Rotlicht / Samstag, 25.04.2015

Woher kommt eigentlich der „Puff“?

 
 

Kleine Wortkunde für Kiez-Interessierte: „Puff“ ist irgendwas mit Frauen, ja. Aber das Wort stammt aus einem etwas anderen Zusammenhang.

Erotik-Bars, Spielcasinos, Clubs und Kneipen – wer heute über den Kiez geht, findet viele verschiedene Angebote nebeneinander. Im Mittelalter war das noch anders. Es gab nur zwei Orte, wo man offen Feiern, Anbaggern und Zocken konnte, nämlich das Freudenhaus und das Badehaus. Im Freudenhaus dienten Brett- und Kartenspiel als beliebtes Vorspiel bei der Kontaktanbahnung der Prostituierten mit den Kunden.

Beim Brettspiel kam man den Mädels näher

Geselliges Bad in einem mittelalterlichen Badehaus (Darstellung um 1470) [Public domain], via Wikimedia Commons

Geselliges Bad in einem mittelalterlichen Badehaus (Darstellung um 1470; Public domain via Wikimedia Commons)

Auch in den Badehäusern ging es häufig hoch her. Der Begriff „leibliches Wohl“ wurde da sehr weit ausgelegt, wie auf alten Stichen oder Gemälden zu sehen ist: Zu den Dienstleistungen gehörte auch das gemeinsame Baden der ansonsten streng getrennten Geschlechter. Männer und Freudenmädchen vertrieben sich dabei die Zeit mit Brett- oder Kartenspielen, mit Musik, Speis und Trank und hinterher auch mit Liebesspielen.

Sehr verbreitet war ein Brettspiel namens Wurfzabel, das schon die alten Römer nach Nordeuropa gebracht hatten. „Zabel“ bedeutet „Spielbrett“ und geht auf das lateinische tabula (= Brett)) zurück, genau wie das Wort Tafel. Wurfzabel wird, wie das heutige Backgammon, zu zweit mit 15 weißen und 15 schwarzen Steinen und zwei Wüfeln gespielt. Die Spielbretter in den Kneipen sahen allerdings etwas einfacher aus als die verzierten des Adels.

Anders als beim Backgammon müssen die Spielsteine erst mal in das Spiel hineingewürfelt werden. Danach rücken sie mit den Würfelzahlen vor, also bei 3 : 5 kann ein Stein drei, der andere fünf Felder vorrücken. Landet ein Stein auf einem vom Gegner besetzten Feld, gilt dessen Stein als geschlagen und muss wieder aufs Startfeld zurück. Es kommt darauf an, die eigenen Spielsteine als Erster bis ins Endfeld zu bringen.

Ein anderes Wort für Pasch war Puff

Historisches Wurfzabel-Brett mit Spielsteinen

Historisches Wurfzabel-Brett mit Spielsteinen

Wichtig war vor allem der Pasch: Würfelte ein Spieler zwei gleiche Zahlen, durfte er die doppelte Feldzahl vorrücken (nach anderen Überlieferungen: noch einmal würfeln und dann erst jede Augenzahl zweimal ziehen). Der Pasch brachte also besondere Vorteile. Und jetzt kommts: Ein anderes Wort für Pasch war Puff. (Einer anderen Quelle zufolge leitet sich Puff von buffo ab – italienisch: Schubs oder Stoß – und bezeichnete den Aufprall des Würfels auf dem Spielbrett.)

Weil Puff viel kürzer und knackiger ist als Wurfzabel, bürgerte es sich als Name für das ganze Spiel ein. Im 18. Jahrhundert entstand dann die umgangssprachliche Übertragung von Puff auf Freudenhaus – weil das so schön harmlos und verschleiernd klang. Die Bezeichnung Puff für ein Bordell geht also auf den Namen des Spiels zurück, das in diesen Häusern viel gespielt wurde − man ging eben „zum Puff“.

Fotos: dpa, Wikipedia Commons

 

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