Blaulicht / Donnerstag, 21.04.2016

Polizei-Offensive gegen Dealer läuft an

 
 

Mit einer 50 Mann starken Einheit will die Polizei gegen die immer offener agierende Dealerszene auf St. Pauli vorgehen.

Von André Zand-Vakili und Daniel Schaefer

Innensenator Andy Grote (SPD) sagt Drogenhändlern auf St. Pauli den Kampf an. Dort hat sich in den vergangenen Monaten eine immer offener agierende Dealerszene etabliert (wir berichteten). Zu Beginn der einsetzenden wärmeren Jahreszeit wird mit einer weiteren Zunahme des Drogenhandels dort gerechnet. Daher soll die Polizei jetzt konzen­triert gegen die Täterszene vorgehen. Neben dem Bereich rund um die Hafentreppe an der Bernhard-Nocht-Straße und der Balduinstraße, werden auch die Talstraße, der Flora-Park im Schanzenviertel und der Hansaplatz in St. Georg mit ins Visier genommen. Auch dort wird regelmäßig offen gedealt.

Die Bekämpfung der offenen Dealerszene soll dabei eine Task-Force „Drogen“ unter der Leitung des PK 113 übernehmen, wie Polizeipräsident Ralf-Martin Meyer bereits vor Wochen ankündigte. Die Einheit gehört zur Wache 11 in St. Georg, wo man jahrelange Erfahrungen vor der eigenen Reviertür gemacht hat. Das PK 113 analysiert die Problematik, steuert die Kräfte und organisiert Schwerpunkteinsätze, heißt es.

Dazu stehen rund um die Uhr zwei Einsatzzüge zur Verfügung. Einer wird von der Bekämpfung des Haus- und Wohnungseinbruchs abgezogen, der zweite aus dem täglichen Dienst. „Diese dauerhafte Aufgabenzuteilung soll gewährleisten, dass die Kollegen mit Aufgabe und Szene vertraut sind und nicht immer neu eingewiesen werden müssen“, sagt Polizeisprecher Timo Zill. Die Beamten der Wache St. Georg sind für die gesamte Region Mitte 1 zuständig, weil man davon ausgeht, dass die Täter auf die anderen bekannten Drogenumschlagplätze im Schanzenviertel und St. Georg ausweichen dürften.

Wiederholt Demonstrationen der linken Szene

Die neue Offensive der Polizei könnte indes für weiteren Ärger auf dem Kiez sorgen. Rund um die ehemals besetzten Häuser an der Hafenstraße war es bereits in den vergangenen Monaten wiederholt zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen linken Aktivisten und der Polizei gekommen. Immer wieder kam es in den Abendstunden zu spontanen Demonstrationen gegen die aus Sicht der Linken „rassistischen Polizeikontrollen“.

Innensenator Andy Grote (SPD) machte am Mittwoch deutlich, dass man inzwischen einen Zustand erreicht habe, der nicht mehr tragbar sei. Dass beispielsweise rund um die Hafentreppe gedealt wird, ist auch für ihn nicht neu. Den jetzigen Einsatz erklärt er damit, „dass die Beschwerdelage, die ich schon als Bezirksamtsleiter kannte, noch einmal zugenommen hat“. Zudem habe ihm neu erworbenes Insiderwissen als Innensenator sensibilisiert.

„Als ich neulich auf der Davidwache nachts mit den Kollegen gesprochen habe, ist mir gesagt worden, dass ein Zustand erreicht ist, den man nicht hinnehmen kann.“ Mit „ordentlicher polizeilicher Arbeit“ habe man etwas erreicht; „erfolgreich“ sei die Polizei gewesen. „Aber sie war nicht so nachhaltig erfolgreich, wie man es sich gewünscht hat“, so Grote.

Grote: „Es wird den ganzen Tag gedealt“

Auch das zeigt die Dimension der Problematik. Denn die Davidwache kann sich durch zahlreiche Zusatzkräfte auf die höchste Polizeistärke Deutschlands stützen. „In Wahrheit ist aber die Präsenz der Dealer so, dass es offenkundig ist, dass den ganzen Tag gedealt wird“, sagte Grote. Es entstehe der Eindruck, dass der Rechtsstaat sich zurückzieht und Polizei sich nicht durchsetzen kann. „Das geht nicht.“

Neben der neuen Task-Force, setzt man bei der Polizei vor allem auch auf die Staatsanwaltschaft, um Täter dauerhaft aus dem Verkehr zu ziehen. „Wir sind in intensiven Gesprächen“, sagte Polizeipräsident Ralf-Martin Meyer. Er wünscht sich, dass Dealer zukünftig in ihre Heimat abgeschoben werden.

