Rotlicht / Mittwoch, 23.12.2015

Polizei warnt vor Abzocke im Rotlichtmilieu

 
 

Nachdem die Zahl der Betrugsdelikte im Rotlichtmilieu auf St. Pauli zuletzt zurückging, stieg sie im Dezember erneut an. Polizei warnt Freier mit Handzetteln.

Die Hamburger Polizei warnt derzeit wieder vermehrt vor Betrugsdelikten im Rotlichtmilieu auf St. Pauli. Am Donnerstag und Sonnabend vergangene Woche verteilten Beamte des LKA 113, zuständig für Rotlichtkriminalität, entsprechende Flyer u.a. an den Eingängen zur Herbertstraße, mittels derer männliche Besucher vor den Tricks der Prostituierten gewarnt werden sollten. Immer wieder sorgen diese Fälle, bei denen für vermeintliche sexuelle Dienstleistungen viel zu hohe Beträge abgebucht werden, für Schlagzeilen.

Die Masche ist dabei fast immer dieselbe: Zunächst drängen die Prostituierten ihre Gäste dazu, mit EC- oder Kreditkarte zu bezahlen. Die erforderliche PIN soll dann in ein angebliches Kartenlesegerät eingegeben werden. Dabei handelt es sich jedoch in vielen Fällen um ein handelsübliches Smartphone, das die PIN speichert. Mit diesen Daten gelingt es den Frauen, nahezu jede beliebige Summe an Geldautomaten abzuheben.

„In der Regel wird das verfügbare Tageslimit abgehoben“, sagt ein Beamter vom zuständigen LKA 113. Das Standardlimit liegt bei vielen Banken zwischen 1.000 und 3.000 Euro. In seltenen Fällen können Kunden sogar einen fünfstelligen Betrag abbuchen. „Viele Hamburger kennen diese Masche bereits“, heißt es beim LKA. Auswärtige Touristen seien jedoch häufig froh, darüber aufgeklärt zu werden. Der gesunde Menschenverstand allein, scheint in vielen Fällen jedenfalls nicht auszureichen. „Die Frauen arbeiten zum Teil äußerst trickreich.“

Zwar sei die Zahl derartiger Betrugsdelikte auf St. Pauli für das gesamte Jahr 2015 insgesamt rückläufig, dennoch habe man im Dezember erneut einen Anstieg verzeichnet, der sich auf dem Niveau des Vorjahresmonats bewege, sagte ein Polizeisprecher. Konkrete Zahlen will die Polizei jedoch nicht nennen. Nur so viel: Die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher liegen, schätzen Beamte: „Viele haben Angst, Post nach Hause zu bekommen und erstatten deshalb keine Anzeige.“

Mit diesen Handzetteln informierte die Polizei vergangene Woche potentielle Freier auf dem Kiez

Mit diesen Handzetteln informierte die Polizei vergangene Woche potentielle Freier auf dem Kiez

Insgesamt jedoch, so betont man beim LKA 113, arbeite die überwiegende Mehrzahl der Frauen auf St. Pauli sauber. Es sei daher leider unvermeidbar, dass eine Flyer-Aktion, wie die vergangene Woche, letztendlich auch auf unbeteiligte Prostituierte zurückfalle, denen das Misstrauen potentieller Freier entgegenschlägt. „Wir versuchen aber gezielt die Hauptschwerpunkte anzusteuern und uns dort zu positionieren“, so der Ermittler. Im Visier habe man derzeit neben einem Objekt an der Friedrichstraße, auch einige wenige Häuser in der Herbertstraße.

Während von dort immer wieder Beschwerden bei der Polizei eingehen, sei die Zahl der Betrugsdelikte andernorts auf dem Kiez deutlich zurückgegangen. So habe es seit der Razzia durch Polizei und Steuerfahndung Anfang des Jahres und dem anschließenden Umbau des ehemaligen Eros-Centers zum Pink Palace, keine einzige Anzeige mehr gegeben. „Das ist eine sehr positive Entwicklung, die sich hoffentlich so fortsetzen wird“, hofft man beim LKA.

