Blaulicht / Sonntag, 10.01.2016

Innensenator und Polizeichef auf Kiezvisite

 
 

Am frühen Sonntagmorgen machten sich Innensenator Michael Neumann und Polizeipräsident Ralf Martin Meyer ein Bild von der Einsatzlage auf St. Pauli.

Sie wollten sich selbst ein eigenes Bild von der Lage auf dem Kiez machen und den Polizisten ihren Dank aussprechen: Innensenator Michael Neumann (SPD) und Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer erschienen am frühen Sonntagmorgen zu einer spontanen Kiezvisite auf St. Pauli. Gegen 0:45 Uhr begrüßten beide zunächst einige der eingesetzten Beamten auf der Großen Freiheit.

Auf ihrem gut halbstündigen Rundgang in Richtung Davidwache nahmen sich Neumann und Meyer immer wieder Zeit, den Polizisten vor Ort ein offenes Ohr zu schenken und sich nach der aktuellen Einsatzlage zu erkundigen. „Bislang ist es sehr ruhig heute Nacht. Es sind vergleichsweise wenige Menschen unterwegs“, sagte Neumann. „Einige sagen jedoch, dass das für Januar ganz normal sei.“ Auch Polizeipräsident Ralf Martin Meyer sprach von einer ruhigen Einsatzlage. „Aber die Nacht ist ja noch lang.“

Neumann und Meyer Kiezvisite

Innensenator Michael Neumann und Ralf Martin Meyer im Partygedränge auf der Großen Freiheit

Wie berichtet, reagiert die Hamburger Polizei am ersten Wochenende nach Bekanntwerden der sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht mit einer verstärkten Präsenz auf St. Pauli. Bereits in der Nacht zum Sonnabend war die Polizei mit zahlreichen Kräften im Einsatz. Insgesamt wurden 275 Personen überprüft, 21 Aufenthaltsverbote wurden ausgesprochen, zwei Personen wurden in Gewahrsam genommen, drei vorläufig festgenommen. „Eine normale Kiezlage“, wie ein Polizeisprecher sagte.

Auch in der Nacht auf Sonntag parkten allein rund um die Große Freiheit zwischenzeitlich bis zu fünf Sprinter der Hamburger Polizei. Immer wieder patrouillierten Beamte in kleinen Gruppen auf der Straße und kontrollierten die Ausweise „verdächtiger Personen und Gruppen“. Auch die Reiterstaffel wurde vergangene Nacht erneut eingesetzt.

Polizei Kontrolle nach Übergriffen

Polizisten kontrollieren zwei Personen am Beatles-Platz

Aufgrund der Vorfälle in der Silvesternacht habe man entschieden, die polizeiliche Präsenz auf St. Pauli deutlich zu erhöhen, so Polizeipräsident Ralf Martin Meyer in der Nacht. „Wir wollen deutlich machen, dass man auf St. Pauli sicher feiern kann.“ Nun gehe es zum einen darum, möglichen Übergriffen präventiv entgegenzuwirken. Darüber hinaus seien auch zahlreiche Zivilfahnder im Einsatz, die im Hintergrund Erkenntnisse über mögliche Täter sammeln sollen. Er sei optimistisch, dass einige Fälle der Silvesternacht noch aufgeklärt werden könnten.

Neumann und Meyer Kiezvisite III

Innensenator Michael Neumann begrüßt Beamte der Reiterstaffel vor der Davidwache

Einigen Türstehern auf der Großen Freiheit gefiel der prominente Besuch hingegen wenig. „Jetzt auf einmal sind sie alle da“, schimpfte ein Türmann. „Aber wo waren sie in den letzten Wochen?“ Er befürchte, dass die Polizei sich nach einer Phase des Aktionismus wieder vom Kiez zurückziehe. „Spätestens wenn die Bundesliga wieder läuft, wird das weniger.“ Auf die Frage, ob die Polizei auch in Zukunft weiter mit so vielen Beamten auf St. Pauli präsent sein werde, sagte Meyer: „Wir werden das lageabhängig beobachten und dann entscheiden, wie viele Kollegen wir auf St. Pauli einsetzen.“

(Fotos: Daniel Schaefer)

 

Kommentare


  1. Vielen Dank, Herr Neumann das sie der Provinzjugend einen sicheren Samstagabend gewährleistet haben. Hoffentlich haben sie diesmal weniger Glasflaschen auf der Straße zerdeppert.
    Übrigens gibt es auch noch andere Stadtteile in denen sich die Polizei mal sehen lassen könnte. Die fehlen dann doch woanders, wenn sie auf die Reeperbahn müssen. Politiker haben die Grundrechenarten leider noch nicht verstanden.

  2. Es ist doch schon komisch, wenn die Kacke am dampfen ist, werden sogar unsere Herren Politiker wach. Alle Signale die schon weit vorher bekannt waren, wurden immer nur schön geredet. Das ist für mich, einfach nur Verrat am eigenen Volk.

      • Schade, dass man immer gleich als Hetzer oder als Rechtsradikaler betitelt wird, wenn man die Verhältnisse, Tatsachen und Vorgänge beim Namen benennt.
        Entschuldige bitte, dass ich als Frau mich nicht erst seit den Sylvesterübergriffen, sondern schon länger nicht mehr sicher fühle hier wo ich zuhause bin.

        Eine Freundin hat Anfangs in einer Unterkunft geholfen und hat Hilfe geleistet, finde ich auch richtig und gut. Inzwischen hat sie eine ganz andere Meinung und hat ihr Ehrenamt eingestellt, weil sie die unerwarteten Belästigungen und Handgreiflichkeiten schockiert haben.
        Hoffentlich macht die Polizei bald etwas und hoffentlich ändert die Politik den Umgang mit diesen Straftätern auch wirklich und haut nicht nur leere Floskeln raus!

  3. Sehe ich genau so, nur dass die Politik mal wieder nichts machen wird sondern nur grosse Töne spuckt damit die Bevölkerung wieder einschläft!!!
    Es muss was passieren, der Staat schützt seiner Bürger nicht mehr!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *



Aktion soll zeigen: Pudel und Park Fiction gehören eng zusammen. Künstler unterstützen Forderungen nach Erhalt dieser Einheit am Hafen. ... weiterlesen

Autor Robert Brack schreibt nicht nur am Pinnasberg, sein neuer Krimi handelt auch von der unmittelbaren Umgebung – allerdings im Jahr 1920.  ... weiterlesen

Update: Beim ersten Einsatz der neu gegründeten Einheit zur Bekämpfung der Dealerszene wurden vier Männer vorläufig festgenommen. ... weiterlesen

Wordpress | Impressum | Datenschutz