(Aufmacher: Archiv)

 

Kommentare


  1. Stark. Da werden also Polizisten von der Bekämpfung von Einbrüchen abgezogen um zu verhindert das sich manche mal ein bißchen was zu kiffen kaufen. Ich dachte die Zahl der Einbrüche knackt immer neue Rekorde und die Aufklärungsquote sei minimal. Aber naja die Polizei will wohl lieber ein paar „Neger“ ärgern.

    • Ich bezweifle, dass die Polizisten dies aus der von Ihnen unterstellten Intention tun…das scheint mir von Ihnen etwas kurz gedacht denke ich.

  2. Nachdem die politische Hochbegabung Grote vor einigen Jahren ankündigte: er werde dafür sorgen, dass in der Langen Reihe sich keine neue Gastronomie ansiedele, poppte unter jedem sich öffnenden Gullideckel eine neue Kneipe/Imbiss/Trinkbude auf. Nun will er die Drogenhandel auf St. Pauli und in St. Georg eindämmen………………..!
    Mein Vorschlag: Eröffnung eines „Starbucks“ im Rathaus >>>> wie schon in der Mönckeberg-Bibliothek <<<< Scholz als Servierkraft! Ebenso könnte der Drogenhandel ins Rathaus verlegt werden, dann hätten die Herren Politiker etwas sinnvolles zu "dealen" und würden uns nicht weiter mit ihrem Quatsch belästigen.
    Wer ist dafür?
    Fragt ein entnervter St. Paulianer

  3. Der Wunsch des Polizeipräsidenten, Dealer in “ihre Heimat” abschieben zu können, erinnert doch sehr an NPD-Plakate auf denen “Kriminelle Ausländer raus” gefordert wird. Aber heutzutage darf ja scheinbar jeder seinen Rassismus ausleben.

    • aber jeder darf seine kriminalität ausleben? sind sie der meinung, dass es menschen geben darf, die sich nicht an gesetze halten müssen?

      • Offenbar darf aber jedes politische Leichtgewicht seine Profilneurosen ausleben. Die Aufhübschung der Kriminalitäts-Statistiken hatten wir schon mal: siehe SCHILL !!!

  4. Pingback: Drogen-Einheit stürmt Kneipe auf St. Pauli - St.Pauli-News

  5. ach, was waren das für Zeiten wo einem morgens auf dem Weg zur Arbeit in der Marktstrasse von der anderen Seite ein fröhliches „na, brauchst du was“ zugerufen wurde… schlimm fand ich’s trotzdem nicht… aber damals kam es auch noch vor, dass in besagter Marktstrasse mal am offenen Feuer morgens ein Tier gebraten wurde (sehr zum Mißfallen der dann ankommenden Polizisten)… Kiffen tun sie irgendwie alle, koksen mittlerweile auch mehr und vor allem in den Kreisen, wo sie es sich leisten können… aber draufgehauen wird auf die Menschen, die nur die Nachfrage bedienen und oft auch nur, weil sie keine andere Möglichkeit heir zum Gelderwerb bekommen…
    und zu Ralf-Martin Meyer: ist ja auch ne Aussage, wenn er offenbar davon ausgeht dass alle Dealer Migranten sind, der alte Rassist… dann kann er die Angels ja mal nach Pinneberg abschieben oder wo die gerade wohnen

    http://www.abendblatt.de/hamburg/article207084895/Soko-Rocker-verhaftet-mutmassliche-Drogenhaendler.html

  6. erledigen wird man das Thema so nicht…das ist klar..Es einfach so zu lassen,geht auch nicht.Also ab und zu den „Laden“ aufmischen ist richtig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



Aktion soll zeigen: Pudel und Park Fiction gehören eng zusammen. Künstler unterstützen Forderungen nach Erhalt dieser Einheit am Hafen. ... weiterlesen

Autor Robert Brack schreibt nicht nur am Pinnasberg, sein neuer Krimi handelt auch von der unmittelbaren Umgebung – allerdings im Jahr 1920.  ... weiterlesen

Update: Beim ersten Einsatz der neu gegründeten Einheit zur Bekämpfung der Dealerszene wurden vier Männer vorläufig festgenommen. ... weiterlesen

Wordpress | Impressum | Datenschutz