Denn auch aus dem ehemaligen Eros-Center waren zuvor immer wieder entsprechende Fälle bekannt geworden. Erst diese Woche musste sich eine 30-jährige Prosituierte vor Gericht verantworten. Karla S. räumte beim Prozess am Montag ein, statt der vereinbarten 75 Euro für Oral- und Geschlechtsverkehr, insgesamt 409,99 Euro vom Konto des damals 20-jährigen Freiers abgebucht zu haben. „Ich stand damals finanziell und persönlich massiv unter Druck“, sagte die 30-Jährige unter Tränen.

Karla S. stand wegen ähnlicher Delikte bereits mehrfach vor Gericht. Sich selbst will sie durch die Abzocke der Freier aber nicht bereichert haben. „Das Geld nahm der damalige Lebensgefährte an sich“, sagte ihr Verteidiger. Juristisch und finanziell musste hingegen die 30-Jährige den Schlamassel ausbaden. „Meine Mandantin hat eine Steuerschuld im sechsstelligen Bereich“, so ihr Verteidiger. Karla S. will nun dem Milieu dem Rücken kehren und im März eine Ausbildung zur Frisörin beginnen.

(In Zusammenarbeit mit Daniel Herder, HA; Foto: Michael Arning)

 

Kommentare


  1. Das Hauptproblem ist der Alkohol. Ich glaube, der St.Pauli Blog warnte schon mal:geh niemals besoffen in den Puff! Für Freier ist es sehr schwierig geworden. Beim Straßenstrich zahlst du und bekommst nicht viel, in den Animierläden wirst du abgezockt. Die „Anmachlokale“ von früher, wo die „Amateurmädchen“ hockten, sind längst Geschichte. Also schön zu Hause bleiben und das eigene Mäuschen verführen!

    • Ich kann die Angaben aus dem Artikel bestätigen. Ich bin etwa zweimal im Jahr in HH, mache auch jedesmal einen Reeperbahnbummel. Der EC-Kartentrick wurde bei mir schon zweimal versucht, ein Versuch davon in der beschriebenen Location, der zweite in der Herbertstraße. Natürlich erfolglos, ich bin zwar verrückt, aber nicht blöd.
      Ich wundere mich immer wieder darüber, dass es Dreibeiner gibt, denen der Verstand so sehr abhanden kommt, ihre EC-Karte auf dem Kiez auch nur eine Sekunde aus der Hand zu geben.
      Danke für den Artikel, Grüße an Hamburg

  2. Hat auf dem Straßenstrich schon jemals ein Freier, die ihm auf der Straße angebotene Dienstleistung tatsächlich zum angebotenen Preis bekommen?

    • Ja in der Tat, auf der Herbertstraße ist dies durchaus möglich, allerdings natürlich nicht für 50 €. Wenn man dort mal ein bisschen Spaß haben will sollte man ein bisschen mehr Geld einstecken( am besten Bar ) und eventuell schon am Fenster einen festen, reellen Preis aushandeln.

  3. Wie gut das ich noch nicht mit meiner Freundin zusammenlebe. Mir ist es genauso wie im Artikel beschrieben ergangen. Sternhagelvoll habe ich mich endlich mal getraut mit einer Dame mitzugehen. Es fing bei 30 EUR an. Nackt lag ich da, dann habe ich die Kreditkarte mit PIN rausgegeben, dann lagen auf einmal zwei Halbnackte neben auf mir und wollten mir was von 1000 EUR oder sowas erzählen. Ich bin aufgestanden und zur Polizei, nachdem ich gemerkt hatte, das ich kein Geld mehr ziehen konnte fürs Taxi ins Hotel. Aber siehe da. Die Polizei ist mit mir losgezogen, wir haben die Dame gefunden und ich habe 850 € von den 1000 € in einem Umschlag wiederbekommen. Endlich war das Glück mal mit dem Dummen. Nie wieder so eine Puffscheiße in HH!

  4. drauf reingefallen…
    Leider alle Fehler gemacht – getrunken und dann belatschern lassen. 1000€ weg.
    Die Masche ist also noch aktuell.

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