch, 27.04.2016

Abenteuerlich übernachten: ein Lkw als Hotelzimmer

Lkw Elli vor dem Hotel Kogge an der Bernhard-Nocht-Straße
 
 

Wer auf St. Pauli übernachten will und das Gefühl von Freiheit liebt, kann sich jetzt einen Lkw an der Bernhard-Nocht-Straße als Unterkunft mieten.

Auf St. Pauli werden den Gästen Hunderte Hotelzimmer geboten, doch das ungewöhnlichste ist erst in dieser Woche hinzugekommen: Kiezbesucher können an der Bernhard-Nocht-Straße in einem Lkw übernachten. Das Gefährt mit dem Namen „Elli“ kann über die Plattform Airbnb gebucht werden und bietet Platz für zwei Personen. Der Lkw hat vermutlich mehr Abenteuer erlebt als die meisten Menschen, denn er war schon in ganz Europa, in Afrika und sogar in Sibirien und der Mongolei auf Reisen. Doch jetzt wird Elli zum „HoteLkw“ und selbst ein Abenteuer – für Touristen, Autoliebhaber und andere freiheitsliebende Besucher Hamburgs.

„Leben und schlafen in einem voll ausgestatteten Lastwagen mitten auf St. Pauli“, heißt es im Airbnb-Profil. Es gibt eine Küche mit Kühlschrank, eine Heizung und eine Musikanlage – sanitäre Anlagen allerdings nicht, doch dafür besteht eine Kooperation mit dem Rock’n’Roll-Hotel Kogge vor dem Elli parkt. Dort können die Lkw-Gäste duschen und die Toiletten benutzen. Auch Frühstück gibt es hier.

Herberge für „Abenteurer, die in der Nacht leben!“

„Es ist das Abenteuer absolut wert“, sagen die Betreiber. Und warnen zugleich vor dem Kiez. „St. Pauli ist ein bunter, lauter und lebhafter Stadtteil“ und daher nichts für ruhesuchende Reisende. „Ihr lebt auf St. Pauli, DER Party-Spot in Hamburg. Wenn ihr etwas Ruhiges sucht, seid ihr hier am falschen Platz.“ Der Lkw biete zwar Privatsphäre, Geräusche von der Straße würde aber hineindringen. Elli sei eine Herberge für „Abenteurer, die in der Nacht leben!“ Die Unterkunft kostet pro Nacht 65 Euro.

Eigentümer Frank hat den Lkw vor neun Jahren gekauft, nachdem er mit einem Bulli von einer Afrikareise zurückgekehrt war. Eigentlich, um damit zu reisen. Für die nächste Tour wollte er ein größeres Fahrzeug haben. Ein Freund, der Wagenbewohner ist, hat Frank und Elli dann vermittelt. „Angeguckt, verliebt, gekauft“, sagt Frank.

Der Innenraum von Lkw Elli

Der Innenraum von Lkw Elli

Doch seiner Wohngemeinschaft wurde die Wohnung gekündigt und Frank musste eine neue Bleibe suchen. Mit einem Freund baute er Elli in nur einem Monat um und machte sie bewohnbar. „So hab ich dann sechs Jahre vorm Störte gestanden und dort gewohnt“, sagt Frank. Aus der geplanten Reise  wurde aber zunächst nichts.

Seit Frank wieder in eine Wohnung gezogen ist, stand der Lkw auf einem Wagenplatz unter und wurde nur gelegentlich von Freunden genutzt. „Verkaufen wollte ich ihn dennoch nicht, die große Reise steht ja noch aus“, sagt Frank. Seine Frau Sara Lisa hatte schließlich die Idee, aus Elli das 13. Hotelzimmer der Kogge zu machen, um so die Kosten für Steuer, Versicherung und TÜV einzunehmen.

„HoteLkw“ Elli ist eines von etwa 300 Airbnb-Angeboten aus dem Gebiet St. Pauli, Schanze und Karoviertel. Die meisten Anwohner offerieren allerdings eine normale Wohnung oder bieten ein einzelnes Zimmer an. Dabei wird dann die „schönste Wohnung St. Paulis“ oder die Nähe zur Reeperbahn oder zum Millerntorstadion angepriesen. Für Gruppen gibt es sogar eine ganze ehemalige Kiezkneipe im Souterrain an der Kastanienallee.

„Männer und ihre Autos“

Doch Elli ist selbst auf dem bunten St. Pauli eher ungewöhnlich. Der Lkw ist ein IFA L60 aus dem Baujahr 1989 und war zunächst bei der ostdeutschen Armee im Einsatz. 20.289 Fahrzeuge dieses Typs wurden insgesamt gebaut, heute ist der L60 in Deutschland kaum noch verbreitet. Auch in anderen Ländern werden via Airbnb Fahrzeuge als Unterkunft vermietet. In Norwegen gibt es etwa einen Feuerwehrwagen, in Schweden einen Bus mit Dachterrasse.

Wann die Sehnsucht nach fernen Ländern wieder mit Frank, Sara Lisa und Elli durchgeht, ist nicht abzusehen. Bis dahin hat der Lkw sein neues Zuhause an der Bernhard-Nocht-Straße gefunden. Andere Standorte in Hamburg sind nicht geplant, auch Spritztouren der Gäste mit Elli sind unwahrscheinlich. „Ja, erstmal soll sie nur vor der Kogge stehen. Wir wollen sie auch nicht zum fahren vermieten, man braucht zum einen einen großen Führerschein und viel Gefühl, um sie zu fahren“, sagt Frank. „Zum anderen, Männer und ihre Autos, ich tu mich schwer damit. Vielleicht mal unter Aufsicht.“

 

Kommentare


  1. Ein schöner Fall für die Sondernutzungszentrale des Bezirksamtes Hamburg-Mitte. Sie freut sich, wenn denn die Erlaubnis erteilt ist, auf die Sondernutzungsgebühr eines Gewerbetreibenden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *



Aktion soll zeigen: Pudel und Park Fiction gehören eng zusammen. Künstler unterstützen Forderungen nach Erhalt dieser Einheit am Hafen. ... weiterlesen

Autor Robert Brack schreibt nicht nur am Pinnasberg, sein neuer Krimi handelt auch von der unmittelbaren Umgebung – allerdings im Jahr 1920.  ... weiterlesen

Update: Beim ersten Einsatz der neu gegründeten Einheit zur Bekämpfung der Dealerszene wurden vier Männer vorläufig festgenommen. ... weiterlesen

Wordpress | Impressum | Datenschutz