Blaulicht / Sonntag, 14.02.2016

Feuer im Pudel Club: Verdacht auf Brandstiftung

 
 

Update: Ein Feuer hat das Gebäude vergangene Nacht erheblich zerstört. Die Polizei geht von einer “vorsätzlichen Brandlegung” aus.

Mit einer eindeutigen Handbewegung hält er die junge Frau zurück. “Was machen sie da?”, fragt der Polizist die blonde Frau mit Sektflasche und Blumen in den Händen, die gerade versucht, das rot-weiße Absperrband zu überwinden. “Ich möchte Blumen niederlegen”, antworten sie leise. “Und warum bitte?”, entgegnet der Beamte genervt. “Weil ich trauere.”

So wie der jungen Frau, die ihre gelben Tulpen anschließend auf einem großen Stein oberhalb des Golden Pudel Clubs niederlegen darf, geht es vielen an diesem Sonntag. Der Schock sitzt tief. So richtig hat kaum einer realisiert, was hier vergangene Nacht passiert ist: Um kurz nach 3 Uhr entdecken Beamte einer Streifenwagenbesatzung die Flammen in einem Anbau zwischen dem Club und der Fußgängerüberführung zum Hafen. Nur wenige Minuten später steht die gesamte Dachhälfte des Gebäudes in Flammen.

Der Pudel Club im Erdgeschoss, in dem zu diesem Zeitpunkt noch rund 150 Menschen feiern, wird umgehend evakuiert. Verletzt wird glücklicherweise niemand. Die Feuerwehr rückt mit mehr als 50 Einsatzkräften an, um den Brand unter Kontrolle zu bringen. Erst am Sonntagvormittag können die letzten Nachlöscharbeiten in dem Gebäude beendet werden.

Mit dem Licht des Tages wird auch das Ausmaß des Feuers sichtbar. Verkohlte Balken, verbranntes Dämmmaterial und lose Dachplatten  der Blick ins Dachgeschoss der Immobilie liegt frei. Auf der darunterliegenden Terrasse häufen sich durchnässte Klamotten, ein verschmortes Fahrrad und verbrannte Sitzbänke. Zuvor hatten hier in den vergangenen Wochen immer wieder Obdachlose übernachtet. Brandermittler der Kriminalpolizei suchen unterdessen mit Taschenlampen zwischen dem Unrat nach brauchbaren Spuren. Immer wieder packen sie verdächtige Gegenstände in Plastiktüten, durchkämmen jeden Winkel.

“Nach der ersten Brandortbefundaufnahme ist von einer vorsätzlichen Brandlegung auszugehen”, teilt die Polizei am frühen Sonntagabend mit. “Somit besteht der Verdacht der schweren Brandstiftung.” Ein kurzer Satz, der die schnell ausgebrochenen Gerüchte um eine angebliche “warme Sanierung” des Golden Pudel Clubs noch anheizen dürfte. Wer den Brand gelegt haben könnte, ist nicht bekannt. “Die Ermittlungen dauern an”, sagt ein Polizeisprecher.

Pudel Nach Feuer II

An den Spekulationen, die derzeit vor allem in den sozialen Netzwerken kursieren, will man sich von Seiten der Pudel-Familie nicht beteiligen. Der Zeitpunkt der Feuers lässt indes viele aufhorchen: Wie berichtet soll die Immobilie nach anhaltendem Streit der Eigentümer Rocko Schamoni (“Studio Braun”) und Wolf Richter am 20. April vor dem Amtsgericht Altona zwangsversteigert werden. Die Aktiven aus dem Pudel hatten daraufhin vergangene Woche angekündigt, für die Zukunft der Immobilie zu kämpfen. Angeblich, so der Plan, soll das Gebäude in eine Stiftung übergehen.

Während die Betreiber des Golden Pudel Clubs bereits am Morgen von der Polizei geweckt wurden, haben viele Aktive aus dem Pudel-Kollektiv erst nach und nach von der Katastrophe erfahren. “Wir sind völlig fassungslos”, sagt eine sichtlich bewegte Christiane Hollander, die gemeinsam mit mehreren Mitstreitern am Vormittag herbeigeeilt ist, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. “Es ist ein Albtraum. Ein Schock, ähnlich wie die Nacht, als die Esso-Häuser evakuiert wurden.”

Immer wieder fallen sich die Aktiven in die Arme, Tränen fließen. “Es sieht nicht gut aus”, sagt Hollander. Auch wenn das Feuer hauptsächlich im Obergeschoss des Gebäudes gewütet hat, so haben Löschwasser und der Schneefall der vergangenen Nacht nicht nur die obere Etage unter Wasser gesetzt, sondern auch den Club im Erdgeschoss. “Das Gebäude ist aufgrund des Brandes und des Löschwassers derzeit nicht nutzbar”, teilt die Polizei mit. Zudem sei der Dachstuhl laut Bauprüfabteilung des Bezirksamtes Altona teilweise einsturzgefährdet.

Feuer im Pudel Club - Arning III

Der Pudel, so viel steht fest, kann so schnell nicht wieder eröffnen. Selbst ein Abriss des Gebäudes scheint nicht mehr ausgeschlossen. Wie es weiter geht, weiß niemand. „Wir haben noch keine Fakten, keine Ahnung, keine Idee, ob es hier noch irgendwie weitergehen kann“, sagte Rocko Schamoni, der den Club im Erdgeschoss betreibt, dem Abendblatt. Doch so ein wenig schimmert bereits an diesem traurigen Tag der Kampfeswille durch: “Wenn der Schock vorbei ist, wird in die Hände gespuckt”, heißt es aus der Pudel-Familie. In einigen Facebook-Gruppen wird bereits dazu aufgerufen, den zerstörten Club in ehrenamtlicher Arbeit wieder aufzubauen.

Zuletzt aktualisiert am 14.2. um 19:30 Uhr.

(Mit Material von abendblatt.de / Fotos: Michael Arning; Daniel Schaefer)

 

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